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Finanzdienstleister stehen unter Handlungsdruck

| Autor / Redakteur: Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Auf dem Digital Day des BDA (Banken der Automobilwirtschaft) zeigten Captives, in welche Richtung sich die automobilen Finanzdienstleistungen bewegen. Für den Handel hat dies große Auswirkungen.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

„Financial services going digital: Online-Kundenstrecke, digitale Bankprozesse und neue Geschäftsmodelle“ – unter dieser Überschrift stand der Digital Day, den der BDA am 3.4.2018 in Frankfurt veranstaltete. Im vollbesetzten Tagungssaal erläuterten hochkarätige Referenten aus dem Kreis der Autobanken, wie sie in ihren Häusern die Digitalisierung vorantreiben, wie der Kunde davon profitiert und welche Auswirkungen dies auf den Automobilhandel haben wird.

Einig waren sich die Konferenzteilnehmer, dass die Digitalisierung erheblichen Einfluss auf das bisherige Geschäftsmodell der Hersteller, der Banken und der Autohäuser haben wird. Sebastian Pfeifle, Partner und Global Auto Finance Lead von Deloitte, drängte die anwesenden Institute zu einer schnelleren Gangart bei der Digitalisierung. Viele seien noch ungenügend vorbereitet. „Unterschätzen sie nicht die Geschwindigkeit der Veränderung“, mahnte er.

Rein digitale Abwicklung im Vormarsch

Nahezu jede Captive hat inzwischen digitale Systeme entwickelt, die es dem Kunden erlauben, die Bestellung und Finanzierung eines neuen oder gebrauchten Fahrzeugs nahezu komplett digital abzuwickeln. Unterschiede gibt es hinsichtlich des Endes des Prozesses: Während die Opel-Bank, wie zwischen Hersteller und Händlerverband vereinbart, die Kundenunterschrift noch beim Händler einfordert, gehen manche Institute andere Wege: Sie überlassen es dem Kunden, zu entscheiden, ob er eine voll digitale Abwicklung wünscht oder doch lieber den Händler in den Prozess integriert haben möchte. Dennoch beziehen auch sie mehrheitlich – zumindest derzeit noch – den Automobilhandel in die veränderte Wertschöpfungskette mit ein.

Thomas Hanswillemenke, Vorstand der Santander Consumer Bank, betonte in seinem Vortrag die Bedeutung des Händlers für den Finanzdienstleister, der zwar den PoS (Point of Sale) ins Internet verlagern wolle, aber gleichzeitig den Lead und damit die letztendliche Verkaufsabwicklung an den Händler weiterleiten werde.

Vom Kauf zum Abo

Ein wesentliches Thema der Veranstaltung war die fortschreitende Entwicklung der Abo-Modelle als Alternative zum Autokauf und zum Leasing. Thomas Mengelkoch, Finanzdirektor und stellvertretender Geschäftsführer von Volvo Car Deutschland, erläuterte die veränderte Strategie, die hinter diesen Modellen stehe: „Service first, Car second“ – diese neue und zunehmend bedeutsame Kundenforderung zwinge Hersteller, Banken und Händler, ihre Geschäftsmodelle erheblich zu überarbeiten. Volvo Deutschland rechnet für sein Abo-Modell inzwischen im laufenden Jahr mit einem Anteil von fünf Prozent am gesamten deutschen Volvo-Verkaufsvolumen. Das zeige die zunehmende Akzeptanz des Prinzips „nutzen statt besitzen“ beim Kunden.

Für BDA-Chef Heinz-Peter Renkel war es der letzte Digital Day, den er mit seinem Team veranstaltet hat. Wie er auf der Tagung bestätigte, haben die Mitgliedsinstitute in der vergangenen Woche beschlossen, aus Effizienz- und Kostengründen die Lobbyarbeit wieder selbst zu übernehmen. Der BDA löst sich daher zum Jahresende auf. Der Digital Day wird möglicherweise in einem veränderten Format fortgeführt. Dazu gebe es entsprechende Überlegungen, die jedoch noch nicht spruchreif seien, erläuterte Renkel.

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