Studie Experten erwarten Chipmangel bis mindestens 2024

Von jr/dpa

Neuwagen sind im Moment knapp und teuer. Laut Alix Partners wird sich daran wegen des Halbleitermangels und steigender Rohmaterialkosten so schnell nichts ändern. Immerhin rechnen die Berater für 2024 mit einem starken Jahr der Erholung.

Der Untersuchung zufolge braucht es unter anderem mehr Ladesäulen im öffentlichen Raum.
Der Untersuchung zufolge braucht es unter anderem mehr Ladesäulen im öffentlichen Raum.
(Bild: Renault )

Der Halbleitermangel dürfte die Autoindustrie einer Studie zufolge bis mindestens 2024 bremsen. Denn Elektroautos brauchen künftig bis zu zehnmal so viele Chips wie Benziner oder Dieselautos.

Auch steigende Kapazitäten reichen so nicht für den gesamten Bedarf aus, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der Unternehmensberatung Alix Partners. „Erst frühestens 2024 wird die Fahrzeugproduktion das Niveau vor Beginn der Pandemie erreichen.“

Absatzrückgang bei Autos und leichten Transportern

Für dieses Jahr erwartet Alix einen weltweiten Absatzrückgang auf 78,9 Millionen Autos und leichte Transporter – von 80,3 Millionen im Jahr 2021. Das weltweite BEV-Volumen dagegen soll sich 2022 in etwa verdoppeln. Bis 2028 soll der globale BEV-Anteil am Neuwagenmarkt bei 55 Prozent liegen.

Auch der europäische Neuwagenmarkt soll in diesem Jahr laut den Alix-Experten nur um moderate drei Prozentpunkte zurückgehen.

Trotz eines für dieses Jahr erwarteten Umsatzrückgangs von insgesamt rund 238 Milliarden Euro sei der Betriebsgewinn der Autobauer zuletzt auf durchschnittlich gut 12 Prozent vom Umsatz gestiegen, der der Zulieferer auf knapp 11 Prozent. Damit hätten beide die Rückgänge der Corona-Krise einigermaßen aufgeholt.

„Noch im letzten Jahr erholte sich die Automobilindustrie hierzulande auch durch staatliche Unterstützungsprogramme von den Auswirkungen der Pandemie“, wird Fabian Piontek, Managing Director bei Alix Partners, in einer Pressemitteilung zur Studie zitiert. „Durch den Krieg in der Ukraine müssen sich Hersteller und Zulieferer zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit einer Disruption stellen, welche erhebliche Ausfälle provoziert und hinsichtlich des Verlaufs unberechenbar ist.“

Preismacht der Hersteller ist ungebrochen

Wegen der gestiegenen Rohmaterialkosten profitierten die Zulieferer nicht in gleichem Maße von den Preiserhöhungen für Autos. Sie stünden auch wegen der Preismacht der Autobauer unter starkem finanziellen Druck, sagte Branchenexperte Marcus Kleinfeld.

Für den deutschen Neuwagenmarkt prognostiziert die Unternehmensberatung ein Wachstum bis 2024 auf 3,7 Mio. Einheiten – langfristig soll sich das Volumen jedoch ab 2024 im Bereich von 3,2 bis 3,5 Millionen Einheiten pro Jahr einpendeln. Damit läge es bis zu 500.000 Fahrzeuge unter den Verkaufszahlen vor Covid-19 und wird nach Ansicht von Alix Partners auf absehbare Zeit auch nicht mehr über das Niveau vor der Pandemie wachsen. Diese Prognose spiegele das mittel- bis langfristig veränderte Mobilitätsverhalten der Bevölkerung wider.

Verdreifachung der Rohmaterialpreise für E-Autos

Die Rohmaterialpreise für Verbrenner haben sich der Studie zufolge seit 2020 verdoppelt und die für E-Autos fast verdreifacht. Die Kosten für Batterien dürften nach einem jahrelangen Rückgang wieder steigen.

In niedrig- und mittelpreisigen E-Autos könnten bald vermehrt Lithium-Eisenphosphat-Batterien eingesetzt werden. Sie seien zwar schwerer und böten weniger Reichweite als herkömmliche Batterien, seien aber günstiger und außerdem nicht auf seltene Erden aus instabilen Regionen angewiesen.

Im Moment sind Autos knapp und vergleichsweise teuer. Aber spätestens 2024 dürften die Autobauer wieder Rabatte gewähren, sagte Alix-Direktor Fabian Piontek: „Bereits jetzt sind die Auswirkungen der hohen Inflation auf das Konsumentenverhalten absehbar.“

Verlässliche Ladepunkte

Europa dürfte zur Mitte des kommenden Jahrzehnts mit einem BEV-Anteil von über 80 Prozent aller verkauften Fahrzeuge eine weltweite Führungsrolle einnehmen. In Deutschland könnten es bis dahin deutlich über 90 Prozent werden. Weltweit erwartet Alix 50 Prozent.

Allerdings müsse eine ausreichend umfangreiche Ladeinfrastruktur geschaffen werden, die es nicht nur Hausbesitzern mit eigener Ladestation ermögliche, ihr Fahrzeug betriebsbereit zu halten, mahnte Branchenexperte Christian Siekmann. „Auch Städter ohne eigene Parkmöglichkeit benötigen verlässliche Ladepunkte.“

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