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Gewerbekunden und Transporter halten den Neuwagenmarkt am Laufen

Autor: Andreas Grimm

Vorgezogene Käufe im letzten Jahr und Corona-Auswirkungen haben dem Neuwagenmarkt im Februar zugesetzt. Nur das Gewerbekunden-Geschäft hält die Auslieferungen noch am Laufen. Erste Marktbeobachter erwarten aber bereits eine weitere Verschärfung.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Der Gewerbekundenmarkt hat bislang die Neuzulassungen in Deutschland vor einem Total-Absturz bewahrt. Wie aus einer Auswertung der Marktforschung Dataforce auf Basis der Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts hervorgeht, hat der gewerbliche Flotten- und Firmenkundenmarkt im Februar sogar mehr Neufahrzeuge aufgenommen als im Vorjahresmonat. Dagegen gehen die Käufe der Privatkunden dramatisch in den Keller. Insgesamt war der Markt zuletzt 10,8 Prozent im Minus.

Den Angaben zufolge ließen die Firmenkunden im Februar 2020 rund 70.000 Neufahrzeuge zu – das entsprach bei einem fast 11 Prozent rückläufigen Gesamtmarkt einem Plus von 0,7 Prozent zum Vorjahresmonat. Bereits im Februar hatte das Firmenkundengeschäft in ähnlicher Größenordnung zugelegt. „Damit erweist sich der Kanal der Firmenwagen weiterhin als stabilisierendes Element“, schreibt Dataforce in einer Kurzanalyse der Zahlen.

Ein wesentlicher Treiber des Flottengeschäfts sind dabei die Plug-in-Hybride, mutmaßlich wegen der vorteilhaften Regeln zur Besteuerung elektrifizierter Dienstwagen. Fahrzeuge mit dieser Antriebsart stellten im Februar einen Anteil von mehr als fünf Prozent am Flottengeschäft. Die steigende Nachfrage trifft dabei wohl auch auf Hersteller, die „mit aller Macht Plug-in-Hybride (und Elektroautos) in den Markt drücken“, hatte anfangs des Monats der Autoanalyst der Unternehmensberatung EY, Peter Fuß, geschrieben. Er rechnet in den kommenden Monaten mit weiteren hohen Wachstumsraten der E-Fahrzeuge.

Trist entwickelt sich dagegen die Privatkunden-Nachfrage. Über diesem Absatzkanal kamen im Februar zwar noch 79.500 Einheiten neu auf die Straßen. Das sind dennoch 16,1 Prozent weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Neben den hohen taktischen Neuzulassungen zum Jahresende 2019 konstatieren die Marktbeobachter allgemein „eine besonders starke Zurückhaltung der Privatkäufer“ in ganz Europa. „Möglicherweise zeigen sich bereits Auswirkungen der um sich greifenden Sorge vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus“, heißt es bei EY.

Für die These voller Höfe durch taktische Zulassungen spricht allerdings das deutliche Minus der Eigenzulassungen von Handel und Hersteller im zurückliegenden Monat. Vor allem die Hersteller traten auf die Zulassungsbremse und brachten 24 Prozent weniger Autos auf die Straßen als im Vorjahresmonat. Die Händler reduzierten ihre taktischen Zulassungen um 13,1 Prozent. Beide Gruppen brachten zusammen 65.139 Einheiten auf die Straßen.

Ein traditionell stabilisierendes Element der Neuwagenstatistik sind die Zulassungen der Autovermieter. Sie reduzierten ihre Neuwagenanmeldungen im Februar um 2,9 Prozent. Ob es dabei bleibt, ist laut Peter Fuß wegen der Corona-Virusepidemie ungewiss. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir in den kommenden Monaten auch zweistellige Rückgänge bei den Neuzulassungen sehen werden“, mahnt er.

Transportermarkt legt gegen den Trend zu

Die ungebrochene Nachfrage im gewerblichen Sektor lässt sich auch an der Entwicklung des Transportermarktes ablesen. In dieser Sonderauswertung analysiert Dateforce die Verkaufsentwicklung der Leichten Nutzfahrzeuge und Utilities. In dieser Fahrzeuggruppe stiegen die Neuzulassungen im Februar um 2,8 Prozent auf 41.540 Einheiten. Interessanterweise war hierbei allerdings der Privatkundenmarkt der wichtigste Treiber der Entwicklung mit einem Zulassungsplus von 13 Prozent.

Auch die Firmenkundennachfrage legte im Transportermarkt überdurchschnittlich zu – um 4,9 Prozent. Aber auch die Hersteller brachten 7,9 Prozent mehr Fahrzeuge auf die Straßen als im Vorjahresmonat. Bremsend waren dagegen die Erstzulassungen durch die Händler (-8,1 %) und insbesondere der Autovermieter, die ein Viertel weniger Fahrzeuge abnahmen.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«