Herbstakademie 2016: Wichtige Impulse für die Zukunft

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Soziale Belohnungen ließen in ihrer Wirkung zwar langsamer, jedoch ebenfalls stetig nach. „Je häufiger belobigt und ausgezeichnet wird, insbesondere nach demselben Ritual, desto schneller verlieren diese Maßnahmen ihre Wirkung“, sagte der Hirnforscher. Und weiter: „Auszeichnungen verdienter Mitarbeiter sind ein probates, aber problematisches Mittel, weil sie fast automatisch Neid und Missgunst hervorrufen. Hier muss ganz besonderes auf Transparenz und Gerechtigkeit der Kriterien und des Bewertungsprozesses geachtet werden.“

Seiner Meinung nach ist die intrinsische Belohnung die einzige Belohnung, „die nicht in Sättigung geht.“ „Die meisten Menschen streben nach dieser intrinsischen Belohnung, die individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann“, so Roth. Deshalb müsse die Belohnung, die durch eine Veränderung erreicht werde, deutlich höher sein als diejenige, die man durch „Weitermachen wie bisher“ erhalte.

Neben den unterschiedlichen Arten der Belohnung ging Roth auch auf die Veränderungsbereitschaft der Menschen ein. Diese würde höchst unterschiedlich eingeschätzt. Viele Vertreter der Wirtschaft und der Politik gingen von einer lebenslangen Veränderbarkeit der Menschen aus. Psychologen und Neurowissenschaftler bewerteten diese Veränderungsbereitschaft hingegen deutlich skeptischer. Sie gehen davon aus, dass die Grundzüge unserer Persönlichkeit sich früh ausbilden, und der Rahmen, innerhalb dessen Veränderungen möglich sind, vorgegeben ist. „Dieser Rahmen wird mit zunehmendem Alter enger. Mit 45 Jahren lässt die Lern- und Veränderungsbereitschaft massiv nach“, sagte Roth.

Wer in seinem Unternehmen etwas verändern wolle, müsse Folgendes beachten: Die meisten Menschen seien in ihrer positiven oder negativen Lebenshaltung sehr stabil. Nur eine Minderheit (ein Viertel) zeige starke Schwankungen. Laut Roth gibt es diese unterschiedlichen Mitarbeitertypen:

• Ausgeglichener Typ

• Ständiger Optimist

• Ständiger Pessimist

• Neutraler Typ mit stärkeren Ausschlägen nach oben und unten (lebhaft, emotional)

• Neutraler Typ mit schwankenden Ausschlägen nach oben und unten (gefühlsarm)

• „Jumper“ mit aufgrund positiver bzw. negativer Lebensumstände schwankenden Ausschlägen nach oben und nach unten.

„Wir sollten zielgerichtet lernen“

Zusammengefasst sei das das Gegenteil von dem, was Wirtschaft und Politik von uns wollten. „Die Realität sieht aber so aus“, stellt Roth klar. In Bezug auf das lebenslange Lernen sagt er: „Wir wissen alle aus unserer Schulzeit, dass sinnloses Zeug zu lernen sehr schwer fällt. Deshalb sollten wir zielgerichtet lernen“.

Mit Blick auf die Auswahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das eigene Unternehmen sagte Roth zu den Nachwuchsführungskräften des Kfz-Gewerbes abschließend: „Stressverarbeitung und der Umgang mit Belastungen, Selbstvertrauen, Zielsetzung, Impulshemmung, Selbstkontrolle, Einfindungsvermögen, Respekt, Realitätssinn und Risikowahrnehmung – diese Komponenten bestimmen unsere Persönlichkeit, das Verhältnis zu uns selbst und zu anderen.“ Darauf gelte es bei der Personalfindung zu achten.

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