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Delticom steht zum Verkauf

| Autor: Yvonne Simon

Der Online-Reifenhändler Delticom steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Nach einer Gewinnwarnung und der Ankündigung von Umstrukturierungen geht das Unternehmen sogar auf Investorensuche – für Unternehmensteile oder gleich den ganzen Konzern.

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(Foto: Michelin)

Delticom will nach einer eineinhalbjährigen Verlustphase zurück in die Gewinnzone – und greift dafür zu harten Maßnahmen. Der Online-Reifenhändler verschickte am Freitag eine Gewinnwarnung und kündigte gleichzeitig einen umfassenden Umstrukturierungsprozess an – selbst ein Verkauf des Unternehmens steht im Raum. Bereits seit Mitte August 2019 arbeite der Konzern gemeinsam mit Beratern an einem Zukunftskonzept und habe alle Geschäftsbereiche und Prozesse auf ihre Profitabilität überprüft, hieß es.

Glatt durchgefallen ist offenbar das Geschäft mit Autoersatzteilen und Schmierstoffen, das Delticom zum Ende des ersten Quartals 2020 einstellen will. Ein Stellenabbau soll damit nach Informationen der „Deutschen Presse-Agentur“ aber nicht verbunden sein. Schon beendet hat der Reifenhändler außerdem die E-Commerce-Aktivitäten in Japan und Russland.

Fokus auf das Kerngeschäft

Generell plant Delticom, sich künftig wieder auf das Kerngeschäft „Reifen Europa“ zu fokussieren. Dafür sollen andere Geschäftsbereiche wegfallen. Welche Teile des Unternehmens man veräußern könne, lote die Führung derzeit aus, hieß es weiter. Denkbar ist ebenfalls ein Komplettverkauf von Delticom: Das Unternehmen habe einen Transaktionsberater beauftragt, der „auch die Beschaffung von zusätzlichem Eigen- oder Fremdkapital und die Prüfung einer möglichen gänzlichen oder teilweisen Übernahme von Delticom durch einen Investor evaluiert“, heißt es in einer Ad-hoc-Meldung. Es habe bereits erste Gespräche mit potenziellen Interessenten gegeben.

Den finanzierenden Banken und Warenkreditversicherern hat Delticom das Umstrukturierungskonzept bereits im Oktober vorgestellt. Zudem hat das Unternehmen mit den Kreditinstituten im August eine Stillhaltevereinbarung abgeschlossen, die mehrfach verlängert wurde. Eine Verlängerung bis zum 8. Dezember sei in Aussicht gestellt worden, um „die weitere Abstimmung über die Fortführung der Finanzierung bis Ende 2021 zu ermöglichen“, heißt es in der Meldung. Die Banken hätten zugesagt, bis zum Ende der Laufzeit keine Darlehensforderungen gegen Delticom ernsthaft geltend zu machen und keine Kredite zu kündigen.

Prognose gesenkt

Hintergrund der Umstrukturierung sind die schlechten Zahlen des Online-Reifenhändlers, der Portale wie Reifendirekt.de und Autoreifenonline.de betreibt. Auch wenn der Umsatz leicht gestiegen ist, musste der Konzern in den ersten drei Quartalen 2019 einen operativen Verlust von 7,6 Millionen Euro hinnehmen. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch ein Plus von 3,4 Millionen Euro erzielt.

Dementsprechend hat das Management nun die Prognosen für das Gesamtjahr gesenkt: Delticom rechnet mit einem Jahresumsatz zwischen 650 und 660 Millionen Euro, anstatt der bisher angenommenen Spanne zwischen 660 und 690 Millionen Euro. Beim Ebitda erwartet der Konzern Verluste in Höhe von minus 8 bis minus 5 Millionen Euro. Ursprünglich angepeilt waren zwischen 8 Millionen und 12,5 Millionen Euro Gewinn.

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 Yvonne Simon

Yvonne Simon

Redakteurin Management & Handel