CES: Die hippere Messe

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Jens Rehberg

Wer sich als Mobilitätsanbieter der Zukunft sieht, kann auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas schon lange nicht mehr fehlen. Auch wenn vor allem die Technik und trendige Anspielungen und weniger die Autos im Vordergrund stehen.

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Mercedes zeigt in Nevada den „Vision AVTR“ – eine Co-Produktion mit Hollywood.
Mercedes zeigt in Nevada den „Vision AVTR“ – eine Co-Produktion mit Hollywood.
(Bild: www.media.daimler.com)

Daimler-CEO Ola Källenius steht auf der Bühne des MGM Park und lässt zusammen mit Filmregisseur James Cameron zumindest virtuell die Puppen tanzen. Die Studie des Mercedes Vision AVTR ist als Kooperationsmodell mit der Filmindustrie von Hollywood einer der großen Stars auf der diesjährigen Consumer Electronic Show in Las Vegas. Bei der größten Unterhaltungsmesse der Welt im Spielerparadies in der Wüste Nevadas haben längst nicht nur Samsung, LG oder Sony ihre große Bühne. Letzterer schwingt sich nur scheinbar zum Autohersteller auf und zeigt mit dem „Vision-S“ für die meisten überraschend die 4,90 Meter lange Studie eines eigenen Elektroautos, das mit seinen vier Sitzplätzen, zahllosen Sensoren und 400 kW Leistung keine Realitätsabsichten hat.

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Ein Elektroauto aus der Garage eines Unterhaltungselektronikers hatte man lange Jahre in erster Linie Apple zugetraut, die sich letztlich von dem zu teuren Projekt verabschiedeten. Sony will zeigen, dass es auch eine Firma aus der Consumerbranche kann – und das Geschäft mit Kameras und Sensoren ist ein ertragreiches, da kommt eine automobile Vision im Umfeld der mächtigen Fachmesse gerade Recht.

Auch wenn die Autohersteller nicht mehr ganz so laut wie noch vor ein paar Jahren trommeln – wer in der Branche etwas auf sich hält, ist auch in diesem Jahr auf der CES. Neu ist der Trend hin zur CES und weg von einer klassischen Automesse wie dem einst fix gesetzten Jahresauftakt der North American International Autoshow in Detroit nicht. Die dortige Motorshow wandert als Schatten ihres einstigen Glanzes in diesem Jahr in den Juni ab – und die Gänge der CES sind voller denn je.

Das dürfte sich im kommenden Jahr noch fortsetzen, wenn die mächtige Messeerweiterung des Las Vegas Convention Centers den verwöhnten Autobauern im Januar 2021 völlig neue Chancen auf einen imagereichen Auftritt auf neuem Parkett gibt. Auch wenn die sonst so mächtigen Autobauer auf der größten Leistungsschau der Unterhaltungselektronik von den großen Marken Samsung, Sony, Google und Co. bisher eher als Nebendarsteller belächelt werden, darf man hier kaum fehlen, wenn man als Autobauer oder Zulieferer visionär und zukunftsgewandt als Mobilitätskonzern erscheinen will.

„Mercedes war schon immer eine Technologie- und Luxusmarke. Mehr denn je geht es jetzt darum, Luxus und Nachhaltigkeit noch näher zusammenzubringen. Denn für Mercedes stehen die beiden in keinem Widerspruch“, so Daimler-Chef Ola Källenius, „die Menschen lieben die individuelle Freiheit, jederzeit dorthin zu reisen, wo sie gerade wollen. Deshalb ist unsere Perspektive eindeutig: wir respektieren die Grenzen unseres Planeten – aber wir wollen individueller Mobilität keine neuen Grenzen setzen.“

Längst nicht mehr nur Kleinhersteller

Während die meisten weltweiten Automessen vor sich hin trotten, bereits abgestellt wurden oder um ihre Zukunft bangen, sieht das in dem immer gigantischer werdenden Convention Center in Las Vegas zum Auftakt des Jahres ganz anders aus. Nicht nur Branchenneulinge und Kleinhersteller wie Byton, Bird, Rivian oder Fisker bespielen die Leistungsschau, die längst eine interdisziplinäre Zukunftsplattform geworden ist, sondern auch die etablierten Marken wollen sich als innovativ, offen und visionär präsentieren.

Das gelingt mit dem ein oder anderen Messeauftritt besser oder schlechter. Nerds sind unverändert willkommen. Manche Neuheiten sind dünn, blass oder nicht wirklich neu – andere sollen nicht nur in der Autoindustrie Maßstäbe für morgen und übermorgen setzen. Dabei hat der ein oder andere Autohersteller allemal Probleme, über seinen eigenen Schatten zu springen und weiß nicht, ob ein Blick in die Zukunft ausreicht, die Technologien greifbar genug sind oder es doch ein neues Auto sein sollte.

„Avatar“ lässt grüßen

Während Fisker mit dem elektrischen Crossover „Ocean“ zum Preis von unter 40.000 Dollar den nächsten Versuch unternimmt, das Auto der Zukunft Realität werden zu lassen oder Byton wiederholt unterstreicht, dass sein M-Byte mit seinen mehr als 60.000 Vorbestellungen in diesem Jahr endlich Realität wird, lassen es gerade die großen Autobauer etwas subtiler angehen. BMW zeigt verklausuliert den Innenraum des elektrischen Hoffnungsträgers I-Next, der 2021 Realität werden soll. Audi lässt einen mit der bekannten Studie AI:ME empathischer denn je in einen autonom fließenden Stadtverkehr blicken und Mercedes entführt die Besucher mit dem Vision AVTR in eine Filmwelt der Zukunft – „Avatar 2“ lässt grüßen.

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 Stefan Grundhoff

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Journalist