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Bosch: Sonnenblende mit Durchblick

Autor: Jan Rosenow

Auf der Elektronikmesse CES hat Bosch eine Sonnenblende vorgestellt, die nur dort verdunkelt, wo es auch nötig ist. Das soll Sichtbehinderungen vermeiden und Unfälle verhindern.

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Kleiner Schatten statt Brett vorm Kopf: Der Virtual Visor soll die Unfallgefahr senken.
Kleiner Schatten statt Brett vorm Kopf: Der Virtual Visor soll die Unfallgefahr senken.
(Bild: Bosch)

Während klassische Automessen der Bedeutungslosigkeit entgegensteuern, inszeniert sich die Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas als hippe Alternative für Digital Natives. Zunehmend stellen dort auch Autohersteller und -zulieferer ihre neuesten Entwicklungen vor – besonders natürlich aus dem Bereich der Fahrzeugelektronik. Bosch konnte sich auf der CES 2020 sogar über einen „Best of Innovation“-Award freuen (insgesamt gab es 28 Kategorien), und das nicht für eine ausgefuchste Vernetzungslösung oder das autonome Fahren, sondern für eine Sonnenblende. Wirklich!

Die Stuttgarter Techniker wollen das seit 100 Jahren bewährte Brett vor dem Kopf nämlich durch ein transparentes LCD-Display ersetzen, auf dem immer nur der Teil verdunkelt wird, durch den die Sonne das Fahrerauge irritiert. Festgestellt wird die Blendgefahr durch eine auf den Fahrer gerichtete Kamera. Der Rest des „Virtual Visor“ bleibt transparent und gewährt freien Blick auf das Verkehrsgeschehen. Laut Bosch hat das System vor allem bei Fahrten gegen die tief stehende Sonne Vorteile, wenn der Fahrer die Blende sehr weit herunterklappen muss und dann auf der Straße fast nichts mehr sieht.

Conti war vor vier Jahren schon weiter

Der Virtual Visor arbeitet mit einer Innenraumkamera, die das Gesicht des Fahrers während der Fahrt betrachtet. Die Bildauswertung erkennt sowohl die Gesichtspartien wie Augen, Nase und Mund, als auch das Licht, das die Sonne auf das Gesicht des Fahrers wirft. Sie analysiert permanent, wohin der Fahrer gerade blickt, und verdunkelt ausschließlich einen kleinen Bereich auf dem Display, damit nur ein Schatten im Bereich der Augen des Fahrers entsteht.

Ein altbekanntes Problem der klassischen Klapp-Sonnenblende kann der Virtual Visor allerdings nicht lösen. Wenn die Sonne an der Blende vorbei in den Innenraum scheint, dann hilft sie nichts. An dieser Stelle war der Bosch-Konkurrent Continental bereits vor vier Jahren weiter. Das Unternehmen stellte damals – natürlich auf der CES – eine in die Scheibe integrierte Verdunkelung auf Basis elektrochromatischer Folien vor.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group