Automechanika Daten sind der Zugang zum Geschäft

Redakteur: Tanja Schmitt

Mit einem Web Talk zum Thema „Connectivity, neue datenbasierte Business Modelle und der rechtliche Rahmen“ hat sich die Automechanika Talk-Reihe „Let’s talk business“ den aktuellen Entwicklungen angenommen. Im Herbst könnten sich die gesetzlichen Grundlagen nochmals ändern.

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Teilnehmer beim Web-Format „Let’s talk business“, moderiert von Sarah Lindsey (links oben).
Teilnehmer beim Web-Format „Let’s talk business“, moderiert von Sarah Lindsey (links oben).
(Bild: Automechanika)

Prognosen zufolge könnte bereits 2025 jedes zweite Fahrzeug in Europa vernetzt sein. Mit der Anzahl der vernetzten Fahrzeuge steigt auch die Datenmenge, die gesammelt wird. Dabei kann es sich etwa um Standortdaten, Informationen über den Zustand des Fahrzeugs oder sicherheitsrelevante Verkehrsdaten handeln. Aber wer hat Zugriff auf diese Daten und wem gehören sie? Verändern sie bereits bestehende Geschäftsmodelle? Und: Braucht es eine europaweite Marktregulierung, um den gleichen Zugang zu den Daten für alle zu gewährleisten und neue datenbasierte Geschäftsmodelle voranzutreiben?

Diesen und weiteren Fragen rund um Connectivity widmeten sich Branchenexperten in einem Web-Talk aus der von der Automechanika organisierten Reihe „Let’s talk business“. Mit dabei waren Gerd Preuss, verantwortlich für Produktmanagement beim ADAC, Norbert Dohmen, Managing Director, Caruso Dataplace, Frank Schlehuber, Senior Consultant Market Affairs, Clepa – European Association of Automotive Suppliers, sowie Dr. Tibor Pataki, Leiter Kfz-Versicherung / Kfz-Technik beim GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, und Ronan McDonagh, Technical Director der Figiefa – The European Federation of Automotive Aftermarket Distributors.

Die Daten verändern den Reparatur- und Wartungsmarkt

Dass Connectivity für bestehende und künftige Geschäftsmodelle der gesamten Automobilbranche weitreichende Veränderungen mit sich bringen wird, darüber sind sich die Vertreter aus den unterschiedlichen Branchensegmenten einig. Norbert Dohmen, Managing Director von Caruso Dataplace, formuliert es so: „Connectivity hat ein hohes disruptives Potenzial, das die gesamte Wertschöpfungskette in verschiedenen Branchen verändern kann. So rücken erstmals völlig neue Möglichkeiten in unser Blickfeld. Ich gehe davon aus, dass künftige Geschäftsmodelle weit mehr als je zuvor vom Datenzugang abhängig sein werden.“

Im Bereich der Pannenhilfe werde Konnektivität künftig eine Schlüsselrolle spielen, so Gerd Preuss, Produktmanager beim ADAC. „Das wird unser Geschäft von Grund auf verändern. Denn durch Connectivity und die ausgewerteten Daten können wir im Voraus wissen, um welche Art von Pannenfahrzeug es sich handeln wird und können dementsprechend viel bessere Services bieten“, so Preuss.

Auch aus Sicht der Autoteile-Händler habe es Vorteile, im Voraus genau zu wissen, welches Fahrzeugteil ersetzt werden müsse. Ronan McDonagh, Technical Director der Figiefa, betonte: „Die Logistik des Ersatzteilgeschäfts ist recht anspruchsvoll. Mit neuen Technologien wie datenbasierter Predictive Maintenance kann man den Ersatzteilbedarf besser planen und sicherstellen, dass das richtige Ersatzteil zum richtigen Zeitpunkt in der Werkstatt ankommt.“ Das würde unnötige Lieferungen vermeiden und eine effiziente und grüne Logistik ermöglichen.

Frank Schlehuber, Senior Consultant Market Affairs bei Clepa, sieht auch für die Zulieferer der Automotive Branche neue Möglichkeiten durch Connectivity: „Erstens erhalten Zulieferer Informationen über das Verhalten von Komponenten und können daraufhin die Komponenten besser anpassen und gestalten.” Auf der anderen Seite gebe es aber die Bedrohung des bestehenden Reparatur- und Wartungsmarktes. In diesem sei Konnektivität ein Gamechanger. „Wer Zugang zu den Daten hat, hat auch Zugang zum Geschäft”, so Schlehuber.

Rechtlicher Rahmen ist wichtig

Alle Talk-Teilnehmer vertraten die Ansicht, dass es einen rechtlichen Rahmen braucht, um Transparenz zu schaffen und den Zugang zu den Daten für alle Stakeholder gleichermaßen zu ermöglichen – seien das Serviceprovider, Werkstätten, Versicherungen oder Datenplattformen.

Dr. Tibor Pataki, Leiter Kfz-Versicherung / Kfz-Technik beim GDV betonte: „Wir brauchen eine Marktregulierung durch die Europäische Kommission. Vor fünf Jahren haben die OEMs gesagt, dass alle Daten im Auto technischer Natur seien und diese Daten dem jeweiligen OEM gehörten. Aber das hat sich mittlerweile geändert, durch den Druck der Stakeholder, die fordern, dass der Verbraucher selbst entscheiden darf, wem er seine Daten zur Verfügung stellen möchte.”

Ronan McDonagh vertritt die gleiche Ansicht: „Heute haben sich die Fahrzeughersteller durch ihre bislang ungeregelte Kontrolle über die Fahrzeugplattform als einziger Gatekeeper für den Zugang zum Fahrzeug und seinen Datenressourcen positioniert. Sie können entscheiden, welche Daten welchem Serviceprovider zu welchen Kosten zur Verfügung gestellt werden. Das ist ein klares Hindernis für einen effektiven Wettbewerb auf dem Markt für Kfz-Dienste.”

Eine Lösung für dieses Dilemma ist möglicherweise in Sicht. „Die EU-Kommission hat dieses wichtige Thema auf ihre Agenda gesetzt und sich klar dazu verpflichtet, bis November dieses Jahres einen Vorschlag zu machen, wie ein rechtlicher Rahmen aussehen könnte”, erläuterte Frank Schlehuber.

„Mit unserer Let's talk-Reihe wollen wir nicht nur bedeutenden Stakeholdern die Möglichkeit geben, sich auszutauschen. Wir wollen auch wichtigen Themen das breite Publikum unserer internationalen Plattformen Automechanika und Hypermotion bieten”, erläutert Sarah Lindsey, Director Business Development Automotive, Transport und Logistics bei der Messe Frankfurt die Intention der Talk-Reihe.

Der Talk in voller Länge steht in englischer Sprache auf der Website www.automechanika.com/lets-talk-business zur Verfügung.

Die Veranstaltung „Automechanika Digital Plus“ findet vom 14. bis 16. September auf dem Frankfurter Messegelände sowie digital statt.

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