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Chancen der Diesel-Nachrüstung nutzen

Autor: Christoph Baeuchle

Warten mussten alle Beteiligten lange, jetzt geht's aber wirklich los: Die ersten älteren Euro-5-Diesel sind bereits nachgerüstet. Bei einer hochkarätigen Veranstaltung des Kfz-Gewerbes NRW zur Diesel-Nachrüstung gaben die Systemhersteller Einblicke in ihre Pläne. Eine Chance für qualifizierte Werkstätten.

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Im Juni 2019 hat das Kraftfahrt-Bundesamt dem ersten Nachrüstsystem die Freigabe erteilt.
Im Juni 2019 hat das Kraftfahrt-Bundesamt dem ersten Nachrüstsystem die Freigabe erteilt.
(Bild: ZDK)

Die Hersteller von Nachrüstsystemen für Euro-5-Diesel stehen in den Startlöchern und haben die ersten Fahrzeuge bereits nachgerüstet. Sie zeigen sich zuversichtlich, dass sie in den nächsten Monaten ihr Angebot ausrollen und zahlreiche Kunden überzeugen können. Bis zu 80 Prozent der Kosten werden Autofahrern ersetzt, wenn sie ihren alten Diesel sauberer machen. Allerdings ist die Förderung begrenzt: Nur Daimler und Volkswagen unterstützen ihre Kunden, und das nur in sogenannten Intensivstädten.

Unterstützen die Nachrüstung: (v.li.) Frank Mund (Präsident Kfz-Gewerbe NRW), Ursula Heinen-Esser (NRW-Umweltministerin) und Claudia Schottmann (NRW-Landtagsabgeordnete).
Unterstützen die Nachrüstung: (v.li.) Frank Mund (Präsident Kfz-Gewerbe NRW), Ursula Heinen-Esser (NRW-Umweltministerin) und Claudia Schottmann (NRW-Landtagsabgeordnete).
(Bild: Baeuchle/»kfz-betrieb«)

„Die auf Regionen begrenzte Nachforderung geht mir furchtbar gegen Strich“, sagte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen vor rund 120 Zuhörern bei einer Info-Veranstaltung des Kfz-Gewerbes Nordrhein-Westfalen in Hilden. Sie wolle eine bundesweite Förderung erreichen. „Die Automobilhersteller sollen ihr finanzielles Engagement in ganz Deutschland einbringen.“

Mit ihrer Forderung fand sie nicht nur die Unterstützung aller Anwesenden und natürlich auch des Kfz-Gewerbes. „Landesverbände und ZDK haben das Thema so weit vorangebracht, dass wir in Berlin Gehör gefunden haben“, betonte Frank Mund, Präsident des Kfz-Gewerbes NRW. Er strich die Umweltaspekte der Nachrüstung heraus. Dazu trage nicht nur die Reduzierung der Stickoxidemissionen bei, sondern auch der Erhalt der Fahrzeuge.

Zuversichtlich zeigen sich die drei Systemhersteller, die bei der Veranstaltung in Hilden ihre Produkte vorstellten. Lege man die Intensivstadtregelung zugrunde, gebe es rund 1,3 Millionen Euro-5-Diesel, erläuterte Stefan Beinkämpen, Vorstandsmitglied der Baumot Group, im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Bei einer Unterstützung von 3.000 Euro, wie Daimler und Volkswagen dies zugesagt haben, umfasst der Markt rund 3,9 Milliarden Euro. „Wir wollen in den nächsten drei Jahren rund zehn Prozent davon bedienen“ – also circa 130.000 Fahrzeuge.

Baumot bietet wie die Dr. Pley SCR Technology Nachrüstsysteme für Pkws. Die ersten Fahrzeuge hat das Unternehmen öffentlichkeitswirksam bereits nachgerüstet. In Stuttgart rüstete Pley ein Mercedes-Modell um. Rund 2.000 Systeme hat Pley mit seinem Produktionspartner Bosal bereits vorproduziert. „Davon sind noch rund 600 Stück verfügbar“, sagte Geschäftsführer Martin Pley gegenüber »kfz-betrieb«. Gefragt sind vor allem Systeme zur Nachrüstung von Mercedes-Modellen; dagegen warten die Sets für Volvo und BMW, die die Nachrüster finanziell nicht unterstützen, noch auf Kunden. Pley ist sich sicher, dass sich dies bald ändert.

Bereit zum Nachrüsten: (v.li.) Lars Mothes (HJS Emission Technology), Martin Pley (Dr. Pley SCR Technology) und Stefan Beinkämpen (Baumot Group).
Bereit zum Nachrüsten: (v.li.) Lars Mothes (HJS Emission Technology), Martin Pley (Dr. Pley SCR Technology) und Stefan Beinkämpen (Baumot Group).
(Bild: Baeuchle/»kfz-betrieb«)

Dritter im Bunde ist die HJS Emission Technology. Das Unternehmen aus dem Sauerland hat sich auf die Nachrüstung von Kleintransportern und Fahrzeugen von Kommunalbehörden spezialisiert. Hier sind nicht nur die Ansprüche höher, sondern auch die Unterstützung. Bis zu 4.800 Euro erhalten die Nachrüster in der Klasse von 3,5 bis 7,5 Tonnen. „Das sind bis zu 80 Prozent der eigentlichen Summe des Systems“, sagte Lars Mothes, Leiter Produktmanagement Aftermarket bei HJS Emission Technology. Mothes verwies darauf, dass die Maßnahmen auch zur Belebung der Konjunktur und der Werkstattgeschäfte beitragen.

Das können die Servicebetriebe brauchen. Denn im laufenden Jahr ist laut dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe die Werkstattauslastung deutlich gesunken: Im Vergleich zum Vorjahr ging sie um drei Punkte auf nunmehr noch 83 Prozent zurück. Und für das nächste Jahr erwartet der Verband allenfalls eine Werkstattauslastung auf dem gleichen Niveau.

Weitere Hintergründe und Informationen veröffentlicht »kfz-betrieb« in der Ausgabe 51/52, die am 20. Dezember 2019 erscheint.

(ID:46284943)