Sensorik Eilige Drucksache

Autor / Redakteur: Edgar Schmidt / Dipl.-Ing. Edgar Schmidt

Werkstätten müssen sich beim Radwechsel von Rädern mit Reifendruck-Kontrollsystemen unbedingt mit den Besonderheiten der Anlagen vertraut machen.

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Direkt messende Reifendruck-Kontrollsysteme haben sich inzwischen im Markt etabliert. Viele Fahrzeuge sind optional oder sogar serienmäßig damit ausgestattet. Außerdem können Autofahrer den Reifendruck von Nachrüstanlagen überwachen lassen, beispielsweise von Hella oder von Bi-Automotive.

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Werkstätten sind bei einem Reifenwechsel also immer häufiger mit Fahrzeugen konfrontiert, deren Fahrer sich auf die automatische Luftdruckkontrolle verlassen. Deshalb ist es wichtig, sich beim Wechsel der Pneus mit den Besonderheiten dieser Anlagen vertraut zu machen.

Demontage der Reifen

1. Vor einem Reifenwechsel sollte man immer prüfen, ob das Fahrzeug über ein Reifendruck-Kontrollsystem verfügt. Wenn das nicht schon bei der Annahme des Fahrzeugs im Gespräch mit dem Kunden geschieht, erkennt der Werkstattmitarbeiter ein solches System an einem Reifensymbol in der Armaturentafel. Auch deuten Ventile aus Aluminium und bei Nachrüstungen Zusatzdisplays auf solche Systeme hin.

2. Beim Abdrücken der Reifen ist es wichtig, die Abrückschaufel um 180 Grad versetzt zum Ventil anzusetzen, um die Messelektronik nicht zu beschädigen (siehe Bildergalerie).

Bildergalerie

3. Nachdem das Rad auf die Montiermaschine gespannt wurde, muss man den Montagekopf etwa 15 Zentimeter hinter dem Ventil positionieren, um die Redelektronik nicht zu beschädigen. Das gilt auch beim Abziehen des unteren Reifenwulstes. Außerdem darf der Reifenwulst während der gesamten Demontage nicht auf die Messelektronik drücken.

Nach der Demontage des Reifens sollte der Mechaniker die Felge, die Radelektronik, den Ventilkörper sowie die Dichtungen auf Beschädigungen, Verschmutzungen und festen Sitz überprüfen. Die Radelektronik darf jedoch nicht mit Druckluft, Montagepaste, Lösungsmitteln oder sonstigen Reinigungsmitteln in Berührung kommen, man kann sie lediglich mit fusselfreien Tüchern reinigen.

Montage der Reifen

Vor der Montage der Reifen muss die Werkstatt prüfen, von welchem Hersteller die Reifendruckkontrolle stammt. Es gibt Systeme mit zentraler Antenne und Anlagen mit Antennen in jedem Radkasten (siehe Kasten „Mehr zum Thema“ oben). Bei Ersteren des Herstellers Schrader muss der Werkstattmitarbeiter die Radventile nach der Montage der Reifen mit einem Diagnosetester und einem Ventil-Aktivator neu codieren, damit die Elektronik weiß, von welchem Radsensor das jeweilige Signal kommt. Um mit der aus Batterien gespeisten Energie für die Radsensoren möglichst sparsam umzugehen, senden die Sensoren nämlich bei stehendem Fahrzeug nicht von selbst, sondern müssen eigens aktiviert werden.

Für diese Arbeit hält der Werkstattmitarbeiter den Reifenventil-Aktivator in Ventilnähe gegen das Reifengummi und drückt kurz die Aktivierungstaste am Gerät. Der Reifendrucksensor sendet daraufhin ein Signal an das Steuergerät. Mit dem Diagnosetester lässt sich dann der erkannte Reifendrucksensor im Steuergerät richtig zuordnen (vorne links, hinten rechts usw.). Auch eine eventuell erforderliche Neuprogrammierung der Luftdruck- und Temperatur-Soll-Werte für die Sensoren ist nun möglich. Neben den Fahrzeugherstellern bieten beispielsweise auch Gutmann Messtechnik und Bosch den für die Codierarbeit notwendigen Ventil-Aktivator sowie Programme zur Kalibrierung der Anlage für den Diagnosetester.

ABS-basierende Reifenkontrollsysteme und direkt messende Systeme, die mit vier Empfängerantennen in den Radhäusern arbeiten, wie zum Beispiel das Tire-Safety-System (TSS) von Beru, erkennen die Position der Reifen nach dem Räderwechsel selbsttätig.

Das Beru-System wird bereits seit 1999 unter anderem in Fahrzeugmodellen von Audi, BMW, DaimlerChrysler, Porsche und Volkswagen angeboten. Deshalb sollten Werkstätten bei einem Reifenwechsel immer auch das Alter der Radelektronik kontrollieren, denn die Batterien in den Drucksensoren der ersten und zweiten Generation haben durchschnittlich eine Lebensdauer von fünf bis sieben Jahren, je nach Einsatzbedingungen. Daher ist bei Systemen dieses Alters die Batteriekapazität demnächst erschöpft. Das Produktionsdatum einer Beru-Radelektronik steht rechts unten auf der Vorderseite des Gehäuses. Es gibt in der Regel auch Auskunft darüber, wann die Radelektronik eingebaut wurde. Systeme der dritten Generation, die Beru seit 2005 fertigt, haben laut Werksangaben eine Lebensdauer von zehn Jahren.

Transportprobleme

Zu Fehlern in Kontrollsystemen mit vier Empfangsantennen kann zum Beispiel der Transport von Winterrädern im Kofferraum des Fahrzeugs führen, wenn diese Räder ebenfalls mit Messelektroniken ausgestattet sind. Denn dann kann das System die montierten Räder nicht mehr von den im Kofferraum transportierten unterscheiden und meldet einen Fehler. Nach dem Ausladen der Wechselräder muss es dann neu kalibriert werden.

Ebenso muss bei Fahrzeugen mit TSS der Reifenluftdruck nach jedem Räderwechsel als Solldruck neu abgespeichert werden. Denn das System misst Druck und Temperatur eines jeden Reifens und vergleicht die Messwerte mit diesem gespeicherten Soll-Druck. Er ist also maßgeblich für eine sichere Funktion des Systems und muss daher immer auf aktuellem Stand sein. Für die Kalibrierung ist kein besonderes Werkzeug notwendig, sie kann über spezielle Tasten am Armaturenbrett erfolgen. Vor dem Kalibrieren muss man aber immer darauf achten, dass die Reifen mit den vom Fahrzeughersteller angegebenen Reifendrücken befüllt sind.

Die Kalibrierung ist immer erforderlich, wenn:

  • der Reifendruck geändert wurde,
  • eine neue Radelektronik montiert wurde,
  • die Radposition nachträglich getauscht wurde,
  • das Reserverad als Laufrad montiert wurde,
  • Reifen mit Radelektroniken im Fahrzeug transportiert wurden,
  • das Steuergerät ausgetauscht wurde.
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Montageanleitungen für die Systeme von Beru und Schrader, Listen darüber, in welchen Fahrzeugen ihre Systeme eingesetzt sind sowie Kalibrieranleitungen für Fahrzeuge mit dem TSS finden Sie über die Links zu den Seiten von Beru und Schrader rechts oben.

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