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Elektromobilität: Leitmärkte schwächeln, Europa holt stark auf

| Autor: Andreas Grimm

Die E-Mobilität kehrt zurück in die Wiege der Autobranche. In Europa steigen die Zulassungszahlen, während eine eingeschränkte Förderung in China die Stückzahlen einbrechen lässt. Die Abhängigkeit von Fördermaßnahmen wird laut einer CAM-Studie noch länger erhalten bleiben.

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Die Zahl der E-Autos steigt weltweit, vor allem in Europa gehen die Neuzulassungen nach oben.
Die Zahl der E-Autos steigt weltweit, vor allem in Europa gehen die Neuzulassungen nach oben.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Die globale Entwicklung der Elektromobilität hat im Jahr 2019 den reinen Wachstumspfad verlassen. Ursächlich dafür ist, dass ausgerechnet die beiden größten Märkte für E-Fahrzeuge, China und die USA, deutlich rückläufige Neuzulassungszahlen für die Stromer verbuchten. Laut einer Marktübersicht des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach sind die Neuzulassungen in China um vier Prozent auf knapp über 1,2 Millionen Fahrzeuge gesunken. In den USA sackte der Markt sogar um 10 Prozent auf noch 324.000 Einheiten ab.

In China gilt die Reduzierung der staatlichen Förderungen für E-Mobile als Ursache für den Rückgang der Neuzulassungen. Weil der gesamte chinesische Neuwagenmarkt aber sogar um 7,5 Prozent geschrumpft ist, konnten die E-Mobile ihren Marktanteil dennoch von 4,5 auf 4,7 Prozent steigern. In den USA lässt sich ein genauer Grund nicht ausmachen, möglicherweise ist aber die dortige noch positive Stimmung für fossile Brennstoffe ausschlaggebend. Der Marktanteil der E-Autos sank in den USA im Jahr 2019 von 2,1 auf 1,9 Prozent.

Entwicklung der Zulassungszahlen in ausgewählten Märkten, Vergleich 2018/2019 – zum Vergrößern bitte klicken.
Entwicklung der Zulassungszahlen in ausgewählten Märkten, Vergleich 2018/2019 – zum Vergrößern bitte klicken.
(Bild: CAM)

Dagegen werden die E-Autos in Europa immer „normaler“. Vor allem in Deutschland sprangen die Neuzulassungen um 50 Prozent auf 109.000 Einheiten nach oben. Der deutsche Neuwagenmarkt ist damit nun der weltweit drittgrößte Markt für E-Fahrzeuge. Auch wenn es bis zum vor Jahren ausgerufenen „Leitmarkt für die Elektromobilität“ noch ein Stück Weg ist, nimmt Deutschland inzwischen laut dem CAM doch „zunehmend eine Treiberrolle beim Wachstum der Elektromobilität ein“.

Prozentual stark zugelegt hat zudem der Elektromarkt in den Niederlanden. Dort sprangen die Verkäufe um 150 Prozent auf 67.000 Einheiten nach oben. Damit erreichen die E-Fahrzeuge dort einen Marktanteil von 15 Prozent. Wie es dort jedoch weitergeht mit dem alternativen Antrieb, bleibt offen. Denn Auslöser des zurückliegenden starken Marktzuwachses war die Reduzierung der Steuervorteile für E-Fahrzeuge ab diesem Jahr.

Dass steuerliche Maßnahmen die Nachfrage beeinflussen, zeigt seit Längerem Norwegen, nach Stückzahlen das zweitstärkste E-Automobilland in Europa hinter Deutschland. Im Gesamtjahr 2019 steigen die Neuzulassungen von E-Autos auf 80.000 Einheiten (+10 %). Gleichzeitig bestätigt das Land seine Ausnahmeposition beim Marktanteil, der von 49,1 Prozent im Vorjahr auf 55,9 Prozent steigt.

Entwicklung des Marktanteils von Elektroautos an den Neuzulassungen in ausgewählten Märkten, Vergleich 2018/2019 – zum Vergrößern bitte klicken.
Entwicklung des Marktanteils von Elektroautos an den Neuzulassungen in ausgewählten Märkten, Vergleich 2018/2019 – zum Vergrößern bitte klicken.
(Bild: CAM)

Für CAM-Leiter Stefan Bratzel stellt sich 2019 „als Übergangsjahr der Elektromobilität mit zwiespältigen Tendenzen“ dar. Es habe gezeigt, wie die Absatzdynamik im positiven wie im negativen Sinne durch regulatorische Rahmenbedingungen in erheblichem Maße beeinflussbar ist. Notwendig sei, eine langfristig angelegte Förderung zu entwickeln, die sowohl umweltpolitische als auch soziale und wirtschaftspolitische Ziele berücksichtige. Für 2020 rechnet er mit starken Zuwächsen beim E-Auto, vor allem in Europa. Getrieben wird die Entwicklung in seinen Augen weiterhin von staatlicher Regulierung sowie vom wachsenden Modellangebot.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«