Energieautarkes Elektroauto vor der Serienreife

Forschungsverbund schafft Durchbruch mit Rekuperation

| Autor: Edgar Schmidt

Das Mute Elektroauto als Kleinkraftwerk
Das Mute Elektroauto als Kleinkraftwerk (Foto: TU München/Schmidt)

Eines der größten Hindernisse der Elektromobilität ist bekanntlich die geringe Reichweite der Autos, und ein flächendeckendes Ladenetz ist ebenfalls noch nicht in Sicht. Diesen Problemen hat sich jetzt ein Forschungsverbund des US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Technischen Universität München angenommen und eine Technologie entwickelt, mit der sich das Auto selbst mit Energie versorgen kann. Die wesentlichen Merkmale sind: ein energieerzeugendes Fahrwerk, stromproduzierende Reifen, effektive Solarzellen und ein hocheffizient arbeitendes Windrad für autarkes Laden auf einem Parkplatz. Diese Systeme speisen ihre Energie in einen neuartigen Lithium-Ionen-Akku, der dank Nanotechnologie und Festkörperelektrolyt eine hohe Speicherkapazität bei geringem Eigengewicht besitzt. Die Forscher sprechen von 350 Wattstunden (Wh) pro Kilogramm. Zum Vergleich, heutige Antriebsakkus erreichen etwa 120 Wh/kg.

„Wir entwickeln bereits seit mehreren Jahren an diesem Energiesystem und stehen nun kurz vor der Serienreife“, sagt Projektleiter Friedrich Münchhausen am 1. April in München. Angefangen habe alles mit einem Projekt für energieerzeugende Stoßdämpfer am MIT, die gemeinsam mit den effektiven Solarzellen die Reichweite eines Elektroautos bereits deutlich steigern konnten. „Daraus haben wir den Ehrgeiz entwickelt, komplett ohne externe Energie auszukommen“, erläutert Münchhausen.

Probefahrten auf der IAA

„Unseren ersten Prototypen fehlte jedoch immer der letzte Rest Energie, um wirklich autark unterwegs zu sein. Da kam uns Goodyear mit einem neuen Reifen zu Hilfe“, ergänzt er. Dieser könne ebenfalls im Stand und während der Fahrt Strom produzieren. Dieses Gesamtsystem erlaubt es den Forschern nun, die Akkus einmal zu Beginn des Autolebens aufzuladen und danach ausschließlich durch die im Auto installierten Energieerzeuger wieder nachzuladen – zumindest, wenn die tägliche Fahrstrecke 300 Kilometer nicht übersteigt. Trotzdem sollen erste Modelle auch für eine Schnellladung ausgerüstet werden, um Kunden längere Strecken zu ermöglichen und die Angst zu nehmen, mit leerem Akku liegen zu bleiben.

Um Kritikern die Überlegenheit des Gesamtsystems zu demonstrieren, planen die Forscher erste Modelle auf der IAA für Probefahrten zur Verfügung zu stellen. Unter notarieller Aufsicht sollen diese Autos dann während der gesamten Messezeit ohne Nachladen von Journalisten und Besuchern gefahren werden.

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