F1-Legende Haug: E-Mobilität braucht Verbrenner

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Wer individuelle Mobilität auch in Zukunft nicht missen will, kommt am Auto nicht vorbei. Und wer künftig mit alternativen Antrieben fahren will, der braucht heute den Verbrenner – das war zumindest der Tenor beim Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart.

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Rege Diskussion: (v.li.) Obermeister Torsten Treiber, Staatssekretärin Katrin Schütz, Autoexperte Norbert Haug und Innungsgeschäftsführer Christian Reher.
Rege Diskussion: (v.li.) Obermeister Torsten Treiber, Staatssekretärin Katrin Schütz, Autoexperte Norbert Haug und Innungsgeschäftsführer Christian Reher.
(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Am Auto führt auch in Zukunft kein Weg vorbei. Dessen ist sich man sich in Stuttgart sicher. Und am Elektroauto? Wenn’s in ein paar Minuten aufgeladen ist und „1.000 Kilometer weit kommt, bin ich der erste, der das nutzt“, stellte Formel-1-Legende Norbert Haug in der Talkrunde im Rahmen des Herbstforums der Kfz-Innung Region Stuttgart klar. Bis das so weit ist, braucht es nach Einschätzung des Autoexperten vor allem eines: Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. „Wir müssen mit den Autos von heute das Geld verdienen, um uns die Zukunft leisten zu können“, sagte Haug. Mit sauberen und effizienten Autos natürlich, das hatte die Talkrunde zuvor im Wechsel betont.

Auch für Katrin Schütz, Staatssekretärin im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium, ist klar, dass Diesel und Verbrenner noch Zukunft haben: „Es wäre töricht, jetzt den Verbrenner zu verbieten.“ Erstens, weil seine Potenziale längst nicht ausgeschöpft seien, und zweitens, weil „der revolutionäre Prozess“ finanziert werden muss. „Das Auto wird gerade zum zweiten Mal erfunden“. Und der Diesel sei technisch noch lange nicht am Ende.

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Um in der von den Dieselgegnern dominierten Fahrverbotsdiskussion Paroli bieten zu können, fordert Innungsgeschäftsführer Christian Reher: „Wir müssen lauter werden.“ Nur so kommt die Botschaft an. Dabei hat das Kfz-Gewerbe allerdings einen Klotz am Bein. Denn „wir billigen keinen Betrug“, ergänzte Obermeister Torsten Treiber mit Blick auf die Schwachstelle bei den Autoherstellern im Rahmen der Diesel-Diskussion. Dem Verhalten einzelner folgt der Schaden für viele, so lässt es sich auf den Punkt bringen.

Die Geschichte hat dabei auch einen politischen Aspekt. Denn wenn zwei Millionen Menschen über 18 und 1,61 Millionen Pkws in der Region Stuttgart vorhanden sind, „spielt es keine Rolle, ob ein Zwanzigstel oder ein Zehntel der Bevölkerung autofrei leben kann. Entscheidend ist, alle haben das Wahlrecht. Und ich will das mal so formulieren: Es kann gewaltig in die Hose gehen, den Wählerinnen und Wählern die individuelle Mobilität zu beschneiden“, sagt Treiber.

Staatssekretärin Schütz schlug in ihrer Rede den Bogen von den Herstellern zu den Autohäusern und Werkstätten. Sie hob darauf ab, dass „eine stolze Geschichte keine Garantie für eine gute Zukunft ist“. Wenn das Auto jetzt zum zweiten Mal erfunden werde, sei das „emissionsfreie Auto“ das Ziel, die Technologie aber Sache der Ingenieure. So gesehen seien Verbrennerverbote mitten im Transformationsprozess „töricht“, Grenzwerte bei Feinstaub und NOx aber einzuhalten. Das Land plane „eine Reihe von Maßnahmen“.

Aus ihrer Sicht ist der Transformationsprozess hin zu neuen Autos das eine. Die Frage, wie sich die Hersteller und Werkstätten im Wettbewerb behaupten, ist das andere: „Dass man auf der Pole-Position steht, heißt nicht, dass man das Rennen gewinnt“, verknüpfte Norbert Haug den aktuellen Stand und die mögliche politische Entwicklung. Sein Credo kurz zusammengefasst: „Wir müssen auf der Basis belastbarer Fakten handeln und nicht anhand unrealistischer Wunschszenarien.“ Keiner wolle mit Vollgas durch die Stadt fahren, doch fließender Verkehr sei die erste und wirkungsvollste Maßnahme zur Luftverbesserung.

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