BMW und Mercedes stoppen Kooperation für automatisiertes Fahren

Autor / Redakteur: dpa/jr / Jens Rehberg

Die beiden Premiumhersteller wollen nicht mehr gemeinsam an der lange so stark gehypten Technologie arbeiten. Offiziell muss Corona als Begründung herhalten, aber zwischen den Zeilen kann man auch großen Respekt vor den unterschätzten Kosten für das vollautonome Fahren herauslesen.

Firmen zum Thema

Autonome Mercedes-Testfahrt
Autonome Mercedes-Testfahrt
(Bild: Mercedes-Benz)

Die Entwicklungskooperation von Mercedes und BMW in Sachen autonomes Fahren ist vorerst gescheitert. Die beiden Unternehmen legen die Zusammenarbeit auf Eis, wie sie am Freitag mitteilten. Die Entscheidung sei aber „im besten partnerschaftlichen Einvernehmen“ gefallen und eine Wiederaufnahme der Kooperation nicht ausgeschlossen.

Erst nach der Vertragsunterschrift im vergangenen Jahr habe man detaillierte Gespräche auf Expertenebene und mit Lieferanten führen können, erklärten die Autohersteller. Dabei sei man zum Ergebnis gekommen, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt sei, die Kooperation erfolgreich umzusetzen. Als Gründe nannten sie den hohen Aufwand für eine gemeinsame technologische Basis, die aktuelle Situation der Unternehmen sowie die konjunkturelle Entwicklung.

Bereits seit Längerem mehren sich die Anzeichen, dass die Ankündigungen der Industrie in Bezug auf das vollautonome Fahren offenbar verfrüht waren. Das liegt nicht zuletzt an der unklaren Rechtslage speziell in Europa. Zudem erfüllen die Sensoren und die Rechenleistung der Bordelektronik noch nicht die harten Anforderungen des automobilen Alltagsverkehrs. Außerdem ist die benötigte zusätzliche Sensorik schlicht zu teuer.

Der scheidende BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich oder Continental-CEO Elmar Degenhardt haben mittlerweile mehrfach bekundet, dass es bei dieser Technologie erst nach dem Jahre 2030 einen Durchbruch geben könnte. Andere Experten bezweifeln ganz offen, ob das vollautonome Fahren der Stufe fünf überhaupt jemals eine Chance auf eine reale Umsetzung hat.

Mercedes und BMW jedenfalls wollen sich vorerst wieder auf ihre eigenen Entwicklungspfade beim automatisierten Fahren konzentrieren. Die Zusammenarbeit auf anderen Themenfeldern soll durch den Stopp nicht betroffen sein.

(ID:46663349)