Corona-Krise könnte im Autohandel für „neue Normalität“ sorgen

Autor: Christoph Seyerlein

Die Unternehmensberatung Bain prognostiziert der Automobilbranche tiefgreifende Folgen durch die Corona-Pandemie. Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Einbußen, sondern auch um strukturelle Veränderungen.

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Bain hält eine umfassende Unterstützung für Händler für notwendig.
Bain hält eine umfassende Unterstützung für Händler für notwendig.
(Bild: Autohaus Liliensiek)

Die Unternehmensberatung Bain prognostiziert der Automobilbranche extreme wirtschaftliche Einbußen durch die Corona-Pandemie. Sollte der Staat nicht eingreifen und den Markt nach der Krise nicht stimulieren, sei es derzeit wahrscheinlich, dass die Autoindustrie in diesem Jahr im Schnitt um bis zu 90 Prozent an Profitabilität einbüße, heißt es in einer Analyse des Unternehmens.

Klaus Stricker, Automotive-Spezialist bei Bain, erklärt: „Die Automobilbranche steckt in ihrer wahrscheinlich schwersten Krise überhaupt.“ Unterstützende Maßnahmen dürfen sich aus seiner Sicht dabei nicht nur an die OEMs selbst richten. Insbesondere bei Zulieferern und im Handel müsse die Liquidität gesichert werden.

Die durch Corona ausgelöste Rezession werde mindestens so stark sein wie diejenige im Zuge der Finanzkrise 2008/2009, erwartet Bain. Aktuell rechnet die Beratung damit, dass sich der Markt nach zwei Quartalen langsam wieder erholen könnte, aber weiterhin von einer hohen Unsicherheit geprägt sein wird. „Ohne staatliche Gegenmaßnahmen hieße das: Die Automobilhersteller würden weltweit 2020 statt der erwarteten 90 Millionen Pkw nur 64 Millionen verkaufen – ein Minus von 29 Prozent“, vermutet die Unternehmensberatung. In China zeige der Markt zwar erste Tendenzen der Erholung, Europa und den USA steht das Gröbste nach Ansicht der Beratung aber noch bevor.

Diese Empfehlungen gibt Bain

Automobilherstellern und Zulieferern empfiehlt Bain aufgrund der aktuellen Lage folgende drei Dinge:

  • Mitarbeiter schützen, Cashflow sichern, Händlernetze stabilisieren: An erster Stelle müsse die Sicherheit der Beschäftigten stehen. Um den Cashflow abzusichern, würden sich Mittel wie Kurzarbeit eignen. Zudem sollten Hersteller prüfen, ob sie Fahrzeugprojekte aufgrund der derzeitigen Situation besser verschieben. Für den Neustart wird es Kaufanreize und ein stabiles Händlernetz brauchen.
  • Krise nutzen, um Strukturhürden zu überwinden: Unternehmen sollten die Komplexität deutlich verringern. Dabei denkt Bain beispielsweise an Modellvarianten, Antriebe und Ausstattungen. Zudem sollten Hersteller den Online-Absatz und damit das Vertriebsnetz optimieren.
  • Strategische Weichen stellen, um gestärkt aus der Krise zu kommen: Aus Sicht der Unternehmensberatung ergibt sich für gut positionierte Firmen aktuell die Chance, Zukunftskompetenzen aufzubauen. Das sei beispielsweise durch gezielte Übernahmen möglich. Bain zufolge sollten Unternehmen aus der Branche dabei die Bereiche Elektromobilität, Konnektivität, digitale Dienste und autonomes Fahren im Fokus haben.

Darüber hinaus erwartet Bain, dass sich die Branche auch auf bleibende Veränderungen im Kundenverhalten wird einstellen müssen. Im Lockdown erprobte Alternativen wie Videokonferenzen könnten in Zukunft persönliche Treffen ersetzen. Die Unternehmensberatung rechnet mit nicht weniger als einer „neuen Normalität“.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«