Pkw-Neuzulassungen Der Privatmarkt sendet keine Impulse

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Gewerbekunden, Vermieter und ein wenig Eigenzulassungen – in vielen Bereichen steigen die Neuzulassungen. Der Privatmarkt bewegt sich dagegen fast nicht. In einem bestimmten Bereich ist er sogar rückläufig.

Derzeit werden Monat für Monat mehr Fahrzeuge ausgeliefert als vor einem Jahr. Doch die Zahlen sind nur vordergründig wirklich gut.(Bild:  Grimm – privat)
Derzeit werden Monat für Monat mehr Fahrzeuge ausgeliefert als vor einem Jahr. Doch die Zahlen sind nur vordergründig wirklich gut.
(Bild: Grimm – privat)

Im deutschen Neuwagenmarkt wächst das Gewicht der gewerblichen Kunden quasi monatlich. Der deutliche Anstieg der Neuzulassungen im Mai wäre jedenfalls nicht ohne die gewerbliche Nachfrage denkbar gewesen. Wie die Marktforschung Dataforce mit einer Analyse der Zulassungszahlen nachweist, ist das Wachstum des Privatmarkts fast zum Erliegen gekommen.

Laut den Zahlen der Frankfurter Analysten hat der Gewerbekundenmarkt im Mai um 35,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zugelegt – während die Neuzulassungen über alle Absatzkanäle hinweg um 19,2 Prozent zulegten. Die Zahlen zeigten „einen großen Nachholbedarf der Fuhrparkverantwortlichen“, heißt es in der Analyse. In den Corona-Jahren waren viele Ersatzbeschaffungen aufgeschoben worden, die nun umgesetzt werden. Dabei sind die Zuwachsraten im echten Firmenkunden- und Flottengeschäft schon lange hoch – der Mai-Wert sticht dennoch heraus.

Wie stark die Kluft zum Privatmarkt aufgeht, zeigt ein Vergleich der Zahlen der letzten Monate. Seit Januar werden monatlich mehr Neuwagen gewerblich zugelassen als von Privatpersonen. Hatte das Gewerbesegment zunächst nur um knapp 2.000 Einheiten vorne gelegen, waren es im Mai nun knapp 10.000 Einheiten.

Konkret ist der Privatmarkt im Mai nur um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gewachsen – das sind etwa 2.000 Einheiten mehr als vor Jahresfrist. Der Gewerbemarkt wuchs dagegen um 23.000 Einheiten. Schon länger macht auch ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn auf die nur marginalen Impulse aus dem Privatmarkt aufmerksam. Insbesondere die Neuaufträge – und damit die Neuzulassungen der Zukunft – bleiben mehr und mehr aus. Der Verband der Automobilindustrie weist seit mehr als einem Jahr sinkende Auftragszahlen aus (allerdings nicht differenziert nach Privat- und Gewerbekunden).

Relativ zurückhaltend agieren die Autohändler derzeit noch mit dem Instrument der Eigenzulassungen. Die stiegen im Mai zwar bei den Vertriebspartnern der Hersteller und Importeure um 16 Prozent – bleiben damit aber hinter dem Marktdurchschnitt zurück. Etwas offensiver verhalten sich die Hersteller: Ihre Eigenzulassungen legten um 24,6 Prozent zu. Die insgesamt noch niedrigen Stückzahlen erklärt die Dataforce-Analyse mit dem Primat der Autobauer, zunächst die hohe Flottennachfrage zu bedienen.

Beliefert werden zudem auch wieder die Autovermieter. Deren Neuzulassungen kletterten im Mai um deutlich überdurchschnittliche 29,1 Prozent. Das sei etwa drei Viertel des durchschnittlichen Volumens der Vor-Corona-Zeit, berichtet Dataforce. „Der normale Fahrzeugbedarf der Vermieter sollte dadurch wieder gedeckt sein.“

Der BEV-Markt wird von Gewerbekunden getrieben

Interessant ist die Entwicklung der BEVs nach Kanälen. Im Relevanten Flottenmarkt haben sich die BEV-Zulassungen mit einem Zuwachs von 96,3 Prozent annähernd verdoppelt. Ihr Marktanteil bei Firmenwagen liegt mit 19,9 Prozent so hoch wie noch nie, wenn man den Dezember 2022 als Ausnahmemonat außer Acht lässt. Die PHEVs konnten im Flottenmarkt ihren Rückgang etwas abmildern. Nach mehr als 30 Prozent Verlust in den Vormonaten lag das Minus im Mai bei „nur“ noch 26 Prozent.

Im Privatmarkt war das Bild anders. Hier wurden nur 10,1 Prozent mehr BEVs zugelassen als im Mai 2022. Gleichzeitig kauften Privatkunden 18 Prozent mehr Benziner und Benzinhybride. Die PHEVs verloren bei Privatkunden mehr als zwei Drittel ihres Vorjahresniveaus.

Transportermarkt springt wieder an

Der zuletzt schwache Transportermarkt hat sich im Mai wieder gefangen. Die Neuzulassungen der leichten Nutzfahrzeuge und ihrer Pkw-Derivate gingen um 16,2 Prozent nach oben – das ist nur wenig schwächer als der Marktdurchschnitt.

Der Hauptgrund war der Rückgang der privaten Neuzulassungen um 7,3 Prozent. Die gewerblichen Kanäle legten dagegen alle um mindestens 20 Prozent zu. Der Vermieterkanal erzielte mit einem Plus von 34,9 Prozent das stärkste Wachstum. „Angesichts des immensen Nachholbedarfs könnten die gewerblichen Neuzulassungen trotzdem noch höher sein“, analysiert Dataforce und vermutet weiter bestehende Einschränkungen in der Produktion als Ursache.

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