Dataforce Hersteller haben die Vermieter wieder für sich entdeckt

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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In Zeiten knapper Neuwagen haben die Hersteller die Vermieter nur sehr eingeschränkt beliefert. Hohe Mietpreise und wenig junge Gebrauchte waren die Folge. Nun schlägt das Pendel um: Die Vermieter sind als Abnehmer für Neuwagen wieder sehr geschätzt.

Ein Auto bitte – inzwischen haben Kunden bei den Autovermietungen wieder ein Angebot und eine Auswahl.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Ein Auto bitte – inzwischen haben Kunden bei den Autovermietungen wieder ein Angebot und eine Auswahl.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

In Deutschland wie in Europa haben die Hersteller ihr Geschäft mit den Autovermietern ein gutes Stück weit normalisiert. Nach den Verwerfungen durch Corona-Pandemie und Lieferketten-Engpässe wird die Kundengruppe der Automobilvermieter wieder in weitgehend normalem Umfang bedacht. In absoluten Zahlen hat der Absatz im Vermietkanal allerdings sein früheres Volumen noch lange nicht erreicht.

In Deutschland legten die Auslieferungen an Vermieter im ersten Halbjahr 2024 um 13 Prozent auf rund 175.000 Einheiten zu, hat die Marktforschung Dataforce berechnet. Der Abstand zum Vor-Corona-Markt ist dennoch deutlich: Im Jahr 2019 nahmen die Vermieter noch 217.000 Einheiten ab. Der Vermietmarkt befindet sich „auf dem Weg zurück zum Vor-Corona-Niveau“, bilanziert Dataforce.

Ähnlich sieht es gesamteuropäisch aus, wobei die Auslieferungen an die Vermieter in diesem Rahmen sogar noch deutlich stärker zugelegt haben: In den ersten sechs Monaten des Jahres kletterten die Vermieterzulassungen um 24 Prozent auf knapp 780.000 Einheiten. Auch das sind allerdings deutlich weniger als die 1,11 Millionen Einheiten, die laut Dataforce im Vergleichszeitraum 2019 ihren Weg zu Hertz, Sixt und Co. fanden. Für Julian de Groot, Leiter Sales und Marketing von Dataforce, „scheinen die Hersteller offenbar wieder zu den Autovermietern zurückzukehren, um ihr Volumen zu optimieren“. Dies führe zu einem wettbewerbsfähigeren Angebot für die Verbraucher.

Sowohl in Deutschland als auch in Europa liegt der Vermietermarkt derzeit noch etwa ein Fünftel hinter dem Volumen des Jahres 2019 zurück – wobei der europäische Gesamtmarkt (die Länder der EU, der Efta und Großbritannien) ebenfalls zum Halbjahr noch 18 Prozent dem 2019er Volumen hinterherhinkte. Die Gründe für den starken Rückgang der Vermieter-Zulassungen sind bekannt: Erst wurden sie im Lockdown nicht mehr gebraucht. Dann wurden von den Herstellern wegen der Lieferengpässe die Privat- und Firmenkunden bevorzugt bedient.

Marktanteile unterscheiden sich vom Gesamtmarkt

Während die Autovermieter in Deutschland derzeit etwa 12 Prozent der Neuwagen abnehmen, liegt die Quote in Spanien doppelt so hoch – es ist der höchste Anteil unter den großen europäischen Automärkten. Die Ursache ist der Tourismus, der zu einer hohen Nachfrage nach Mietfahrzeugen führt. Das größte Wachstum im Vermietmarkt vermelden derzeit die Briten: Bei ihnen legte dieser Vertriebskanal binnen eines Jahres laut Dataforce um 110 Prozent zu (wobei Dataforce angesichts des großen Sprungs die offizielle Datenbasis für das Jahr 2023 in Frage stellt).

Spannend ist, dass sich manche Fabrikate deutlich stärker auf dem Vermietmarkt engagieren, als es ihrem Marktanteil in Europa entsprechen würde. Marktführer ist VW – bei den Vermietern (Marktanteil 10,6 %) ebenso wie allgemein im europäischen Neuwagenmarkt (10,9 %). Auf Platz zwei der Vermietfahrzeug-Lieferanten liegt dann schon Peugeot (8,5 %), wobei die Franzosen europaweit laut dem Herstellerverband Acea nur auf einen Marktanteil von 5,4 Prozent kommen. Platz drei im Vermietermarkt geht an Renault (7,6 %). Im Gesamtmarkt liegt das Fabrikat mit 6,7 Prozent auf Platz zwei. Danach folgen im Vermietermarkt Citroën (6,6 %/3,6 %) und Ford (5,8 %/3,6 %).

In Deutschland ergibt sich im ersten Halbjahr 2024 ein etwas anderes Bild: Auch hierzulande liefert VW laut dem Kraftfahrt-Bundesamt die meisten Autos an die Vermieter. Dahinter folgen allerdings die Premiummarken Audi und BMW sowie Seat und Opel. Peugeot ist erst auf Platz 8, Citroën auf Platz 10 und Ford auf Platz 13.

Elektromobilität ist kaum gefragt

Einig sind sich die Hersteller europaweit anscheinend in ihrer weitgehenden Ablehnung von Elektroautos. Das liegt einerseits an einer geringen Nachfrage der Mieter, andererseits schrecken die Autovermieter wegen der niedrigen Restwerte vor E-Fahrzeugen zurück. Ein hoher Wertverlust würde erhöhte Mietpreise erfordern, was dann wiederum die Nachfrage der Mieter dämpft. In der Folge wurden im ersten Halbjahr nur knapp 30.000 Elektrofahrzeuge als Mietfahrzeuge zugelassen, ihr Anteil sank von 6,4 Prozent im Vorjahr auf 3,8 Prozent. Wenn es ein Elektrofahrzeug sein soll, ist der Renault Megane E-Tech das beliebteste Modell, gefolgt vom Tesla Model Y.

Das geringe Interesse der Mieter hat vor allem praktische Gründe. Wenn E-Autos zum Einsatz kommen, dann oft in der Fremde, sprich die Kenntnis der Lademöglichkeiten fehlt, Tankkarten sind nicht vorhanden oder einsetzbar. Die Kosten fürs Laden sind nicht wirklich planbar und bei ungeübten E-Auto-Nutzern dürfte die Reichweitenangst zuschlagen. Schließlich gilt im Vermietgeschäft die Regel, dass Autos betankt oder geladen zurückgegeben werden. Bei E-Autos kann das einen langwierigen Vorlauf vor der Rückgabe bedeuten.

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