Herbstakademie 2016: Wichtige Impulse für die Zukunft

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Den zweiten Tag der Herbstakademie eröffnete Axel Koblitz. Der ZDK-Hauptgeschäftsführer begrüßte die Gäste mit den Worten: „Die Bude war ja in den letzten Jahren schon immer ziemlich voll. Aber in diesem Jahr haben wir mit über 280 Anmeldungen einen absoluten Rekord.“ Koblitz bedankte sich bei den Sponsoren für deren Treue und beim Organisationsteam des Landesverbands Schleswig-Holstein für das Engagement und übergab dann das Wort an Jürgen Karpinski.

Vor zwei Jahren noch verhindert, ließ es sich der ZDK-Präsident trotz übervollem Terminkalender in diesem Jahr nicht nehmen, persönlich nach Sylt zu kommen. Von der Diesel-Diskussion über den Abgasskandal bis hin zur Digitalisierung und Vernetzung – in seinem Grußwort ließ Karpinski kein aktuelles Thema unausgesprochen. Ganz besonders ging er auf die Herausforderungen der Branche in Sachen Nachwuchs ein.

„Im Vergleich zu anderen Branchen stehen wir noch ziemlich gut da. Die Faszination Auto strahlt nach wie vor positiv auf die jungen Menschen ab. Das darf uns aber nicht dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen. Ganz im Gegenteil: Es ist eine permanente Herausforderung, sich im Kampf um den geeigneten Nachwuchs als gefragte Branche bei den jungen Menschen zu positionieren“, sagte der ZDK-Präsident. Wichtige Bausteine dafür seien die markenneutrale Initiative „AutoBerufe“ sowie die BFC in Northeim. „Die BFC ist gut aufgestellt, voll ausgelastet und bringt den Führungsnachwuchs hervor, den wir dringend benötigen“, stellte er weiter fest.

Mit Blick auf die jungen Nachwuchsführungskräfte sagte Karpinski aber auch, dass die Kfz-Branche den guten, motivierten Nachwuchs nicht nur in unseren Betrieben, sondern auch in der Verbandsarbeit brauche. „Ich kann aus eigenem Erleben sagen: Im Verband, in den Innungen können Sie für die gesamte Branche vieles bewegen und gestalten. Machen Sie mit, bringen Sie sich ein. Es lohnt sich.“

„Können mit 2016 bisher zufrieden sein“

Karpinski zog auf Sylt auch eine erste Bilanz des laufenden Autojahrs: „Mit 2016 können wir bisher zufrieden sein.“ Zum Ende seiner Rede zitierte der ZDK-Präsident Albert Einstein: „Wenn's alte Jahr erfolgreich war, dann freue Dich aufs neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht.“

Mit ihrem Vortrag „Voice sells – die Macht der Stimme“ gab Ingrid Amon den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wichtige Tipps im Umgang mit Stimme und Sprache. „Stimme bestimmt. Stimme bestimmt die Stimmung. Menschen mit Stimme finden Anklang. Menschen mit gepflegter Sprache hinterlassen hörbar stärkeren Eindruck“, sagte die Expertin für Stimm- und Sprechtechnik.

Amon zeigte in praktischen Übungen auf, wie Mann und Frau mit der richtigen Stimme besser verkaufen und wie man Stimme und Sprache trainieren kann. „Die Stimme gilt in unserer kommunikativen Zeit als Schlüsselreiz. Sie öffnet oder schließt das Ohr der Zuhörer in wenigen Sekunden. Gutes Auftreten hat vor allem mit Wohlklang zu tun. Vermutlich teilen Sie die Erfahrung: eine leise Piepsstimme lässt ein Chanel-Kostüm blass aussehen, ein monotoner Vortrag ein Armani-Sakko schwach wirken, hastiges Tempo und verschluckte Silben sabotieren aktuellste Powerpoint-Folien. Ob Sie als Persönlichkeit glaubwürdig und sicher wirken, beurteilt Ihr Gegenüber zu 38 Prozent nach dem Klang der Stimme und nur zu sieben Prozent nach dem Wortinhalt. Ihre Stimme ist Gradmesser Ihrer Authentizität“, sagte Amon.

Beinahe alle Menschen hätten beim Hören der eigenen Stimme auf einem Tonträger einen Stimmerkennungsschock erfahren. Die wenigsten Menschen würden jedoch aufgrund dessen etwas ändern. Maximal würden sie eine Computerstimme als Ersatz sprechen lassen. „Ich möchte niemanden anrufen, der eine Computerstimme auf dem Anrufbeantworter hat“, sagte Amon. „Nach diesem Kurs möchte ich, dass Sie alle Ihre Sprachboxen mit Ihren Stimmen besprechen.“

Welche Rolle die Stimme in Verbindung mit den Augen spielt, verdeutlichte die Referentin an verschieden Beispielen aus dem beruflichen und privaten Alltag. Im besten Fall bestätigen die Ohren bei ihrer Übereinstimmungsprüfung, was die Augen vorher gesehen haben. Aber es gäbe genügend Fälle, bei denen Menschen sehr aufmerksam zuhören, ohne den Sprecher überhaupt zu sehen. Es gäbe eine Überlegenheit des Hörbaren gegenüber dem Sichtbaren.

Anruf schlägt Mail oder Textnachricht

„Ein Hörspiel braucht kein einziges Bild“, sagte Amon. Deshalb sei es viel besser Kunden persönlich anzurufen, anstatt Mails oder SMS zu versenden. Schließlich sei reine textliche Information nicht gleich Kommunikation. „Wer hat sich von einem Navi schon einmal persönlich angesprochen gefühlt?“, fragte Amon die Zuhörer. Moderne Voice-Computer sollten wir nur akzeptieren, wenn es keine Alternative gäbe. „Wenn Sie das aber in Ihrem Unternehmen machen, verlieren Sie Ihre Kunden“, ist Amon überzeugt.

Und weil zum Sprechen immer auch Emotionen gehören, sollten wir im Verkauf deutlich emotionaler agieren. Nur dann würde man die Menschen besser erreichen. In Sachen digitaler Präsenz von Autohäusern gab Amon den Nachwuchsführungskräften folgenden Tipp mit auf den Weg: „Verwenden Sie Soundfiles auf der Webseite. Vergessen Sie niemals den persönlichen Ton.“ Denn wenn ein Mensch zu einem anderen spreche, dann beeinflusse der Mensch, der redet, immer den Menschen, der zuhört. „Wenn Sie mit Ihrer Stimme Erfolg haben wollen, berühren Sie die Menschen. Streicheln Sie Ihre Zuhörer, aber kratzen Sie sie nicht“, sagte Amon. „Die Zuhörer sollten gespannt auf das sein, was Sie sagen. Denn dann haben die meisten Menschen ein angenehmes Gespanntheitsgefühl.“

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