Marktanalyse Gebrauchtwagenmarkt zwischen Trendumkehr und Sondereffekt

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Die Preise stabilisieren sich, die Standzeiten der Gebrauchtwagen im Handel sinken. Auf den ersten Blick scheint sich die Marktlage zu stabilisieren. Doch beim genaueren Hinsehen zeigen sich kurzfristig wirkende Einflüsse.

Der Gebrauchtwagenmarkt sendet derzeit widersprüchliche Signale. Grundsätzlich scheint sich die Lage aber zu bessern.(Bild:  Seyerlein - VCG)
Der Gebrauchtwagenmarkt sendet derzeit widersprüchliche Signale. Grundsätzlich scheint sich die Lage aber zu bessern.
(Bild: Seyerlein - VCG)

Der Gebrauchtwagenmarkt ist dabei, sich zu normalisieren. In einer Analyse auf Basis der Inserate auf der eigenen Plattform zeigen sich laut Autoscout 24 einige für den Handel positive Entwicklungen. Unter anderem sind die eingestellten Bestände der professionellen Inserenten seit Jahresstart gesunken, gleichzeitig steigt die Nachfrage der Kunden. „Die Themen Inflation und Unsicherheit sind inzwischen weniger präsent bei den Konsumenten“, sagte Stefan Schneck, Vertriebschef von Autoscout 24, bei der Vorstellung des zweiten Marktreports für das Jahr 2024.

Im Ergebnis normalisiere sich der Gebrauchtwagenmarkt, der langsam wieder auf Vor-Corona-Niveau komme, so Schneck. 3,26 Millionen Pkw-Umschreibungen hatte das Kraftfahrt-Bundesamt für das erste Halbjahr 2024 registriert. Im Jahr 2019 waren es nach sechs Monaten 3,61 Millionen Einheiten gewesen. Damit liegt der Gebrauchtwagenmarkt noch etwa 10 Prozent hinter dem Vorkrisen-Volumen zurück. Im Neuwagenmarkt fehlt noch ein Viertel.

Hatte es zum Jahresstart noch einen klaren Nachfrage-Überhang am Gebrauchtwagenmarkt gegeben, bewegen sich Angebot und Nachfrage derzeit in Richtung Balance, heißt es im Marktreport von Autoscout 24. Allerdings warnt Schneck den Handel, sich nicht in Sicherheit zu wiegen. Denn nun stehen die eher kaufschwachen Monate an. Es gelte aktiv zu bleiben, um die Bestände nicht anwachsen zu lassen.

Preisentwicklung: Trendumkehr oder Sondereffekt

Eine interessante Entwicklung haben zuletzt die Preise genommen. Denn erstmals seit März 2023 verzeichnen die Autoscout-Statistiker eine Preisstabilisierung – nachdem sie im gesamten zweiten Quartal um 2 Prozent gegenüber dem Anfangsquartal gefallen waren. „Die Abwärtsspirale hat sich in den vergangenen Monaten bereits merklich verlangsamt, sodass wir im Juni sogar wieder einen leichten Preisanstieg von 0,2 Prozent bei den Durchschnittspreisen sehen“, berichtet Schneck.

Ob dahinter tatsächlich eine Trendumkehr steckt oder eben doch nur ein Sondereffekt, mag nicht einmal Autoscout-Chefanalytiker Bastian Grühn abschließend bewerten, der das Verhalten der monatlich rund 30 Millionen User der Plattform regelmäßig begutachtet. Denn: Im Juni waren überproportional viele Tageszulassungen auf den Markt gekommen wegen der geänderten EU-Vorgaben zu den vorgeschriebenen Fahrerassistenzsystemen. Die könnten nun als sehr junge Gebrauchtwagen im Markt sein und damit statistisch das Preisniveau anheben. Grühn findet es zumindest „bemerkenswert, dass die Preise gerade zum Beginn der Sommerferien zulegen, da sie in den nachfrageschwachen Sommermonaten traditionell eher rückläufig sind“.

Eine gesicherte positive Entwicklung betrifft allerdings die Standzeiten der Gebrauchtwagen, die sich bei den Händlern im zweiten Quartal im Schnitt um 4 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2024 reduziert haben. Faktisch steht ein Gebrauchter nun 5 Tage weniger auf dem Hof des Händlers, verursacht also auch weniger Kapitalkosten. Insgesamt liegt die durchschnittliche Standzeit bei 97 Tagen, was dennoch deutlich länger ist als vor der Corona-Pandemie mit 83 Tagen.

Auch in dieser Entwicklung könnte sich allerdings die vermehrte Zahl junger Gebrauchter niederschlagen, die in der Regel sehr schnell vermarktet werden. Generell fehle es dem Gebrauchtwagenmarkt weiterhin an Gebrauchtwagen, die nicht älter als drei Jahre sind, verdeutlichte Schneck. In diesem Segment sei wegen des Produktionsausfalls in den Corona-Jahren zu wenig Nachschub auf den Markt.

Ein steigendes Angebot verzeichnet Autoscout 24 dagegen bei gebrauchten Elektroautos. Im zweiten Quartal hatten immerhin sechs Prozent der angebotenen Fahrzeuge einen E-Antrieb. Das Angebot habe sich innerhalb von zwei Jahren verfünffacht, berichtet die Börse. Die Nachfrage sei allerdings aufgrund der nach wie vor hohen Preise fast unverändert geblieben. Die Preise sind übrigens zuletzt sogar wieder leicht gestiegen, da viele junge und damit teurere Leasing-Rückläufer aus den Zeiten des Elektrobooms in den Markt strömen und die Durchschnittspreise in der Folge anheben.

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