Das Fahrgefühl im Fond ist tatsächlich königlich: Entweder räkelt man sich bequem auf der Sonnenliege, nippt am Champagner aus dem Silberkelch und lässt draußen die wilde Tierwelt Afrikas an sich vorbeiziehen. Oder man steht in der riesigen Luke, reckt das Haupt durchs offene Dach und kann sich nur mit Mühe ein königliches Grinsen oder ein päpstliches Winken verkneifen. Bei einer Parade mag das ja angebracht sein. Aber den anderen Big Five ist es herzlich egal was das Frischfleisch da auf dem Rücken von Nummer Sechs für einen Zauber veranstaltet. Die interessiert es nur, wenn man aussteigt und damit zur Beute wird. Aber warum sollte man aus einem Auto wie diesen tatsächlich aus- oder besser herabsteigen in die Niederungen der wirklichen Welt?
Im diesem Königreich auf Rädern ist man der Welt so weit entrückt, dass man sich nicht einmal für den Motor interessiert und den Job am Lenkrad bereitwillig einem dienstbaren Geist überlässt. Dabei lockt das Landaulet auch unter der Haube mit dem Besten, was sie bei Benz aktuell an Antrieb zu bieten haben. Schließlich säuselt unter der Haube der sechs Liter große V12 aus dem G 65, der bei 630 PS und 1000 Nm selbst mit den 3,3 Tonnen dieses Dickschiffs keine Mühe hat.
So, wie auch die Nashörner und Elefanten hier im Madikwe Game Ressort überraschend schnell Reißaus nehmen, wenn Wildhüter Luke mit seinem Land Cruiser mal wieder zu schnell um die Ecke kommt, so ist auch das Landaulet ein verkappter Sprinter. Von 0 auf 100 in weniger als sechs Sekunden und bei Vollgas immerhin 180 km/h: Mit einem Giganten wie den G ist das ein buchstäblich atemberaubendes Erlebnis – erst recht, wenn man dabei auf einer Lederliege unter freiem Himmel lümmelt.
Entstanden ist der offene Viersitzer aus purem Übermut. Denn 38 Jahre nach ihrem Start ist die G-Klasse mittlerweile ein absoluter Selbstläufer und klettert von Rekord zu Rekord. „Nach dem Bestwert von 2015 haben auch im letzten Jahr noch einmal zugelegt und mit 20.000 Verkäufen ein weiteres All-Time-High erzielt“, sagt Güthenke und summiert den Gesamtabsatz des G-Modells auf mittlerweile deutlich mehr als 200.000 Exemplare.
Weil darunter auch über 150 Exemplare des urgewaltigen 6x6 sowie bald 1.000 Einheiten des nicht minder spektakulären 4x4 zum Quadrat sind, haben Güthenke und sein Team bereits vor zwei Jahren zusammengesessen und über die nächste Sonderserie beraten. Und weil offenbar jemand kurz vor der entscheidenden Sitzung auf Safari war, ist es am Ende der ultimative Jagdwagen geworden.
Zwar sieht G-Chef Güthenke, der selbst eine Zeit in Südafrika gelebt hat, in dem Landaulet den perfekten Safari-Shuttle und angeblich gibt es nicht nur in den Emiraten, in Russland und in Mitteleuropa, sondern tatsächlich auch in Südafrika großes Interesse an dem offenen Luxusliner. Doch die Chancen, dass der G 650 im Madikwe Game Reserve Wildhüter Luke noch öfter durch die Parade fährt, sind denkbar gering. Denn mehr als 99 Landaulets will Güthenke nicht bauen. Dagegen sind selbst die Big Five ein Massenphänomen.
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