Herbstakademie 2016: Wichtige Impulse für die Zukunft

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Mit Dr. Marco Freiherr von Münchhausen verpflichtete die Herbstakademie den Speaker des Jahres 2015. In seinem Vortrag ging der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler darauf ein, welchen Einfluss motivierte und zufriedene Mitarbeiter auf den Unternehmenserfolg haben. Bedauerlicherweise sehe der Berufsalltag jedoch oft so aus: Gelangweilt, unmotiviert, schlecht bezahlt, über- oder unterfordert, überlastet, nicht anerkannt – so fühlten sich nach aktuellen Umfragen viele Berufstätige. Da sei es kaum verwunderlich, dass da mancher Arbeitnehmer resigniere und nur zu gern seinem inneren Schweinehund folge, der auf das „Leben nach der Arbeit“ vertröste.

Münchhausen appellierte an die Gäste in Kaamp-Hüs: „Sie verbringen 75 Prozent ihrer Zeit mit Arbeit. Wenn Sie erfüllt und glücklich leben wollen, dann müssen Sie dieses Ziel auch im Beruf und nicht nur in der Freizeit verwirklichen.“

Herbstakademie 2016: Wichtige Impulse für die Zukunft
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Natürlich weiß auch Münchhausen, dass es keinen Job gibt, der immer nur Spaß macht. Unabhängig davon seien es aber immer wieder die unsichtbaren Grenzen im Leben, die uns wieder und wieder sagen, das soll ich nicht, das schaffe ich nicht. Diese Grenzen hielten uns davon ab, neue Ziele zu erreichen. Es gehe also darum, kleine behutsame Grenzerweiterungen vorzunehmen. Das Problem: Diese Grenzen sind scharf bewacht. Wann immer wir versuchten aus der Komfortzone rauszukommen, tauche er auf, der innere Schweinehund.

„Der Schweinehund taucht immer dort auf, wo es ins riskante und unbekannte Revier geht“, sagte von Münchhausen. Manchmal habe der Schweinehund aber auch recht. Dann wolle er uns von gefährlichen Entscheidungen abhalten. Je intelligenter der Mensch, desto raffinierter seien die Ausreden seines Schweinehunds. „Der innere Schweinehund futtert am liebsten menschliche Vorsätze“, sagte von Münchhausen.

Mehr Geld hält Motivation nicht dauerhaft hoch

Doch wie kann man ihn zähmen? Die „finanzielle Karotte“ funktioniert auf Dauer nicht. „Auch wenn Sie einer Person 1.000 Euro mehr Gehalt geben, ist es eher unwahrscheinlich, dass diese Person ein Jahr später an einem Montagmorgen genauso motiviert zur Arbeit kommt, wie an dem ersten Montag nach der Gehaltserhöhung. Ab einer bestimmten Gehaltsgrundlage funktioniert Geld nicht mehr“, stellte von Münchhausen fest.

Die entscheidenden Motivationsfaktoren jenseits von Geld seien vielmehr folgende fünf Schlüsselwerte:

1. Herausforderungen bieten

2. Sinn in dem sehen, was wir machen

3. Wir-Gefühl entwickeln

4. Anerkennung/Wertschätzung zeigen

5. Weiterentwicklungsmöglichkeit bieten

In Sachen Fähigkeiten und Herausforderungen liege der ideale Zustand im grünen Bereich der Fähigkeiten, und damit in der Zone einer entspannten Höchstleistung. Nichts sei schlimmer als Unter- bzw. Überforderung. Münchhausen sagt dazu: „Fordern Sie sich immer wieder neu, ohne sich dabei zu überfordern. Legen Sie die Latte immer ein wenig höher, aber nie zu hoch.“ Eine Führungskraft müsse immer darauf achten, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im grünen Bereich befänden. Dann würden sich die meisten Angestellten auch positiv weiterentwickeln. Die große Kunst der Führungskraft sei es, die Herausforderungen und Fähigkeiten zu erkennen. Ebenso wichtig sei es, einen Teamgeist im Unternehmen zu entwickeln. Denn gemeinsam könne man den Schweinehund viel besser zähmen.

Ebenso wichtig sei Anerkennung. Diese könne von oben (Chef, Vorgesetzter) aber auch von außen (Kunde, Kollege) kommen. Es gäbe aber auch Jobs, da müsse man sich die Anerkennung selbst zusprechen. „Anerkennung ist wichtiger als Geld“, sagt von Münchhausen. Auf die Frage, warum wir leichter kritisieren als wertschätzen, antwortete er: „Wir finden immer den einen Fehler, aber nie die neun Richtigen. Wir finden immer das Problem des Tages, aber selten etwas Positives. Das Erste, was wir checken, ist das, was nicht stimmt. Nur wenn wir verliebt sind, sehen wir nicht, was nicht stimmt.“

Gelegentliches Abschirmen hilft

Zum Abschluss hatte von Münchhausen noch eine paar Tipps parat, die den beruflichen Alltag erträglicher gestalten: „Schirmen Sie sich für gewisse Zeiten ab. Sorgen Sie dafür, dass Sie für eine Stunde Ihr Handy aus haben und niemand ins Büro kommen kann. No phone, no mail, no entry. In bestimmten Zeitinseln wollen Sie nicht mehr gestört werden.“

Diesbezüglich brachte er noch einmal den inneren Schweinehund, den Hüter unseres Wohlsein-Gefühls, ins Spiel:

1. Schweinehund-Angelegenheiten haben Vorfahrt

2. Machen Sie sich den Anfang so leicht wie möglich

3. Vermeiden Sie die gemeinste Falle des inneren Schweinehunds, die sogenannte Ausnahmefalle nach dem Motto: Einmal ist keinmal.

Der Schweinehund-Dreisatz laute: Ausfallen lassen, schleifen lassen, sein lassen. „Lassen Sie in der Anfangsphase keine Ausnahme zu, dann haben Sie gewonnen. Dann können Sie sogar Ihr Verhalten ändern“, sagte von Münchhausen.

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