Elektro-Kleinsttransporter „Der Vertrieb solcher Fahrzeuge ist kein Selbstläufer“

Autor: Yvonne Simon

Mehrere Unternehmen wie Tropos und Electric Brands entwickeln oder importieren kleine, leichte, elektrische Nutzfahrzeugkonzepte. Peter Fintl von der Technologieberatung Capgemini Engineering schätzt im Interview den Markt für die Fahrzeuge ein.

Peter Fintl ist Leiter Technology and Innovation bei der Beratung Capgemini Engineering.
Peter Fintl ist Leiter Technology and Innovation bei der Beratung Capgemini Engineering.
(Bild: Fischer/Altran)

Redaktion: Es gibt einige neue Hersteller und Importeure, die leichte elektrische Nutzfahrzeuge auf den Markt bringen, beispielsweise Tropos und Electric Brands. Wie groß schätzen Sie den Bedarf für diese Fahrzeuge ein?

Peter Fintl: Der Trend zur Elektrifizierung ist auch im Kommunalfahrzeug-Bereich unumkehrbar. Es gibt das EU-Programm „Fit for 55“, das eine deutliche Reduktion der Abgasemissionen bis 2030 vorsieht – spritschluckende Fahrzeuge mit schlechter CO2-Bilanz passen da in keiner Klasse mehr dazu. Die Fahrzeuge in den Flotten werden also ausgetauscht. Gleichzeitig beobachten wir, dass kommunale Dienstleistungen zunehmen. Auch der Bereich der Letzte-Meile-Logistik wächst stark. Das bedeutet: Diese Fahrzeugkonzepte – klein, leicht, kompakt, wendig und umweltfreundlich – werden zunehmend gefragt sein. Von daher ist das Segment durchaus interessant. Und wenn man einen Blick nach China wirft, finden sich dort Hunderte Anbieter, die diese elektrischen Kleinstfahrzeuge in diversen Qualitätsniveaus anbieten. Das Konzept funktioniert.

Für wen eignen sich die Fahrzeuge?

Zum Beispiel für Dienstleistungen im öffentlichen Bereich wie der Reinigung, Instandhaltung und Überwachung. Oft haben Kommunalfahrzeuge eine sehr gute Missionsplanung. Sie haben feste Touren und man kann genau abschätzen, wie viele Stunden sie unterwegs sind. Sobald man diese Planbarkeit hat, ist die Elektromobilität wunderbar einsetzbar. Hinzu kommt der Logistikbereich: Früher gab es Verteillager irgendwo vor den Toren der Stadt. Von dort fuhren Lkw in die Stadt hinein und belieferten die Geschäfte. Dann kam der Onlinehandel und hat diese Infrastruktur praktisch noch einmal verdoppelt. Irgendwann stößt diese Herangehensweise an ihre Grenzen. Es stellt sich die Frage: Wie viel Verkehr will und kann man zusätzlich in die Städte bringen? Man muss also nicht nur die Fahrzeuge lokal emissionsfrei machen, sondern auch das Distributionskonzept überdenken, zum Beispiel mit Microhubs in der Stadt. Die könnten sich Anbieter teilen, um die letzte Meile zu managen. Nicht alles lässt sich mit dem Lastenrad lösen: Wo das nicht geht, eignen sich diese kleinen Lieferfahrzeuge wunderbar.

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 Yvonne Simon

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Redakteurin Management & Handel