Azubis rekrutieren ist kein Hexenwerk

Fachtagung des Kfz-Gewerbes Nordrhein-Westfalen

| Autor: Johannes Büttner

René Gravendyk, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses, führte als Moderator durch die Veranstaltung.
René Gravendyk, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses, führte als Moderator durch die Veranstaltung. (Bild: Büttner/»kfz-betrieb«)

Die Zeiten, als sich auf den Schreibtischen der Ausbildungsverantwortlichen die Bewerbungsunterlagen potenzieller Auszubildender stapelten, scheinen unwiederbringlich vorbei. Der Personalmarkt ist heute ein Nachfragemarkt, auf dem es für die Betriebe immer schwieriger wird, qualifizierte Kandidaten zu finden.

Das trifft auch auf die Kfz-Berufe zu, auch wenn sich hier die Situation noch nicht ganz so dramatisch darstellt wie in anderen Branchen. „Wir sind die Einäugigen unter den Blinden“, beschrieb der Präsident des Kfz-Gewerbes Nordrhein-Westfalen, Frank Mund, die Lage. Sein Verband hatte für Mitte April zusammen mit anderen fahrzeugtechnischen Gewerken zu einer Tagung zum Thema „Nachwuchsgewinnung und Fachkräftesicherung“ nach Hilden eingeladen.

Der erste Referent Jörg Flachowsky kennt sich als Gesellschafter der Agentur für Jugendkommunikation Jungvornweg mit der Zielgruppe aus. Einen Leitfaden für die perfekte Nachwuchskommunikation konnte er den rund 80 Teilnehmern dennoch nicht geben, schon allein, weil es so viele Subkulturen gebe.

Dafür lieferte er ein Porträt der heutigen Jugend, die sich von ihrer Vorgängergeneration deutlich unterscheide. Sie bevorzuge wieder feste Arbeitszeiten und -orte sowie eine klare Trennung von Beruf und Freizeit. Noch mehr als die heute 25- bis 35-Jährigen seien sie via Smartphone 24 Stunden mit ihrer Online-Community vernetzt, in der sie alles kommunizieren und diskutieren. Das bedeute aber nicht, dass sie nicht auch Livekontakte suchten und schätzten.

Stellensuche per Smartphone

In die gleiche Kerbe schlug Gero Hesse, Geschäftsführer der Agentur Territory Embrace. Wichtigstes Instrument zur Azubi-Rekrutierung sei nach wie vor das Praktikum, also der persönliche Kontakt. Doch direkt danach folgten digitale Kanäle. Die Jugendlichen würden Ausbildungsplätze online suchen, und zwar mit dem Smartphone.

Deshalb sei eine gute Präsentation des eigenen Unternehmens in sozialen Medien wichtig; diese sei aber nicht umsonst, sondern koste Zeit und ein regelmäßiges Engagement. Denn es müssten nicht nur regelmäßig Inhalte erstellt, sondern diese auch in der Zielgruppe verbreitet werden.

Die klassischen Stellenanzeigen sind dagegen tot, wie Prof. Armin Trost von der Hochschule Furtwangen ausführte. Dabei ging es ihm nicht nur um das Medium, sondern auch um die Inhalte. Auch online sollten Ausschreibungen nicht eine Fülle von Informationen und Anforderungen beinhalten, sondern eine Antwort auf die Frage bieten: „Warum sollte ich ausgerechnet hier eine Ausbildung beginnen?“ Statt auf Standardfloskeln sollten die Unternehmen auf ihre individuellen Stärken setzen und sich auch offen für Bewerber zeigen, die nicht den alten Normen entsprächen.

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