Unter den Opfern der Unwetterkatastrophe in den Kreisen Ahrweiler, Euskirchen, Rhein-Sieg und Rhein-Erft sind viele Kfz-Betriebe. Ihre Kreishandwerkerschaften haben einen Spendenaufruf gestartet und vermitteln Hilfsangebote und -anfragen. Der ZDK informiert zu Rechtsfragen.
Trümmerfeld und Schrottplatz: Überall in den Katastophengebieten wurden Autos durch die Flut zusammengeschoben. Auf Parkplätzen ebenso wie in Autohäusern und Werkstätten.
(Bild: Doris Pfaff/»kfz-betrieb«)
Die Betroffenheit über die Unwetterkatastrophe ist groß, und der Schock bei den Betroffenen sitzt tief. Allein im Kreis Ahrweiler gibt es laut Stefan Odenthal, stellvertretender Obermeister der Kfz-Innung Ahrweiler, mehrere Kfz-Werkstätten, die meterhoch überflutet waren.
Odenthal persönlich blieb verschont. Daher hat er einige Aufgaben übernommen, um Obermeister Dirk Waldecker zu entlasten. Der Obermeister hat alle Hände voll zu tun und kann sein Autohaus in Bad Neuenahr nur im Notbetrieb offen halten. Auch, weil Mitarbeiter fehlen. Einige von ihnen hätten ihr gesamtes Hab und Gut verloren, berichtet Waldecker.
Deshalb versucht Odenthal mit der Geschäftsstelle wichtige Fragen zu klären, insbesondere woher nun Hilfe kommen kann. Die Geschäftsstelle der Kfz-Innung in Ahrweiler wurde von der Flutwelle zwar knapp verschont, ist aber dennoch nur eingeschränkt erreichbar. Auch hier fehlen die Mitarbeiter, weil sie nahezu alle aus der Region kommen und selbst Opfer der Flutkatastrophe sind.
Onlineumfrage soll Ausmaß erfragen
Ulf Hoffmann, Geschäftsführer der Kfz-Innung und der Kreishandwerkerschaft Ahrweiler, versucht sich derzeit Übersicht zu verschaffen. „Viele unserer Handwerkskolleginnen und -kollegen sind betroffen, haben zum Teil alles verloren und stehen vor dem Nichts. Das Ausmaß des Unglücks ist noch gar nicht zu überschauen“, sagt er. Aktuell bereitet die Kreishandwerkerschaft eine Onlineumfrage vor. Dort kann man auch solche Betriebe melden, die es selbst nicht können.
In Heimerzheim (Rhein-Sieg-Kreis) trat die Swist über die Ufer und überschwemmte mehrere Straßenzüge.
(Bild: Doris Pfaff/»kfz-betrieb«)
Die Lage im Katastrophengebiet, insbesondere an der Ahr, ist weiterhin unübersichtlich. Viele haben kein Telefon oder keine Internetverbindung. Einige Ortschaften sind nicht erreichbar oder existieren schlichtweg nur noch teilweise. Zu klären gilt, wie und wo die von den Fluten betroffenen Unternehmen auf Hilfe hoffen können. Viele leiden zudem noch unter den Folgen der Coronakrise.
Der Bund hat Soforthilfen in Aussicht gestellt und Wirtschaftsminister Altmaier hat eine Flutpauschale von 10.000 Euro pro betroffenem Betrieb versprochen. Wie die Gelder verteilt werden, ist jedoch bislang offen – noch im Juli sollen die Auszahlungen aber beginnen, hieß es aus Berlin.
Versicherungen werden nicht überall greifen
Mit einer umfassenden Entschädigung durch die Versicherung können nur jene Menschen und Betriebe rechnen, die einen Elementarschutz abgeschlossen haben. Nach Schätzungen von Experten trifft das wohl eher auf die Minderheit zu. Hoffmann befürchtet, dass im Ahrtal höchstens ein Drittel der Betroffenen eine solche Absicherung hat. „Im gewerblichen Bereich schätze ich den Anteil auf höchstens 50 Prozent“, sagt er.
Um den Unternehmen schnell helfen zu können, haben die Kreishandwerkerschaften Ahrweiler, Mittelrhein und Rhein-Lahn die Hilfsaktion „Handwerk hilft Handwerk“ ins Leben gerufen. Dort sind Geldspenden willkommen, aber auch materielle Hilfe und Manpower, die über eine Onlineplattform koordiniert wird.
Darüber kann jeder Betrieb Hilfe anbieten oder aber angeben, was er brauchen kann. Die Anfragen reichen von dringend benötigten Schaufeln bis hin zu schweren Geräten, damit Trümmer beiseite geräumt werden können. Vermittelte Anfragen würden anschließend gelöscht, sagt Hoffmann.
Kurzarbeitergeld und Sonderurlaub
Neben den Fragen zu den Soforthilfen stehen arbeitsrechtliche Aspekte im Raum. Sind Unternehmen nicht betriebsfähig, bietet die Arbeitsagentur für Arbeit an, Kurzarbeitergeld zu beantragen. Bei Fragen erreichen Betriebe die Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr telefonisch unter 0800/45555 20. Informationen dazu bietet auch der ZDK für Mitglieder im Intranet.
Von der Flutkatastrophe persönlich betroffene Mitarbeiter haben zudem einen Anspruch auf begrenzten Sonderurlaub, sofern der Arbeitsvertrag das nicht explizit ausschließt. Wie lange der dauert, hängt von der jeweiligen Situation ab. Der ZDK hat einen Antwortenkatalog zu den wichtigsten arbeitsrechtlichen Fragen erarbeitet. Er ist im Intranet für Mitglieder abrufbar.
Autos türmen sich meterhoch
Brauner Schlamm überzieht den Innenraum eines gefluteten Fahrzeugs.
(Bild: Doris Pfaff/»kfz-betrieb«)
Manche Betriebe sind an sich glimpflich davongekommen, verzeichnen aber dennoch Schäden an Kundenfahrzeugen, die zum Zeitpunkt der Katastrophe auf dem Autohausgelände standen. Nun erreichen die Betriebe auch die ersten Anfragen von Kunden. Tausende Fahrzeuge wurden beschädigt. Teilweise stapeln sie sich meterhoch in noch nicht geräumten Straßen. Viele Autos wurden abgetrieben und sind im Schlamm versunken. In diesen Fällen wird noch zu klären sein, wer für die Schäden aufkommt.
Stand: 08.12.2025
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Andere Fahrzeuge stehen optisch fast unversehrt in Garagen und Parkplätzen. Dennoch sind auch sie reif für die Schrottpresse, weil sie komplett geflutet waren. Versicherungen müssen nun klären, wie sie die Abwicklung der Schadenfälle regeln wollen. Eine Sammelbegutachtung wird schwierig. Schließlich blieb vielen Helfern, die mit schweren Räumfahrzeugen die Rettungswege freimachten, in ihrer Not nichts anderes übrig, als alle Hindernisse schnell zu riesigen Trümmerbergen zusammenzuschieben. Hier wird noch viel unbürokratische Hilfe erforderlich sein.
Berufsbildungszentrum ist stark beschädigt
Auf unbürokratische Hilfe wird auch die Kreishandwerkerschaft Ahrweiler angewiesen sein, wenn nach den Ferien der Unterricht für die Auszubildenden starten soll. Im großen Berufsbildungszentrum in Bad Neuenahr-Ahrweiler wird das nicht möglich sein. Der direkt an der Ahr stehende Gebäudekomplex ist zu großen Teilen zerstört. „Dort finden normalerweise auch unsere Gesellenprüfungen statt“, sagt Hoffmann. Für die Kfz-Innung ist besonders bitter, dass dort auch ein gerade erst gespendetes E-Auto ein Opfer der Fluten wurde.
Um den Handwerkskollegen schnell zu helfen, hat die Kreishandwerkerschaft Koblenz einen Spendenaufruf gestartet. „Wir alle haben die schrecklichen Bilder der Unwetterkatastrophe insbesondere im Kreis Ahrweiler gesehen. Daher rufen wir zu einer Spende auf, um damit unseren betroffenen Handwerksbetrieben schnell und unbürokratisch zu helfen und einen Wiederaufbau zu ermöglichen“, sagt Geschäftsführer Hoffmann.