Herbstakademie 2018: Gefragter Impulsgeber für Führungskräfte

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Die Moderation des zweiten Tages der Herbstakademie auf Sylt übernahm ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.
Die Moderation des zweiten Tages der Herbstakademie auf Sylt übernahm ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.
(Bild: Zietz / »kfz-betrieb«)

Den zweiten Tag der Herbstakademie eröffnete Dr. Axel Koblitz. Der ZDK-Hauptgeschäftsführer begrüßte die Gäste mit den Worten: „Junge Führungskräfte zu gewinnen, ist für uns existenziell. Wenn wir nicht vergreisen wollen, dann brauchen wir Sie.“ Koblitz bedankte sich bei den Sponsoren für deren Treue und beim Organisationsteam des Landesverbands Schleswig-Holstein für das Engagement rund um die Herbstakademie 2018. In seiner bekannt launigen Art sprach er anschließend über die Rolle sowie die Arbeit des ZDK als Interessenvertreter für das gesamte Kfz-Gewerbe auf politischer Ebene. „Sollte die Politik den Weg doch noch für eine Dieselnachrüstregelung frei machen, dann hätten tatsächlich wir die Euro-5-Fahrzeuge wieder verkäuflich gemacht“, so Koblitz. Ferner verwies er auf die seit Jahresanfang wieder eingeführte generelle Abgasuntersuchung am Auspuffendrohr. Dies sei nur durch die hartnäckige Verbandsarbeit ermöglicht worden. In Richtung der Gäste sagte der ZDK-Hauptgeschäftsführer: „Nehmen Sie diese hoheitlichen Aufgaben in Ihren Betrieben auch künftig wahr und geben Sie die Abgasuntersuchung nicht leichtfertig in die Hände der Sachverständigenorganisationen ab.“ Und in Sachen Abmahnmissstände im Kfz-Gewerbe merkte er an: „Es sieht derzeit gut aus, dass eine gesetzliche Regelung kommt, die Abmahnungen erschwert.“

Herbstakademie 2018: Trommeln für den Erfolg
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Ohne Respekt versinkt die Welt im Chaos

Ansehen gewinnen bei Freund und Feind. So lautete die Headline des Vortrags von René Borbonus. Die über 200 Gäste der Herbstakademie Sylt 2018 erlebten am zweiten Veranstaltungstag ein eindrucksvolles Plädoyer für eine vergessene Tugend: Respekt.

Der erste Vortrag am zweiten Tag gehörte René Borbonus. Sein Vortragstitel stand unter der Headline: „Respekt – Ansehen gewinnen bei Freund und Feind.“
Der erste Vortrag am zweiten Tag gehörte René Borbonus. Sein Vortragstitel stand unter der Headline: „Respekt – Ansehen gewinnen bei Freund und Feind.“
(Bild: Zietz / »kfz-betrieb«)

Borbonus gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in seinem 90-minütigen Vortrag zahlreiche Kommunikationstipps für den beruflichen Alltag und für das Privatleben.

„Du sollst nicht langweilen“ –dieses Gebot von Billy Wilder hat sich René Borbonus zu seinem Leitmotiv gemacht. Der Vortrag des Geisteswissenschaftlers war alles andere als langweilig. Seiner Meinung nach ist Respekt der Sauerstoff unter den sozialen Elementen. Respekt sei für das soziale Überleben unverzichtbar, aber heute leider nicht mehr selbstverständlich präsent. Respekt setze unglaublich viel Energie frei, mache Unternehmen erfolgreicher und halte Menschen nachweislich gesünder. Auf der anderen Seite mangele es oftmals an Respekt. Aber wie bekommt man mehr Respekt? Die auf den ersten Blick einfache Antwort laute: Wer andere Menschen mit Respekt behandelt, der bekommt Respekt zurück. Aber was ist Respekt überhaupt? Respekt bedeute, den anderen wirklich zu sehen. Als positives Beispiel nannte Borbonus die Deutsche Post: „Seit es bei der Post ein Programm gibt, dass beinhaltet, die Mitarbeiter respektvoll zu behandeln, sind die Menschen dort gesünder und der Konzern ist erfolgreicher.“

In vielen anderen Unternehmen würde Respekt zwar angeblich großgeschrieben. Es bliebe jedoch die Frage, warum ihn dann so viele vermissten. Als Grund nannte Borbonus das respektlose Klima in der gesamten Gesellschaft. Heute gebe es zum Beispiel Fernsehsendungen, deren Konzeption auf Respektlosigkeit basiere. Neben der Streitsucht in der Presse sorgten zudem die neuen Kommunikationswege für immer weniger Respekt. Während man früher einen Beschwerdebrief schreiben musste, verschickten die Menschen heute in überhöhter Geschwindigkeit ihren Frust digital überschnell an den Empfänger. Dafür zahlten wir am Ende alle den Preis. Früher hätten sich wildfremde Menschen im Zug unterhalten, heute schwiegen sie sich an. Die Menschen sagten noch nicht mal mehr „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“.

Mit Blick auf den beruflichen Alltag seien wir ebenfalls sehr oft respektlos – meistens jedoch aus Versehen. Borbonus nannte folgende Gründe für dieses Verhalten: Zum einen sehen wir das Problem des anderen nicht. Zum anderen gebe es den Kampf zwischen zwei Bedürfnissen. Als soziale Wesen bräuchten wir Verbundenheit und Unabhängigkeit. Sobald wir aber Verbundenheit herstellten, verlören wir Unabhängigkeit. Außerdem stellten wir zu oft die Konsistenz anderer infrage. Das bedeute, dass man die Persönlichkeit und die Würde des Menschen angreife. Beispielhaft nannte Borbonus folgenden Satz von Vorgesetzten: „Da haben Sie mich falsch verstanden.“ Der souveräne Chef hingegen sage: „Da habe ich mich falsch ausgedrückt, ich versuche es noch einmal.“ Borbonus hatte noch ein Beispiel parat. Dieses stammt im Original von Loriot: „Du bist zu spät. Du hast gesagt um elf. Ich hab gesagt um zehn. Ach so – und ich habe elf verstanden. Und ich dachte, ich hätte zehn gesagt.“

Zu einem respektvollen Umgang gehöre aber noch folgende Herausforderung: Weil sich die meisten Menschen nicht trauten „Nein“ zu sagen, gingen Diskussionen los. Aber warum respektierten wir nicht, wenn jemand „Nein“ sage? Weil die meisten Menschen der Meinung seien, man müsse ein Nein immer auch begründen. „Wenn wir ein Nein begründen müssen, geht es schon lange nicht mehr um das Nein, sondern vor allem um den Grund“, so Borbonus. Er forderte die Teilnehmer der Herbstakademie auf, künftig häufiger, aber immer freundlich, „Nein“ zu sagen.

Im Kontext zur Respektlosigkeit stünden immer auch unsere Emotionen. So kämen wir mit dem Gefühl nicht klar, dass man unsere Meinung nicht respektiere. Aber wenn wir emotional darauf reagierten, reagierten wir auf Respektlosigkeit mit Respektlosigkeit. Es sei niemals die Situation, die uns aufrege. Es sei immer das, was wir uns in dieser Situation vorstellten. Und Kränkungen bedeuteten immer, dass man eine Beachtung erwarte, sie aber nicht bekomme. Borbonus warnte diesbezüglich davor, dass Wut zwar ein grundgutes Gefühl sei, aber nur wenn die Wut auf einer realistischen Annahme beruhe. Wenn das nicht der Fall sei, wäre die Wut brandgefährlich.

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Über den Autor

 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«