BVSK: Mobilität im Fokus

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Vera Scheid

Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Der 26. Sachverständigentag des BVSK in Potsdam widmet sich den Themen „125 Jahre Automobil“ und Elektromobilität.

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BVSK-Präsident Harald Brockmann begrüßte die Teilnehmer des 26. Sachverständigentags in Potsdam.
BVSK-Präsident Harald Brockmann begrüßte die Teilnehmer des 26. Sachverständigentags in Potsdam.
( Archiv: Vogel Business Media )

Der 26. Kfz-Sachverständigentag des BVSK in Potsdam spannte einen Bogen zwischen den Anfängen und der Zukunft individueller Mobilität. Getreu diesem Vorsatz stand die Veranstaltung unter dem Motto: „Der unabhängige Sachverständige zwischen automobilem Kulturgut und E-Mobility“. „Der Kfz-Sachverständige ist nicht nur Beobachter, sondern auch Teil der technischen Entwicklung – und begleitet diese seit 125 Jahren“, sagte BVSK-Präsident Harald Brockmann in seiner Begrüßungsrede.

Insbesondere bei der E-Mobilität sieht auch Jörg Vogelsänger Handlungsbedarf. Der Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg bemerkte anlässlich der Potsdamer Tagung, dass die E-Mobilität in den Ballungsräumen die größten Chancen habe. Zugleich warnte er aber davor, dass der Ausbau der Infrastruktur für E-Mobilität nicht zu Lasten des öffentlichen Personennahverkehrs gehen dürfe.

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Batterien bleiben das Kernproblem

Weitere Vorträge zur E-Mobilität gab es von Gerhard Geyer (Mitsubishi Motors) und Ralf Friese (Audi). Geyer stellte den Mitsubishi i-MiEV vor, das erste auf dem deutschen Markt in Großserie angebotene Elektroauto. Seinen Angaben zufolge absolvierten bis April bereits 318 Servicepartner des japanischen Herstellers die für den i-MiEV notwendige Elektroschulung. Diese sogenannten „I-MiEV-Partner“ sollen die Vermarktung des Elektroautos in Deutschland vorantreiben und zugleich den Service für das Fahrzeug flächendeckend sicherstellen.

Audi-Mann Ralf Friese berichtete derweil, dass das Thema E-Mobilität beim Ingolstädter Autobauer eine lange Tradition habe. „Elektrofahrzeuge sind keine Erfindung der Neuzeit“, so Friese. Vielmehr habe es im Audi-Konzern schon von Anfang an ernsthafte Versuche mit Elektrofahrzeugen gegeben. Ein Beispiel hierfür ist der DKW-Elektrowagen von 1954. Dieser Lieferwagen wurde tatsächlich in Serie gebaut. Allerdings habe schon damals die Batterie den Fahrzeugpreis nahezu verdoppelt. „Dieses Problem hat sich bis heute gehalten“, so Friese.

„Klassiker“ haben technische Reserven

Die nach wie vor immensen Batterie-Kosten sind laut Prof. Dr. Ing. Wilhelm Hannibal (Entec Consulting GmbH) der Hauptgrund dafür, dass der klassische Verbrennungsmotor „noch lange nicht ausgedient hat“. Zudem hätten moderne Benzin- und Dieselmotoren noch enorme technologische Reserven. So etwa könnten die neuen variablen Ventiltriebe den Kraftstoffverbrauch und damit den CO2-Auststoß deutlich reduzieren. Ebenso eröffne die Teilelektrifizierung des Verbrennungsmotors - beispielsweise durch elektrische Wasser- oder Ölpumpen - zusätzliches Einsparpotenzial.

Den Spannungsbogen zu 125 Jahre Automobilentwicklung komplettierten die Vorträge von Prof. Stefan Bratzel (Fachhochschule der Wirtschaft/Bergisch-Gldbach) und Arno Kalmbach (Leiter Volkswagen Service Deutschland). Während Bratzel klarmachte, dass das eigene Auto gerade für jüngere Konsumenten immer mehr an Bedeutung verliere, erklärte Kalmbach, wie sich der Volkswagen-Service auf die künftige Mobilitätssituation vorbereitet.

Sachverständige sind gefordert

Sein Unternehmen hätte besonders Wettbewerber wie Pit-Stop, ATU oder Bosch Car Service im Fokus. Während ATU und Pit-Stop vor allem durch ihre „aggressive Preispolitik“ auffielen, spreche Bosch seine Kunden mit hoher technischer Kompetenz insbesondere im Bereich Elektronik an. Die weiter steigende Fahrzeugqualität, längere Service-Intervalle und sinkende Fahrleistungen wirkten sich laut Kalmbach höchst negativ aufs Aftersales-Geschäft aus. „Unser wesentliches Ziel ist es deshalb, den Service-Marktanteil unserer Servicepartner nachhaltig zu steigern“, so Kalmbach.

Nach Einschätzung der Experten müssen sich auch die Sachverständigen auf die veränderte Situation einstellen - und dies gleich in mehrfacher Hinsicht. So müssten sie sich einerseits mit neuen Konzepten in der Antriebstechnik vertraut machen - egal ob Elektro-Aggregat, Hybridantrieb oder technisch optimierter Benzin- und Dieselmotor. Andererseits gelte es, den immer rarer werdenden Service-Kunden durch Qualität, Zuverlässigkeit und Professionalität an den Marken- und Fachbetrieb zu binden.

Im Anschluss an den Sachverständigentag wählte die Mitgliederversammlung am Samstag den BVSK-Vorstand (siehe Foto). Mehr über den BVSK-Sachverständigentag lesen Sie in »kfz-betrieb« Ausgabe 30, die am 28. Juli erscheint.

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