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Die Isetta kehrt gleich zweifach zurück

Autor / Redakteur: sp-x/mid/gr / Andreas Grimm

Vor knapp drei Jahren sorgte ein Isetta-Nachbau auf dem Genfer Salon für Aufsehen. Nun kommt die damals Microlino genannte Studie endlich auf den Markt, allerdings unter dem Namen Karo. Ein fast baugleicher Microlino soll 2021 folgen. Hinter dem Verwirrspiel steckt ein handfester Rechtsstreit.

Das Leichtelektromobil Microlino war unter anderem 2017 auf der IAA in Frankfurt zu sehen und sorgte wegen seiner Anlehnung an die Isetta für Aufmerksamkeit.
Das Leichtelektromobil Microlino war unter anderem 2017 auf der IAA in Frankfurt zu sehen und sorgte wegen seiner Anlehnung an die Isetta für Aufmerksamkeit.
(Bild: Schmidt)

Im April 2020 soll der moderne Nachfolger der BMW-Isetta nun endgültig in den Verkauf kommen. Das zumindest hat der Hersteller Artega nun angekündigt, der einst als ambitionierter Sportwagen-Hersteller gestartet und zwischendurch in die Pleite gegangen war. In den vergangenen Monaten hatte es allerdings so ausgesehen, also würde das Projekt „Knutschkugel 2020“ ebenfalls im Graben landen. Artega hatte sich mit dem einstigen Partner Micro Mobility Systems einen intensiven Streit um die Rechte an dem Isetta-Nachfolger geliefert. Dieser wurde Ende 2019 außergerichtlich beigelegt.

Herausgekommen ist ein typischer Kompromiss: Das Leichtelektromobil der Zulassungsklasse L7E werden beide Kontrahenten bauen – die übrigens einst Partner waren und das Projekt Microlino zusammen ins Laufen bringen wollten. Jetzt baut Artega einen Isetta-Klon unter dem Namen „Karo“ zusammen mit den Partnern Paragon und Voltabox. Micro folgt unter dem einst vorgesehen Namen „Microlino“ dann im kommenden Jahr und baut das Fahrzeug nun gemeinsam mit der italienischen Firma Cecomp, die auf Erfahrungen mit dem Bau von Elektro-Kleinserienfahrzeugen zurückgreifen kann. Von ihr stammt etwa das „Bluecar“.

Die Idee, die Isetta neu zu beleben, entstand 2015 durch eine Schweizer Unternehmerfamilie, die hinter der Micro Mobility Systems steht. Denn zwar wird die Isetta mit BMW in Verbindung gebracht, doch die Münchener bauten sie selbst in Lizenz. Der „Microlino“ sollte dem Konzept neues Leben einhauchen. Doch die Micro Mobility Systems konnte das Elektrofahrzeug nicht selbst bauen und beauftragte den italienischen Auftragsfertiger TWI damit. Der wurde allerdings an Artega mitsamt Vertriebsrechten verkauft. In der Folge präsentierte Artega auf der IAA 2019 in Frankfurt den Karo und provozierte den Rechtsstreit.

Seit dessen Beilegung nimmt Artega nun Bestellungen für den Zweisitzer entgegen. Im Frühjahr schon sollen erste Auslieferungen folgen. Bekannt ist, dass der Karo 90 km/h Höchstgeschwindigkeit und 200 Kilometer Reichweite bei 15 kW Leistung erreichen soll. Preislich wird der Karo „Edition“ rund 18.000 Euro kosten. Alternativ wird zum Marktstart die limitierte Version „Intro“ für rund 22.000 Euro angeboten. Damit wird der Karo deutlich teurer als ursprünglich angedacht: 2018 hatte Micro noch einen Preis von 12.650 Euro für den Microlino genannt. Zum „Microlino 2.0“ liegen bislang noch keine Angaben zu technischen Daten oder zu Preisen vor.

Isetta-Baukonzept wird übernommen

Die Anfang der 1950er Jahre von Iso Rivolta in Italien entwickelte Isetta wurde von 1955 bis 1962 von BMW in Lizenz gebaut und wegen der durchgehenden Sitzbank liebevoll „Knutschkugel“ genannt. Nach 161.728 Exemplaren war Schluss – die Idee lebte jedoch weiter und wurde 2015 wieder von der Micro Mobility Systems der Schweizer Unternehmer-Familie Outboter mit dem „Microlino“ aufgegriffen.

Artega übernimmt das Grundkonzept Isetta, die Iso Rivolta Anfang der 1950er Jahre entwickelte. Das heißt, der Karo hat vier hinten enger zusammenstehende Rädern, zwei Sitzplätze nebeneinander, eine nach vorn öffnende Tür und ein Faltdach als Notausstieg. Von der BMW-Isetta stammen die seitlichen Schiebefenster (statt der ursprünglich festen Verglasung mit Dreiecksfensterchen) und die an den Fahrzeugschultern (statt ursprünglich auf den Kotflügeln) montierten Scheinwerfer.

Fanden in der Ur-Isetta noch zwei Erwachsene und ein Kind Platz, so gibt es jetzt nur noch maximal 200 Kilogramm Nutzlast und zwei Plätze – die aber mit Sicherheitsgurten. Der Gepäckraum fasst 300 Liter und ist durch die aufklappbare Heckscheibe nun von außen zugänglich. Das Fahrzeug verfügt über LED-Scheinwerfer, kombinierte LED-Blinker und Tagfahrlichter im Frontbereich sowie LED-Rückleuchten. Der Partner Paragon liefert neben Fahrzeugelektronik und Antriebstechnik auch die Infotainment- und digitalen Assistenzsysteme. Dessen Tochterunternehmen Voltabox steuert die Lithium-Ionen-Batterien inklusive Batteriemanagement bei. Das robuste Stahl-Chassis wird von Artega selbst hergestellt.

Da die Karo-Isetta als „leichtes vierrädriges Kraftfahrzeug“ zugelassen wird, braucht sie weder Airbags noch einen Crashtest – der Fahrer jedoch den Pkw-Führerschein der Klasse B. Für Artega-Geschäftsführer Dieter Frers bietet die Isetta grüne und nachhaltige Mobilität. Sie sei eine Alternative für junge und junggebliebene Stadtmenschen.

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