Händlerumfrage: Lange Lieferzeiten schmerzen

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Wolfgang Michel

Der deutsche Automobilhandel hätte im ersten Halbjahr 2011 deutlich mehr Neu- und Gebrauchtwagen verkaufen können. Das ergab eine von »kfz-betrieb« aktuell durchgeführte Befragung von markengebundenen Handels- und Servicebetrieben.

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Michael Ostermeier sieht wie viele seiner Kollegen bei den Lieferzeiten eine Schmerzgrenze erreicht.
Michael Ostermeier sieht wie viele seiner Kollegen bei den Lieferzeiten eine Schmerzgrenze erreicht.
( Archiv: Vogel Business Media )

Lange Lieferzeiten bzw. ein knappes Angebot verhinderten jedoch viele Abschlüsse quer durch die Republik. Stabilisierend auf Verkaufspreise und Marge wirkte sich das ganze zudem nicht aus. Michael Ostermaiervom gleichnamigen Autohaus in Vilsbiburg freut sich zwar über einen Auftragseingang von 145 Prozent, „die Verkäufe geschehen zum Teil aber mit sehr hohen Nachlässen von 11 bis 13 Prozent“. Auch bezüglich der Lieferzeiten sei das Autohaus mittlerweile an der Schmerzgrenze angekommen. „Eine vernünftige Preisfindung für Gebrauchtwagen ist nicht mehr möglich“, sagt der Geschäftsführer.

Als mühsam und aufwändig bezeichnet Ostermaier zudem den Einkauf von VW und Skoda-Geschäftsfahrzeugen direkt vom Hersteller. Sehr zufrieden wiederum ist er mit dem Servicegeschäft. Erfreulich für das kommende Halbjahr: Das Unternehmen verspürt keine rückläufige Tendenz. Jedoch schmälern steigende Personalkosten wahrscheinlich das Ergebnis. Apropos Personal: Auch in Vilsbiburg ist zusätzliches Servicepersonal nur schwer zu bekommen.

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Nicholas Dunning von der Gottfried-Schultz-Gruppe erfreut sich speziell an der guten Neuwagennachfrage durch Großkunden. „Die Nachfrage der Einzelkunden war in den ersten Monaten des Jahres gut, verläuft derzeit aber wieder eher schleppend“, so der Geschäftsführer. Wie seine Markenkollegen kämpft auch er mit den langen Lieferzeiten. Diese erschwerten nicht nur das Geschäft erheblich, sondern würden auch den Kunden zunehmend negativ auffallen. Der Geschäftsverlauf des zweiten Halbjahres werde somit stark abhängig sein von der Lieferfähigkeit der Automobilhersteller. Und: „Trotz der Liefersituation sind die Neuwagenrabatte konstant hoch“, so Dunning.

Gleich geblieben sind die Erträge bei den Gebrauchtwagen. Sie liegen auf dem Niveau des vierten Quartals 2010. Gebrauchte seien zudem ausreichend vorhanden. Letzteres gelte auch für Serviceaufträge. „Mit dem Werkstattgeschäft sind wir sehr zufrieden“, bilanziert Dunning die vergangenen sechs Monate.

Transporter brummen

Helmut Peter bricht im Gegensatz zu manchem Hersteller nach dem ersten Halbjahr nicht in Euphorie aus, freut sich aber über leicht verbesserten Absatz und Ertrag im Neuwagengeschäft. Die Lieferzeiten bei Mercedes-Benz, Opel und Peugeot bezeichnet der Geschäftsführer des Autohauses Peter „als normal“. Bei Skoda gebe es hingegen noch längere Lieferzeiten. „Wir setzen alles daran, den Kunden für eine Übergangzeit mobil zu halten“, so Peter. Die Rabattsituation ist auch in Ostdeutschland im Vergleich zu den Vorjahren identisch geblieben.

Das Gebrauchtwagengeschäft hat sich hingegen deutlich besser entwickelt. Die Nachfrage nach jungen Fahrzeugen sei sowohl bei Opel als auch Mercedes-Benz höher als nach Neuwagen. Bezüglich des Gebrauchtwagenbestands im Unternehmen sagt der Firmenchef: „Man muss ständig am Markt agieren, um Ware im entsprechenden Preis-Leistungs-Qualitäts-Verhältnis zu erhalten.“ Als sensationell bezeichnet er den Verkauf von Transportern und kleinen Nutzfahrzeugen bei Mercedes und Peugeot: „Hier gab es Steigerungen um mehr als 20 Prozent.“

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Mehrmarkenkollege Michael Eidenmüller von Auto Scholz in Bamberg bläst in Sachen Transporter ins selbe Horn: „Das erste Halbjahr war sehr erfolgreich, leider sind die Erträge leicht eingebrochen. Aber die Erholung auf dem deutschen Nutzfahrzeugmarkt setzt sich fort.“ Über die schwere Klasse sagt der Autohausinhaber: „Hier kämpfen wir weiterhin mit hohen Rabatten und Marktanteilsverlusten.“ Weiter aufwärts geht es auch im Pkw-Geschäft: „Absatz und Ertrag liegen leicht über Vorjahresniveau.“ Bedauerlicherweise haben sich jedoch die Neuwagenrabatte auch bei Auto Scholz nicht reduziert. Als zu gering bezeichnet Eidenmüller trotz leichter Absatzsteigerung die Erträge aus dem Gebrauchtwagenverkauf. Als Gründe nennt er den weiterhin starken Konkurrenzdruck sowie die knappe Ware.

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