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DAT: Politik setzt manisch auf alternative Antriebe

Autor: Christoph Seyerlein

Autohändler können Privatkunden kaum noch ein neues Diesel-Fahrzeug verkaufen, von gebrauchten Euro-5-Dieseln ganz zu schweigen. Schuld daran ist aus Sicht von DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann nicht zuletzt die Bundesregierung.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann hat in einem Statement mit Blick auf die anhaltende Diesel-Krise harsche Kritik an der Bundesregierung geäußert. „Umweltprobleme, so sie denn durch ältere Diesel-Fahrzeuge in signifikantem Umfang verursacht werden, verlagert Deutschland rücksichtslos in seine Nachbarländer. Verantwortlich hierfür ist die Bundesregierung, deren Aktivitäten zur Abwendung von Fahrverboten bislang quasi vollkommen ins Leere liefen“, schrieb der Chef anlässlich des jüngsten „Dieselbarometers“ der Deutschen Automobil Treuhand.

Nietzschmann spielte damit auf die Zurückhaltung von Privatkunden beim Kauf von Diesel-Fahrzeugen an. Neuwagen mit Selbstzünder seien derzeit praktisch nur bei Flottenbetreibern gefragt. Und bei den Gebrauchten, seien Euro-5-Diesel Ladenhüter auf den Höfen der Händler, „obwohl diese relativ jung sind und dazu beitragen könnten, dass die Reduzierung der Stickoxide weiter konsequent voranschreitet“, so Nietzschmann. Gleichzeitig würden exportorientierte Händler von der Entwicklung profitieren.

Nach wie vor fehlten klare Regeln im Umgang mit der Überschreitung von Grenzwerten und auch zu deren Zustandekommen. „Auch hinsichtlich der grundsätzlichen Notwendigkeit des Grenzwertes von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Außenbereich lässt die Politik weiterhin zu viele Fragen unbeantwortet“, so Nietzschmann weiter. Die deutsche Verkehrs- und Energiepolitik sei für Verbraucher derzeit kaum kalkulierbar.

Die „Fixierung“ der Politik auf alternative Antriebe, vor allem Elektro-Motoren, bezeichnete der DAT-Geschäftsführer als „manisch“ und „unkoordiniert“. Die Automobilhersteller und -Importeure müssten jene Haltung „durch ein zunehmendes Angebot an hybridisierten Dieselfahrzeugen, welche durch 48-Volt-Bordnetze nun nicht mehr als Umweltsünder kategorisiert werden“ parieren. „Es ist möglicherweise aber nur eine Frage der Zeit, bis dieser Charade durch die Aufsichtsbehörden ein Ende gesetzt wird“, warnte Nietzschmann.

Diesel standen im November etwas kürzer

Wie gewohnt analysierte die DAT im Dieselbarometer auch die Standzeiten und die Wertentwicklung von drei Jahre alten Gebrauchtwagen mit einer durchschnittlichen Jahreslaufleistung von 15.000 bis 20.000 Kilometern. Entsprechende Diesel-Fahrzeuge standen den DAT-Daten zufolge zuletzt durchschnittlich 99 Tage beim Händler auf dem Hof. Das war nach 98 Tagen im Juli der zweitbeste Wert 2018. Benziner lagen im November-Barometer im Mittel bei 83 Standtagen.

Die Wertentwicklung gebrauchter Fahrzeuge entwickelte sich im November 2018 weiter negativ. Diesel waren durchschnittlich nur 52,1 Prozent ihres Listenneupreises wert, Benziner 57,1 Prozent. Bei den Diesel-Werten weist die DAT darauf hin, dass es wegen der weiter angespannten Situation hohe regionale Abweichungen bei Verkaufspreisen geben kann. Die dargestellten Werte zeigen den markenübergreifenden Bundesdurchschnitt. Erstmals betrachtete die DAT auch die Restwerte von Elektroautos. Diese waren im November durchschnittlich 54,5 Prozent ihres Neupreises wert und lagen damit zwischen Diesel und Benziner.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«