Dieselnachrüstung: Das planen die Lieferanten

Dank staatlicher Förderung stehen die Transporter im Fokus

| Autor: Jan Rosenow

Der Ammoniakgenerator ist das Herzstück des Bnox-Systems von Baumot.
Der Ammoniakgenerator ist das Herzstück des Bnox-Systems von Baumot. (Bild: »kfz-betrieb«/Jan Rosenow)

Mit der Veröffentlichung der technischen Richtlinie Ende Dezember 2018 fiel bei den Produzenten von Nachrüstkatalysatoren der Startschuss für die Serienentwicklung. Vier Unternehmen sind derzeit in Deutschland auf diesem Gebiet aktiv: HJS, Twintec (heute Baumot AG), Oberland Mangold und Dr. Pley. Autofahrer sollten trotzdem nicht hoffen, schnell und für jedes beliebige Auto eine Nachrüstlösung zu bekommen. Entwicklung, Zulassung und Produktion erfordern erhebliche Investitionen; ein Hersteller sprach gegenüber »kfz-betrieb« von einer zweistelligen Millionensumme. Damit sich diese Ausgaben amortisieren, konzentrieren sich die Lieferanten vorerst auf die Fahrzeugsegmente, für die es Fördergelder gibt:

  • Transporter: Für die sogenannten Handwerkerfahrzeuge hat die Bundesregierung eine Förderrichtlinie erlassen. Je nach Betriebsgröße bekommen gewerbliche Nutzer einen Zuschuss von 40 bis 60 Prozent zu den Nachrüstkosten – bis maximal 5.000 Euro. Nutzen können diese Förderung Gewerbetreibende in den besonders belasteten Städten und den umliegenden Landkreisen.
  • Pkw-Modelle von Volkswagen und Mercedes-Benz: Nur diese beiden Hersteller haben sich bislang bereiterklärt, ihren Kunden einen Zuschuss zur Nachrüstung zu zahlen. Er soll 3.000 Euro betragen und ebenfalls nur in den besonders belasteten Städten gelten.

Baumot plant Absatz von 137.000 Nachrüstkats bis 2022

Die Baumot AG gab auf einer Pressekonferenz am 31. Januar Einblick in ihre Produktionsplanung. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben in dieser Woche eine ABE für sein Nachrüstsystem Bnox beantragt. Die Markteinführung für Pkws soll im vierten Quartal erfolgen, eine Lösung für Transporter sei aber schon früher verfügbar.

Das Unternehmen rechnet mit einem Fahrzeugpark von rund 1,4 Millionen Einheiten, der für eine Nachrüstung infrage kommt. Diese Zahl errechnet sich aus der Bevölkerungszahl in den von Fahrverboten bedrohten Städten und den angrenzenden Landkreisen sowie dem Anteil der Euro-5-Diesel im dortigen Fuhrpark.

Doch zu den 1,4 Millionen Einheiten gehören Autos aller Marken. Nachdem nur Mercedes und VW ihre Kunden finanziell unterstützen, und auch nicht jeder Autobesitzer sich für die Nachrüstung entscheiden wird, schrumpft das Marktpotenzial blitzschnell zusammen. Baumots Produktionsplanung sieht bis 2022 100.000 Systeme für Pkws und 37.000 für leichte Nutzfahrzeuge vor. Im ersten Schritt will man zehn Anwendungen für Pkws und fünf für Transporter auf den Markt bringen. Losgehen dürfte es mit einem Kat für den Mercedes Sprinter, von dem Baumot am 31. Januar ein seriennahes Baumuster präsentierte.

HJS und Oberland Mangold konzentrieren sich auf Transporter

Der Konkurrent HJS hingegen hat sich entschieden, gar keine Nachrüstprodukte für Pkws anzubieten, sondern sich ausschließlich auf Transporter zu konzentrieren. Das Unternehmen bringt nach eigenen Angaben bereits im zweiten Quartal das erste SCR-System auf den Markt, und zwar für den Fiat Ducato. Auch das Unternehmen Oberland Mangold aus dem oberbayerischen Eschenlohe arbeitet zuerst an einem Angebot für Handwerkerfahrzeuge.

Dr. Pley und Volvo planen gemeinsame Lösung

Mit Ausnahme von Volkswagen und Mercedes-Benz lehnen alle anderen OEM die Dieselnachrüstung rundheraus ab. Doch auch das Vorgehen der beiden deutschen Konzerne unterscheidet sich deutlich. So hält VW den Einbau eines SCR-Kats für „unverantwortbar“, will aber trotzdem 3.000 Euro Förderung dafür hergeben. Das ist umso seltsamer, als dass davon nur freie Werkstätten profitieren werden, nicht aber die eigenen Partner.

Mercedes-Benz hingegen verspricht nicht nur 3.000 Euro, sondern unterstützt auch die Hersteller von Nachrüstsystemen beim Einkauf der Komponenten. Ob der Konzern eine offizielle Freigabe geben wird, ist noch offen.

Der einzige Hersteller, der ein eigenes System anbieten will, ist Volvo. Nach Informationen, die »kfz-betrieb« vorliegen, entwickelt der Importeur zusammen mit dem Abgastechnikspezialisten Dr. Pley einen Nachrüstkat für seine Dieselfahrzeuge.

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