Suchen

EU will CO2-Ausstoß noch stärker senken – Autobranche übt Kritik

| Autor: Doris Pfaff

Wie bereits vor Tagen durchgesickert, plant die EU-Kommission die Klimaziele weiter zu verschärfen. Statt der bisher vereinbarten Einsparung an Treibhausgasen von 40 Prozent, sollen bis zum Jahr 2030 mindestens 55 Prozent eingespart werden. Kritik üben vor allem der VDA und DIHK.

Firma zum Thema

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug den Ländern in ihrer Rede zur Union die Verschärfung der Klimaziele vor.
Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug den Ländern in ihrer Rede zur Union die Verschärfung der Klimaziele vor.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Klimaziel der EU soll deutlich verschärft werden. In ihrer ersten Rede zur Lage der Europäischen Union hat die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch der Kommission vorgeschlagen, bis zum Jahr 2030 mindestens 55 Prozent der Emissionen einzusparen.

Vor Tagen waren bereits einige Details der EU-Pläne bekannt geworden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag wirft der EU vor, damit die Rahmenbedingungen für Unternehmen in der Pandemie zu verschlechtern.

Laut von der Leyen soll die Verschärfung helfen, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten und die Überhitzung der Erde zu stoppen. Bislang galt auf der Grundlage der 1990 gemessenen Treibhausgase ein Einsparziel von 40 Prozent der Emissionen. 2015 hatten sich die Länder im Pariser Klimaabkommen darauf geeinigt, die globale Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert auf unter zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und sich um ein Limit von 1,5 Grad zu bemühen.

Das neue Ziel müsse aber in den nächsten Wochen noch mit dem EU-Parlament und den EU-Staaten geklärt werden. Von der Leyen betonte, sie wisse, dass einigen diese Erhöhung des Einsparziels zu viel und anderen zu wenig sei. Laut einer Folgenabschätzung der EU-Kommission sei die Verschärfung jedoch eindeutig von Wirtschaft und Industrie zu bewältigen.

Grüne fordern noch mehr

Das neue Ziel würde drastische zusätzliche Anstrengungen im Klimaschutz bedeuten. Geschafft wurden in den 29 Jahren von 1990 bis 2019 nach Angaben der EU-Kommission rund 25 Prozent Minderung. Für das neue Ziel bleiben weniger als zehn Jahre. Unter anderem die Grünen fordern eine Senkung um 65 Prozent.

Für die enormen nötigen Investitionen will von der Leyen das Corona-Wiederaufbauprogramm in Höhe von 750 Milliarden Euro nutzen. 30 Prozent dieser Summe, die die EU über gemeinsame Schulden finanzieren will, sollen aus „grünen Anleihen“ beschafft werden, kündigte die Kommissionschefin an.

Europäisches Geld solle vor allem in Leuchtturm-Projekte mit größtmöglicher Wirkung investiert werden, darunter Wasserstoff, Renovierung von Häusern und in eine Million Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Von der Leyen sprach von „European Hydrogen Valleys“ zur Modernisierung der Industrie und zur Entwicklung neuer Kraftstoffe für Fahrzeuge.

Pläne dürften vor allem die Autoindustrie treffen

Nach Berechnungen der EU-Kommission müssten für das neue Klimaziel allein die Investitionen in Energieproduktion und -nutzung im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren um jährlich 350 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Verbrauch von Kohle soll im Vergleich zu 2015 um 70 Prozent sinken, der Anteil von erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch auf bis zu 40 Prozent steigen.

Ältere Gebäude müssten im doppelten Tempo wie bisher saniert und „klimafit“ gemacht werden. Zudem müssten einige Vorgaben für Energiewirtschaft und Industrie weiter verschärft werden, darunter die CO2-Grenzwerte für Autos. Das Emissionshandelssystem ETS, das bisher nur Kraftwerke und Fabriken einschließt, soll auf Gebäude und Verkehr ausgedehnt werden.

Die vorgeschlagenen Klimaziele dürften vor allem die Automobilindustrie treffen. Bislang sollen Hersteller bis 2030 den CO2-Ausstoß von Neuwagen um durchschnittlich 37 Prozent senken, nach dem neuen Ziel könnten es laut Medienberichten nun 50 Prozent sein.

(ID:46860650)

Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik