Händlerumfrage: Lange Lieferzeiten schmerzen

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Seite 3: Der Vorteil der Lieferzeiten

Franco Barletta ist zwar sehr erfreut, was Absatz und Ertrag von Neuwagen anbelangt. Verwundert ist der Geschäftsführer des Hagener Autohauses Jürgens jedoch darüber, „dass einige Markenkollegen die derzeitige Nachfragesituation nicht nutzen, um die Nachlässe zurückzufahren.“ Dies beeinflusse auch die Jürgens-Erträge indirekt. „Hier besteht also noch Verbesserungspotenzial“, so Barletta. Trotzdem gingen die Rabatte grundsätzlich zurück. „Wir wollen diesen Trend nutzen, um unsere Erträge weiter auszubauen.

Der Vergleich mit Kollegen zeigt, dass wir hier sehr gut unterwegs sind.“ Die Lieferzeitenproblematik beurteilt der Firmenlenker ambivalent: „Einerseits belasten die Wartezeiten die Kundengeduld und deren persönliche Mobilitätsplanung, anderseits können wir dadurch aber auch Nachlässe reduzieren. Hinzu kommt, dass wir in einigen Modellreihen Kunden vom Wettbewerb gewinnen können, da diese zum Teil bei SUV-Modellen bis zu zwölf Monate Lieferzeit haben, während wir hingegen nur vier bis fünf Monate verzeichnen.“

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Attraktive Gebrauchte fehlen

Attraktive Gebrauchtwagen fehlen auch im Autohaus Jürgens. Somit kam es in Hagen noch nicht zur geplanten Volumensteigerung, die über Plan liegenden Deckungsbeiträge kompensieren jedoch die fehlenden Stückzahlen.

Mit den Erträgen im Service ist Barletta weiterhin sehr zufrieden. „Aufgrund einer sehr guten Herstellerqualität müssen wir aber das fünfte Jahr in Folge deutliche Rückgänge bei den Garantieumsätzen im Pkw- und Nutzfahrzeuggeschäft hinnehmen. Dies konnten wir allerdings durch eine steigende Endkundennachfrage nahezu kompensieren.“

Apropos Nutzfahrzeuggeschäft: Dieses leidet laut Barletta massiv unter der Preispolitik des Herstellers. „Somit konnten wir im ersten Halbjahr nicht am enormen Wachstum partizipieren und haben empfindlich Lkw-Marktanteile verloren.“ Zudem wirke sich das Ganze unmittelbar auf die Ertragsqualität der realisierten Geschäfte aus. Das Transportergeschäft hingegen erweist sich erneut als Perle des Vertriebs. „Hier stimmt die Hersteller-Vertriebspolitik bestens mit den Erfordernissen des Marktes überein, was dazu führt, das wir hier auf ein Rekordjahr zusteuern“, sagt Barletta.

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Hans-Ulrich Overdreef vom gleichnamigen BMW-Autohaus in Duisburg blickt auf zwei unterschiedliche Quartale zurück. Verliefen die ersten drei Monate des Jahres sehr gut, waren die Monate April bis Juni im Neuwagenverkauf zurückhaltender. Unter dem Strich freut sich der Geschäftsführer jedoch über die vergangenen sechs Monate, sowohl in Sachen Neuwagenabsatz als auch beim Ertrag. Jedoch erschweren auch in Duisburg lange Lieferzeiten vor allem den Verkauf von BMW-X-Modellen. Davon seien private und gewerbliche Kunden gleichermaßen betroffen.

Zum Nachlassverhalten sagt Overdreef: „Das ist trotz der knapper werdenden Ware nach wie vor auf Vorjahresniveau. Es sieht so aus, als ob der Markt mit der ungewohnten neuen Situation noch nicht so gut umgehen kann.“ Das Gebrauchtwagengeschäft sei nach wie vor auf einem sehr guten Niveau. Die Absatz- und Ertragszahlen liegen über Vorjahresniveau. „Es ist noch möglich, ausreichend Gebrauchtwagen zu beschaffen“, sagt der Geschäftsführer.

Besser als geplant

Auch die Wellergruppe ist mit dem Neuwagenverkauf der ersten sechs Monate zufrieden. „In allen drei Markenwelten liegen wir zwischen zehn und zwanzig Prozent über dem Jahr 2010“ sagt Burkhard Weller. „Die Marge ist bei BMW und Audi durch Lieferzeiten und weniger Absatzdruck im Netz sowie besseres Nachlassverhalten um zirka ein Prozent besser als im Vorjahr.“ Bei Toyota hingegen sei die Marge „extrem schlecht“. Bezüglich der Lieferzeiten wünscht sich Weller stabile Märkte in China und Indien. „Der deutsche Markt darf nicht wieder als Ventil benutzt werden. Die Kunden akzeptieren bis zu sechs Monate und werden sich auch an längere Lieferzeiten gewöhnen. In Italien wartet man ja auch sechs Monate, bei vorheriger voller Bezahlung!“

Frank Motejat ist mit dem Neuwagenverkauf im ersten Halbjahr sehr zufrieden. „Bei allen Marken läuft es besser als ursprünglich befürchtet. Auch bei den Gebrauchten läuft es relativ gut“, so der Geschäftsführer der Mothor-Autohausgruppe. Lieferzeiten sind zwar derzeit auch in Brandenburg das größte Problem, Motejat verkauft aber „lieber Lieferzeiten als Nachlässe.“ Jedoch führen Lieferzeiten von bis zu einem dreiviertel Jahr zu sehr viel Frust in den Autohäusern. Reduziert haben sich durch die Wartezeiten vor allem bei Volkswagen-Modellen die Rabatte.

Für Knut Brinkmann hat die Halbjahresziele bei den Neuwagen leider nicht erreicht. „Nach einem erfolgreichen ersten Quartal hat das zweite Quartal unsere Erwartungen nicht erfüllt“, so der Geschäftsführer vom Autohaus BrinkmannBleimann. Zur Ertragssituation sagt er: „Die Erträge sind recht stabil, allerdings nach wie vor auf niedrigem Niveau. Betriebswirtschaftlich katastrophal stellt sich das Vorführwagengeschäft dar.“

Bei den Gebrauchtwagenumsätzen ist das Unternehmen trotz Bestandverkleinerung auf Vorjahresniveau. „Die Erträge sind je nach Geschäftsart unterschiedlich, jedoch durchschnittlich besser als im Vorjahr“, sagt Brinkmann. „ Um halbwegs genug Ware zu haben, kaufen wir ständig aktiv zu.“ Im Transporterbereich erobert das Autohaus „dank toller Modelle und Preiswert-Politik Marktanteile in einem wachsenden Markt.“

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