GTÜ Die erste HU-Plakette klebte der Prüfer auf ein Golf I Cabriolet

Autor: Dr. Holger Schweitzer

Vor genau 30 Jahren führte die GTÜ ihre erste Hauptuntersuchung durch. Heute prüfen die Partner der Sachverständigenorganisation rund 16 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeuge.

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Fast wie vor 30 Jahren: Prüfingenieur Egon Schäfer vergibt eine Prüfplakette nach bestandener Hauptuntersuchung.
Fast wie vor 30 Jahren: Prüfingenieur Egon Schäfer vergibt eine Prüfplakette nach bestandener Hauptuntersuchung.
(Bild: GTÜ)

Am 26. November 1990 brachte Egon Schäfer aus Wiesloch, Prüfingenieur der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ), am hinteren Nummernschild eines Golf I Cabriolet die vom Fahrzeughalter erhoffte Plakette an. „Der Wagen war wunderschön gepflegt, auch die Allgemeine Betriebserlaubnis für Sportlenkrad und Frontspoiler lagen vor“, erinnert sich Schäfer. Für die bereits seit 1977 bestehende Sachverständigenorganisation bedeutete dieser Moment eine Zeitenwende. Sie sorgte für kontinuierliches Wachstum: „Bei Hauptuntersuchungen hat die GTÜ in Deutschland heute einen Marktanteil von rund 16 Prozent“, berichtet Robert Köstler, Sprecher der Geschäftsführung.

Vor 1989 unterlagen die Hauptuntersuchungen (HU) dem Prüfmonopol einer großen Angestelltenorganisation. Die GTÜ beurteilte bis dahin vor allem Unfallschäden. Die gesetzliche Grundlage, das Monopol zu öffnen, kam am 1. Juni 1989: Die Bundesländer konnten fortan Überwachungsorganisationen anerkennen, die von selbstständigen und hauptamtlich tätigen Kfz-Sachverständigen getragen werden. Im Juni 1990 genehmigte daraufhin Baden-Württemberg als erstes Bundesland der GTÜ, die Hauptuntersuchung durchzuführen. Ab 1993 war dies bundesweit der Fall.

Selbstständigkeit als Erfolgsfaktor

Ein Erfolgsfaktor für das Wachstum der GTÜ sind deren selbstständigen Partner. Auch Egon Schäfer, der den besagten Golf I mit einer Prüfplakette versah, war 1990 im Zuge des gefallenen HU-Monopols zur GTÜ gewechselt. Ihn hatte gereizt, sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig zu machen und durch Flexibilität Kunden für sich zu gewinnen. Denn Hauptuntersuchungen an Abenden und an Samstagen sowie vor Ort in kleinen Autohäusern waren laut der Organisation vor drei Jahrzehnten nicht üblich.

Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Stephan führte Schäfer eine Prüfstelle in Heilbronn. Sein Einsatz zahlte sich aus: Der Betrieb wuchs, und 1994 eröffnete er sein neu errichtetes Prüfzentrum Schäfer in Wiesloch. 2010 trat Thomas Schäfer ins väterliche Unternehmen ein. 2018 übergab Egon Schäfer die Geschäftsführung des Prüfzentrums mit 15 Prüfingenieuren und Sachverständigen an seinen Sohn. Der Senior ist auch heute noch aktiv und kümmert sich beispielsweise um das Begutachten von Oldtimern.

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Über den Autor

Dr. Holger Schweitzer

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Redakteur, Ressort Technik, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG