Automobilindustrie Branchenverband VDA sieht erheblichen Reformbedarf

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

VW berät über Einschnitte, während Beschäftigte protestieren. Mitten im wachsenden Krisengefühl in der deutschen Automobilindustrie wird VDA-Präsidentin Hildegard Müller nun deutlich und analysiert die Standortprobleme und die Notwendigkeit des Jobabbaus.

VDA-Präidentin Hildegard Müller fordert „tiefgreifende Reformen“ zur Rettung der deutschen Automobilindustrie.(Bild:  VDA/Ch. Lietzmann)
VDA-Präidentin Hildegard Müller fordert „tiefgreifende Reformen“ zur Rettung der deutschen Automobilindustrie.
(Bild: VDA/Ch. Lietzmann)

Inmitten der Debatte über Sparpläne bei VW und Mercedes-Benz sieht der Verband der Automobilindustrie (VDA) weiteren Reformbedarf in der Branche – nicht zuletzt in den Punkten Kosten und Personal. Die Entscheidungen seien schwierig und müssten im Dialog mit allen Beteiligten ausgestaltet werden, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller in einer Mitteilung. Konkrete Aussagen zu einzelnen Unternehmen machte Müller nicht.

„Die Unternehmen der Automobilindustrie werden mit Blick auf die andauernden und akuten Standortprobleme weitere Reformen und Anpassungen vornehmen müssen“, so Müller. „Dazu gehören Kostendisziplin, leider auch notwendige Personalanpassungen und tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle.“ Diesen Handlungsbedarf zu leugnen, sei keine Option. „Es ist kurzsichtig und wegen seiner Konsequenzen unsozial.“

In Wolfsburg findet am Donnerstag eine VW-Aufsichtsratssitzung statt, auf der über mögliche weitere Einschnitte beraten wird. IG Metall und Betriebsrat halten mit einem bundesweiten Aktionstag an allen Konzernstandorten dagegen. An mehreren Standorten sind Kundgebungen geplant, bei Porsche in Stuttgart ein Autokorso. Laut „Manager Magazin“ will VW seinen Sparkurs deutlich verschärfen: Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. In einem „Spiegel“ war die Rede, dass die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen könnte. 

Die Branche stehe vor der Aufgabe, „ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Geschäftsmodell konsequent zu sichern und neu zu gestalten“, sagte Müller. Die Realität habe die politischen Ziele und Ansätze überholt und gefährde zunehmend auch Arbeitsplätze. „Die Werke der Hersteller und Zulieferer werden wir so nicht halten können“, so Müller.  Zugleich forderte sie: „Wir müssen die Standorte hier auch für ausländische Hersteller öffnen. Mit jedem Werk, das wir hier halten können, halten wir Arbeitsplätze.“

Blume prüft China-Autos für Europa

 Bei VW hatte Konzernchef Oliver Blume zuletzt angekündigt, auch die Produktion chinesischer VW-Modelle in Europa zu prüfen, um die Auslastung der Werke zu verbessern. „Wir werden prüfen, ob es in Europa Absatzmöglichkeiten für unsere chinesischen Autos gibt“, hatte Blume bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende April gesagt. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (beide SPD) sprachen sich bereits dafür aus, Modelle aus China nach Europa zu holen, um die hiesigen Werke auszulasten. 

In Betracht kämen laut Blume eigene Modelle, die VW in China speziell für den dortigen Markt entwickelt hat und bisher nur dort anbietet. Spekulationen, VW könne auch komplette Standorte an Hersteller aus China abgeben, hatte Blume dagegen zuletzt zurückgewiesen. Es gebe aktuell keine Überlegungen und Gespräche mit chinesischen Herstellern, so der Konzernchef.

Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. In Dresden ist die Fahrzeugproduktion jüngst ausgelaufen, für Osnabrück sucht der Konzern derzeit nach einer Lösung, wenn dort im kommenden Jahr die Cabrio-Fertigung endet. Vor allem Rüstungskonzerne sind dort als mögliche Partner im Gespräch.

(ID:50894160)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung