„Kfz-Gewerbe muss sich als gefragte Branche positionieren“

Den Nachwuchs für ein modernes Kfz-Gewerbe begeistern

| Autor: Wolfgang Michel

Dr. Axel Koblitz, ZDK-Hauptgeschäftsführer: „Die jungen Menschen sind es heute gewohnt, mit einer Flut von digitalen Informationen umzugehen. Dieses Know-how gilt es, für den eigenen Betrieb nutzbar zu machen.“
Dr. Axel Koblitz, ZDK-Hauptgeschäftsführer: „Die jungen Menschen sind es heute gewohnt, mit einer Flut von digitalen Informationen umzugehen. Dieses Know-how gilt es, für den eigenen Betrieb nutzbar zu machen.“ (Bild: ZDK)

Redaktion: Welchen Stellenwert hat die Herbstakademie der Junioren auf Sylt für Sie persönlich?

Axel Koblitz: Alle zwei Jahre ist der Termin in meinem Kalender geblockt. Darauf freue ich mich jedes Mal wieder, weil es eine lebendige, dynamische Veranstaltung ist. Dem Landesverband Schleswig-Holstein ist es mit Unterstützung des ZDK gelungen, die Herbstakademie zu einer Marke zu machen. Die Bedürfnisse der Nachwuchskräfte unserer Autohäuser und Werkstätten werden mit dem Programm zielgenau erreicht. Die Veranstaltung ist jedes Mal ausgebucht – ein Qualitätsbeweis, der für sich spricht.

Traditionell sind die Studierenden der Bundesfachschule für Betriebswirtschaft im Kraftfahrzeuggewerbe (BFC) auf der Veranstaltung stark vertreten. Läuft derzeit an der BFC alles rund?

Die BFC ist gut aufgestellt, voll ausgelastet und bringt den Führungsnachwuchs hervor, den wir dringend benötigen. Ich bin mir sicher, dass das Führungsteam mit dem Vorsitzenden Helmut Peter und BFC-Leiterin Sylvia Gerl an der Spitze alles dafür tut, dass dies so bleibt.

Seit über 25 Jahren arbeitet der ZDK auch mit der Northwood University zusammen. Welchen jungen Menschen empfehlen Sie diese internationale Weiterbildungsmöglichkeit?

Es ist jedem jungen Menschen zu empfehlen, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Ich habe das auch gemacht und davon oft profitiert. Neue Perspektiven helfen, die Situation im gewohnten beruflichen Umfeld zu hinterfragen und mit anderen Sichtweisen an Problemlösungen zu arbeiten. Wer es also in seinen Karriereplan mit aufnehmen kann, sollte diesen Schritt gehen.

Herbstakademie 2018: Trommeln für den Erfolg

Die Anforderungen in allen Berufsfeldern des Kfz-Gewerbes steigen stetig. Bekommen Autohäuser und Werkstätten derzeit noch genügend Azubis mit ausreichender Grundqualifizierung?

Im Vergleich zu anderen Branchen stehen wir noch ziemlich gut da. Die Autoberufe Kfz-Mechatroniker/in und Automobilkaufmann/-frau verzeichnen nun bereits im vierten Jahr in Folge steigende Ausbildungszahlen. Die Faszination Auto strahlt nach wie vor positiv auf die jungen Menschen ab. Das wird auch so bleiben, denn das Auto ist weiterhin ein für viele attraktives Hightech-Produkt, trotz aller Diskussionen um Diesel-Fahrverbote und der in den Medien vielfach zu beobachtenden Pauschalkritik am Verbrennungsmotor.

Was sollten die Kfz-Betriebe unternehmen, um im Nachwuchswettbewerb mit anderen Branchen zu bestehen?

Es ist eine permanente Herausforderung, sich im Kampf um den geeigneten Nachwuchs als gefragte Branche bei den jungen Menschen zu positionieren. Hier sind wir alle gefordert, ganz gleich ob Schulen, Ausbildungszentren, Betriebe, Eltern, Lehrer, Meister, Hersteller, Importeure oder Verbände. Ein wichtiger Baustein ist unsere Initiative „AutoBerufe“. Sie öffnet viele Türen in Schulen und Arbeitsagenturen, weil sie markenneutral ist. Und sie geht mit neuen Social-Media-Projekten gezielt auf den Nachwuchs ein.

Müssen sich die Betriebe perspektivisch darauf einstellen, dass sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Gehalt als heute bezahlen müssen?

Ergänzendes zum Thema
 
ZUR PERSON

Die Höhe von Lohn oder Gehalt orientiert sich an verschiedenen Parametern wie Qualifikation, Erfahrung und Aufgabengebiet. Das Entgelt ist aber nur ein Faktor für die Attraktivität eines Arbeitsplatzes. Wer seinen Job gut macht, dafür Anerkennung bekommt und Zukunftsperspektiven im Unternehmen hat, für den ist das Gehalt sicher nicht allein entscheidend. Mit zunehmender Digitalisierung und dem wachsenden Bedarf an Spezialisten wird es um diese auch in unserer Branche gefragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen harten Wettbewerb geben, bei dem am Ende sicher auch das Gehalt eine Rolle spielt.

Der Verband hat sein Engagement in den sozialen Netzwerken weiter ausgebaut. Welche Hoffnungen verknüpfen Sie damit?

Wir wollen die Zielgruppen noch besser erreichen. Daher hat die Initiative AutoBerufe in der Nachwuchswerbung seit Mitte dieses Jahres die gesamte Jugendkommunikation in Richtung Schüler und Kfz-Azubis zur Website wasmitautos.com und den angeschlossenen Social-Media-Kanälen verlagert. Bereits in den ersten zehn Wochen nach Start der Kampagne reagierten 1,5 Millionen Follower mit Likes, Kommentaren, geteilten Inhalten und Videoaufrufen auf den Kanälen Facebook, YouTube, Instagram, WhatsApp und Snapchat auf die dortigen Aktivitäten. Dazu gehört aktuell auch die Social-Media-Aktion #echteautoliebe mit der TV-Moderatorin und gelernten Kfz-Mechanikerin Lina van de Mars. Sie ist das Gesicht dieser neuen Jugendkampagne, die auf der Automechanika gestartet wurde.

Läuft das Kfz-Gewerbe Gefahr, dass ihm irgendwann die Auszubildenden und in der Folge die Fachkräfte ausgehen?

Wer sich frühzeitig im Wettbewerb um die geeigneten Nachwuchskräfte kümmert und ihnen Perspektiven eröffnet, hat gute Karten, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Dabei müssen auch wir uns im Kraftfahrzeuggewerbe auf die nachwachsenden Generationen einstellen, wie jetzt aktuell die Generation Z. Das sind die jungen Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden. Sie sind es gewohnt, eine Flut von digitalen Informationen zu verarbeiten und für sich zu nutzen. Die Herausforderung besteht darin, dass unsere Betriebe den jungen Menschen Wege weisen, wie dieses Know-how für den eigenen Betrieb nutzbar gemacht werden kann. Permanenter Austausch und gegenseitige Akzeptanz sind hier enorm wichtig.

ZDK und ZKF loten derzeit auch eine Kooperation in der Berufsbildung aus. Was verbirgt sich dahinter?

Wir sprachen schon über Fachkräfte, die wir auch im Bereich Karosserietechnik dringend benötigen. Daher loten wir in gemeinsamen Gesprächen mit dem ZKF die Möglichkeiten einer Ausbildungsberechtigung unserer Betriebe und der Betriebe des Karosseriehandwerks für die beiden Ausbildungsberufe „Kfz-Mechatroniker/in, Schwerpunkt Karosserietechnik“ und „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/in, Fachrichtung Karosserieinstandhaltungstechnik“ aus. Hier sind wir noch mitten in der Sondierung. Bereits seit vielen Jahren gibt es auf regionaler Ebene insbesondere im Bereich der gewerblichen Ausbildung und der Gesellenprüfung gut funktionierende Kooperationen mit den Karosseriebauern, etwa in Form von überbetrieblichen Lehrgängen oder der praktischen Gesellenprüfung. Insofern sind wir hier auf einem vielversprechenden Weg.

In den vergangenen Monaten haben junge Frauen und Männer in den unterschiedlichsten Leistungswettbewerben von sich reden gemacht. Inwieweit helfen solche Leuchttürme dem gesamten Kfz-Gewerbe in Deutschland?

Wer sich in internationalen Wettbewerben mit Fachkolleginnen und -kollegen messen kann, nimmt viel Erfahrung für sich selbst und seinen persönlichen Leistungsstand mit. Und wer dann noch dafür ausgezeichnet wird, ist Vorbild für viele andere. Die Vorbereitung auf diese Wettbewerbe erfordert natürlich auch kooperationswillige Arbeitgeber, die zusätzliche Trainingszeiten innerhalb und außerhalb des Betriebs ermöglichen müssen. Das ist zwar aufwendig, doch in erster Linie eine Investition in die Zukunft des eigenen Nachwuchses und damit des Betriebs.

Wenn Sie in der 9. Klasse einer Realschule möglichst viele Schülerinnen und Schüler für eine Ausbildung im Kfz-Gewerbe begeistern müssten, welche argumentativen Trümpfe würden Sie ausspielen?

Ich würde das Wort JP Kraemer und Lina van de Mars überlassen, den Galionsfiguren unserer Initiative: „Seid fly, Autoberufe sind voll cheedo!“

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45601808 / Verbände)

Plus-Fachartikel

Kia: Ceed als Wachstumstreiber

Kia: Ceed als Wachstumstreiber

Der Importeur geht 2019 mit E-Soul und E-Niro in die Elektrooffensive. Die Nachfrage ist hoch, doch die Stückzahlen werden klein sein. Für Volumen soll nach Ansicht von Geschäftsführer Steffen Cost vor allem die erneuerte und erweiterte Ceed-Familie sorgen. lesen

Elektromobilität: E-Volution im Handel

Elektromobilität: E-Volution im Handel

Die Autohäuser müssen sich infrastrukturell für das Elektromobilitätszeitalter rüsten. Viele Hersteller und Importeure setzen die Latte dabei hoch und treiben die Kosten in die Höhe. Die Krux ist: Mit der Installation von Ladesäulen ist es nicht getan. lesen