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Genfer Autosalon offiziell abgesagt

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Rehberg

Die Automesse am Genfer See wird nicht stattfinden: Wegen einer steigenden Zahl von Coronavirus-Fällen hat die Schweiz am Freitag alle Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen verboten. Erste Aussteller wollen ihre Premieren dennoch zeigen – per Livestream im Netz.

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(Bild: SP-X/Michael Gebhardt)

Wegen der steigenden Zahl von Coronavirus-Fällen untersagt die Schweiz vorerst alle Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen. Der Anweisung fällt auch der Genfer Autosalon zum Opfer. „Wir wollen weitere Ansteckungen so gut es geht in Grenzen halten“, sagte Innenminister Alain Berset am Freitag. „Dieses Verbot tritt sofort in Kraft und gilt mindestens bis 15. März“, präzisierte die Regierung in einer Mitteilung. Damit kann der Genfer Salon seine Tore nicht öffnen.

Zur Genfer Motor Show, die ab Montag mit den Pressetagen zum 90. Mal starten und bis zum 15. März laufen sollte, waren im vergangenen Jahr 600.000 Besucher gekommen. „Wir bedauern diese Situation, aber die Gesundheit aller Beteiligten ist für uns und unsere Aussteller absolute Priorität“, sagte Autosalon-Chef Maurice Turrettini in Genf. „Dies ist ein Fall von höherer Gewalt.“ Für die Aussteller, die massiv in ihre Präsenz in Genf investiert haben, bedeute die Absage gleichwohl einen herben Verlust. Nun müsse der Abbau organisiert werden. Die bereits verkauften Eintrittskarten würden zurückerstattet.

Viele Aussteller hatten bereits angekündigt, nur mit verkleinerter Mannschaft anzureisen. Der chinesische Autobauer Byton hatte am Freitagmorgen seine Teilnahme abgesagt „aufgrund der bislang ungeklärten Covid-19-Risikolage in Genf und der Verantwortung für unsere Mitarbeiter“.

Die Absage trifft neben zahlreichen Herstellern auch den „Auto Gewerbe Verband Schweiz“ (AGVS). Das Schweizer Gegenstück zum deutschen ZDK hatte mit einem neuen Standkonzept auftreten wollen. Sein Verband bedauere die Absage natürlich, sagte AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli laut einer Pressemitteilung. „Auf der anderen Seite haben wir Verständnis für den Entscheid. Angesichts der Entwicklung der letzten Tage und der großen Verunsicherung in weiten Teilen der Bevölkerung wäre die Durchführung der GIMS wohl unverantwortlich gewesen.“

Mit der Messeabsage geht den Herstellern zugleich eine wichtige Plattform zur Präsentation ihrer Neuerungen verloren. Sie wollen nun ihre Neuheiten im Internet zeigen. BMW etwa enthüllt das Concept i4 – ein vollelektrisches Gran Coupé, das nächstes Jahr Tesla Konkurrenz machen soll – im Münchner BMW-Forschungszentrum und überträgt via Live-Stream in die Welt. Audi richtet sich nun alternativ zur Weltpremiere des Audi A3 Sportback in Genf per Online-Botschaft über das Audi Media Center und die Social-Media-Kanälen an ein interessiertes Publikum. Auch Mercedes kündigte die für Dienstag in Genf geplante Pressekonferenz nun in digitaler Form an.

Über 100 Menschen in Quarantäne

In der Schweiz seien bis Freitag 15 Menschen positiv auf das neue Virus Sars-CoV-2 getestet worden, sagte Berset. Mehr als 100 Menschen seien in Quarantäne. Die Regierung werde laufend informiert und stehe in ständigem Kontakt mit den Nachbarländern, so Berset weiter. Die große Ausbreitung des Virus in den vergangenen Tagen in den Nachbarländern Deutschland und Italien sowie die ersten bestätigten Fälle in der Schweiz hätten zu einer neuen Lagebeurteilung geführt.

Die Kantone unterstützten die Maßnahmen der Bundesregierung, sagte Heidi Hanselmann, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK). Eine gemeinsame Linie für die ganze Schweiz sei sinnvoll, um kohärent gegen das Virus vorzugehen.

Zuvor war schon die erst für April geplante Genfer Uhrenmesse abgesagt worden. Für die Autobranche ist die Absage des Autosalons ein weiterer Schlag nach der Verschiebung der eigentlich für April geplanten großen chinesischen Automesse in Peking.

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