Reifentest Ganzjahr ist das neue Normal

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Ganzjahresreifen sind auf dem Weg, das wichtigste Segment auf dem Reifenmarkt zu werden. Und sie werden immer besser – erstmals erzielte nun ein Produkt im ADAC-Reifentest die Note „gut“.

Die Wintereigenschaften der Ganzjahresprofile hat der ADAC genauso streng getestet wie bei echten Winterreifen.(Bild:  Marc Wittkowski)
Die Wintereigenschaften der Ganzjahresprofile hat der ADAC genauso streng getestet wie bei echten Winterreifen.
(Bild: Marc Wittkowski)

Früher wurden Ganzjahresreifen meist im Vergleich zu Saisonspezialisten getestet, vor allem mit Winterreifen – und, oh Wunder, sie offenbarten dabei gewisse Leistungseinschränkungen gegenüber echten Schneeprofilen. Doch ist das für die Kunden relevant? Viele haben sich längst gegen den saisonalen Reifenwechsel entschieden. Auf dem Ersatzmarkt ist der Ganzjahresreifen schon das zweitstärkste Segment hinter dem Winterreifen; es dürfte nicht mehr lange dauern, und er übernimmt die Marktführung.

Vielen Kunden wird deshalb egal sein, wie sich der Alleskönner im Vergleich zu den Saisonreifen schlägt. Sie wollen vielmehr wissen, welcher die beste Wahl im Ganzjahressegment darstellt. Eine Antwort kommt nun vom ADAC. Der Automobilklub hat 16 Modelle – von der Premiummarke bis zum Billigfabrikat – unter allen Straßen- und Wetterbedingungen getestet.

Die ADAC-Experten legten dabei dieselben Prüfkriterien an wie bei ihren Sommer- und Winterreifentests. Die Probanden mussten bei 50 Grad Celsius Asphalttemperatur genauso gut bremsen und haften wie ein reiner Sommerreifen. Bei Minusgraden und bei schneebedeckter Fahrbahn müssen sie ebenso sicher funktionieren wie ein Winterreifen. Und in Sachen Laufleistung, Kraftstoffverbrauch und Abrieb dürfen sie auch keine Kompromissbereitschaft seitens der Endkunden erfordern.

Damit sind eigentlich zahllose Zielkonflikte verbunden. Doch das Ergebnis zeigt: Die Reifenentwickler schaffen es immer besser, diese zu lösen. Erstmals bekam ein Ganzjahresprodukt beim ADAC die Note „gut“, sechs schnitten „befriedigend“ ab, weitere sieben „ausreichend“. Nur zwei Billigfabrikate fielen mit „mangelhaft“ durch.

Goodyear läuft mit Abstand am längsten

Eigentlich ist der Pirelli der beste Reifen. Seine miserable Laufleistung (33.000 zu 60.700 Kilometer) bringt ihn allerdings gegenüber dem Goodyear ins Hintertreffen.(Bild:  ADAC)
Eigentlich ist der Pirelli der beste Reifen. Seine miserable Laufleistung (33.000 zu 60.700 Kilometer) bringt ihn allerdings gegenüber dem Goodyear ins Hintertreffen.
(Bild: ADAC)

Am besten löste alle diese Anforderungen der Vector 4 Seasons Gen-3 von Goodyear, der auf nasser und winterlicher Fahrbahn gute Ergebnisse und nur auf trockenem Asphalt leichte Schwächen zeigt. Auch bei den Umweltkriterien schnitt er überdurchschnittlich gut ab. So beträgt seine prognostizierte Laufleistung laut ADAC nicht weniger als 60.700 Kilometer – fast doppelt so viel wie bei den Schlechtesten im Feld und immerhin ein Drittel mehr als beim Michelin Cross Climate 2. Dabei galt ja Michelin immer als das Fabrikat für die Vielfahrer.

Dafür zeigte der Michelin den kürzesten Bremsweg: Rund 39 Meter brauchte er, um auf trockener Fahrbahn aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h abzubremsen. Beim Uniroyal Allseason Expert 2 waren es knapp 47 Meter. Insgesamt die zweitbeste Perfomance zeigte der Pirelli Cinturato All Season SF 2, der gute Wertungen bei der Fahrsicherheit einfuhr und mit der Note 2,6 nur knapp an einem „gut“ vorbeischrammte. Seine Achillesferse ist die Laufleistung. Allerdings hat Pirelli das bereits selbst erkannt und Anfang des Jahres den Nachfolger SF 3 präsentiert.

Continental und Bridgestone nicht im Testfeld

Bei der Laufleistung gibt es nach wie vor die größten Unterschiede zwischen den Reifen. Bei den getesteten Ganzjahresreifen liegt der Goodyear mit großem Abstand vorne.(Bild:  ADAC)
Bei der Laufleistung gibt es nach wie vor die größten Unterschiede zwischen den Reifen. Bei den getesteten Ganzjahresreifen liegt der Goodyear mit großem Abstand vorne.
(Bild: ADAC)

Neben Michelin und Pirelli schaffen noch die Produkte von Hankook, Kumho, Vredestein und Falken die Note „Befriedigend“ und werden vom ADAC als empfehlenswert eingestuft.

Und wie seht es mit den sieben mit „ausreichend“ benoteten Pneus aus? Sie seien eher nicht zu empfehlen, weil sie zu große Schwächen besonders auf trockener Fahrbahn hätten. Zu unpräzise zeigen sich die Reifen bei sommerlichen Temperaturen und fordern den Fahrenden auch bei Ausweichmanövern im Grenzbereich, indem sie recht deutlich zum Übersteuern neigen und sich nicht so schnell stabilisieren, wie es wünschenswert wäre.

Ein wenig anders hätte die Ergebnistabelle vielleicht ausgesehen, wenn auch der erst im letzten Jahr vorgestellte Continental Allseason Contact 2 oder der ebenfalls noch frische Bridgestone Turanza All Season 6 mitgetestet worden wären. Laut ADAC lag dies an den begrenzten Testkapazitäten: Weil für jedes Fahrerprofil etwas dabei sein sollte, und der Reifenmarkt mittlerweile viele, teilweise wenig bekannte Marken umfasst, führte das zwangsweise zum Wegfall anderer, bekannterer Marken, teilte der Klub auf »kfz-betrieb«-Anfrage mit.

Trotz dieser prominenten Nicht-Teilnehmer hat ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze zweifellos recht, wenn er resümiert: „Dass erstmals ein Ganzjahresreifen im ADAC-Test ein gutes Gesamtergebnis erreicht, weil er nicht nur sicher ist, sondern auch bei den Umwelteigenschaften punkten kann, zeigt das Potenzial moderner Reifentechnologie. Ganzjahresreifen können somit in bestimmten Anwendungsfällen als echte Alternative zu Sommer- und Winterreifen gesehen werden und dazu beitragen, die Mobilitätskosten zu reduzieren.“

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