Herbstakademie 2018: Gefragter Impulsgeber für Führungskräfte

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Mit Christian Gansch kam am Samstagnachmittag ein dirigierender Referent zu Wort. Der Österreicher begründete mit seinem Buch „Vom Solo zur Sinfonie – Was Unternehmen von Orchestern lernen können“ den Orchester-Unternehmen-Transfer im deutschsprachigen Raum. Gansch hat eine ungewöhnliche Biografie: Einerseits war er als Dirigent internationaler Top-Orchester erfolgreich, andererseits arbeitete er 14 Jahre lang in der Musikindustrie, wo er Künstler wie Claudio Abbado, Lang Lang und Anna Netrebko sowie Orchester wie die Berliner und Wiener Philharmoniker produzierte. Neben vielen internationalen Auszeichnungen gewann er vier Grammy Awards.

Christian Gansch sprach darüber oder besser dirigierte, was Unternehmen von Orchestern lernen können.
Christian Gansch sprach darüber oder besser dirigierte, was Unternehmen von Orchestern lernen können.
(Bild: Zietz / »kfz-betrieb«)

Autoberufe und Orchestermusiker verbinden laut Christian Gansch Handwerk, Präzision und Disziplin. Der Dirigent und Musiker sieht aber noch viele weitere Parallelen: Wie in der Autobranche brauche man auch im Orchester Führungskräfte, die Vorbilder seien. „Der Dirigent ist nicht der große Zampano. Sein Job ist es, das Wechselspiel der unterschiedlichen Musiker zusammenzuführen“, sagte Gansch. Ein Profiorchester werde vom Publikum zwar als Einheit gesehen. In Wirklichkeit bestehe so ein Orchester aber aus lauter Exzentrikern, die beim Aufritt perfekt harmonieren müssten. Da jedes Konzert aufgenommen werde, bedeute das Musizieren extrem viel Arbeit, Stress und enormen Druck für alle. Damit es überhaupt funktioniere, müsse man vom Ich-Gefühl zum Wir-Gefühl kommen, aufeinander hören und miteinander handeln. Ebenso wichtig sei es, sich abteilungsübergreifend abzustimmen und gemeinsame Werte zu leben. „Da müssen schon einmal 60 Streicher ihre Strategie ändern, damit eine Flöte besser zu hören ist“, so Gansch. Und wenn ein Orchester einmal schlechter klinge, schiebe keiner die Schuld auf den anderen. Alle suchten den Fehler bei sich. „Wir brauchen keine Führungskräfte, die andere um etwas bitten, was sie selbst nicht erfüllen.“

Herbstakademie 2018: Trommeln für den Erfolg
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Von den Triangeln bis zu den Bläsern: In einem Orchester gebe es kleine und große Rollen, aber niemals unwichtige. Die schönste Sache an einem Orchester sei die Loyalität unter den Musikern vor dem Publikum. Vor dem Publikum dürfen wir keinesfalls unsere ansonsten zwischenmenschlichen Spielchen spielen. „Wenn es die Trompete versaut, sagt das Publikum nicht, dass die Trompete es versaut hat, sondern, dass das Orchester schlecht gespielt hat“, bringt es Gansch auf den Punkt. Auch interessiere sich das Publikum von heute Abend nicht dafür, wie gut das Orchester gestern gespielt habe. Der Job sei es vielmehr, jeden Tag von null auf hundert zu kommen. „Wer den täglichen Kundenkontakt nicht liebt, sollte besser etwas anderes machen.“ Und in Sachen Führung sagte er: „Man kann nicht immer jedem entgegenkommen. Der Preis ist der Verlust von Qualität und Ziel. Es gibt nie ein perfektes Konzert. Aber die wenigen kleinen Fehler dürfen vom Publikum nicht bemerkt werden. Deshalb müssen wir permanent an der Perfektion feilen.“

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Über den Autor

 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«