Diesel-Skepsis schlägt sich besonders im SUV-Segment nieder

Autor: Christoph Seyerlein

In keinem anderen Fahrzeugsegment wird die Zurückhaltung beim Diesel deutlicher als bei SUVs und Geländewagen. Der Rückgang des Selbstzünder-Marktanteils in jener Klasse fällt drastisch aus.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Unterschiedlicher könnten zwei Kurven kaum verlaufen: Während SUVs und Geländewagen in der Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) Monat für Monat boomen, fällt der Dieselanteil bei den neuen Autos aus jener Fahrzeugklasse immer weiter in den Keller. Zwei Zahlen aus dem aktuellen Dieselbarometer der Deutschland Automobil Treuhand (DAT) lassen erkennen, wie stark die Diesel-Skepsis gerade bei den SUVs einschlägt: Im April 2014 waren noch 65 Prozent der neuen Hochbeiner mit Selbstzünder unterwegs. Im April 2018 waren es nur noch 36 Prozent.

In anderen Segmenten fallen die Ausschläge deutlich sanfter aus. In der Mittelklasse ist aktuell noch jeder zweite Neue ein Diesel, in der Oberen Mittelklasse und bei den Utilities sind es sogar 70 Prozent. Bei Minis spielt der Diesel mit einem Prozent Anteil an den Neuzulassungen dagegen wenig überraschend überhaupt keine Rolle. In der Oberklasse läge der Selbstzünder-Anteil vermutlich deutlich höher als bei den angegebenen 31 Prozent, würden Autos mit 48-Volt-Bordnetz nicht als Hybride gewertet. So aber war zuletzt offiziell fast jeder Dritte Oberklassewagen (29 %) ein Hybrid.

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Im Gebrauchtwagenmarkt ist der Diesel übrigens noch deutlich weiter verbreitet als im Neuwagengeschäft. In acht von elf Segmenten ist der Selbstzünder-Anteil dort prozentual höher. So auch bei den SUVs: Mehr als jeder zweite gebrauchte Hochbeiner (54 %) ist ein Diesel.

Eine wichtige Rolle im Dieselbarometer spielen Monat für Monat Standzeiten und Restwerte gebrauchter Autos. Glaubt man den Daten der DAT, wurden Händler Gebrauchtwagen im April etwas schneller los als zuletzt. Ein Diesel stand demnach zuletzt durchschnittlich 100 Tage auf dem Hof. Im März waren es laut DAT noch 103 Tage gewesen. Bei den Benzinern fiel der Wert nach 85 Tagen im März auf 81 Tage.

Bei den Restwerten verzeichnete die DAT im April dagegen eine leicht negative Entwicklung. Ein drei Jahre alter Diesel mit einer Jahreslaufleistung zwischen 15.000 und 20.000 Kilometer war zuletzt demnach noch 53,2 Prozent von seinem Neupreis wert. Im März hatte der Wert noch bei 53,4 Prozent gelegen, vor einem Jahr sogar bei 55,4 Prozent. Bei den Benzinern gab es einen leichten Rückgang von 58 Prozent im März auf 57,9 Prozent. Allgemein haben Benziner durch die Diesel-Krise aber an Wert gewonnen, vor einem Jahr lag ihr durchschnittlicher Restwert noch bei 56,4 Prozent.

Die DAT weist darauf hin, dass es regional hohe Preisabweichungen geben kann, auch das Fabrikat spielt eine Rolle. Die ermittelten Werte zeigen den markenübergreifenden Bundesdurchschnitt.

Eine grundlegende Diesel-Entspannung ist aus Sicht von DAT-Chef Jens Nietzschmann vorerst nicht zu erwarten. Gerade angekündigte Fahrverbote wie in Hamburg „werden voraussichtlich für noch mehr Verunsicherung bei Verbrauchern und Handel sorgen“, schätzt Nietzschmann.

Er rät vor allem Kunden, die auf dem Land wohnen und jenen, die längere Strecken zurücklegen müssen, den Diesel nicht abzuschreiben. In absehbarer Zeit gebe es für diese Klientel „noch keine echte Alternative zum Dieselantrieb“, ist Nietzschmann überzeugt. Da außerhalb der Großstädte auch keine Fahrverbote drohen, kämen für jene Verbraucher „durchaus auch Euro-5-Diesel in Betracht“.

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Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«