BMW Himmel blau-weiß oder weiß blau?

Autor / Redakteur: Tanja Schmitt / Steffen Dominsky

Glauben heißt nicht wissen, stimmt’s? Denn obwohl jeder halbwegs Auto- und Motorradaffine glaubt, des Logo der Münchner Marke rühre von einem Flugzeugpropeller her: Dem ist nicht so!

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Das BMW-Logo im Wandel der Zeit.
Das BMW-Logo im Wandel der Zeit.
(Bild: BMW AG)

Ob die Bayerischen Motorenwerke wohl geahnt hatten, welchen Medienrummel sie mit der letzten Überarbeitung ihres Emblems auslösen würden? Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern scheinbar beiläufig präsentierten sie dieses erstmals bei der Vorstellung des E-Coupés i4 Concept. Mehr als 20 Jahre wurde das bisherige Logo nicht angerührt. Beim „Neuen“ wurde hingegen kräftig Hand angelegt. Eines der Merkmale, der schwarze Ring, musste weichen. Durch die jetzige Transparenz wird die darunterliegende Lackschicht sichtbar und Teil des Logos. Außerdem ist dieses nun nicht mehr drei-, sondern nur noch zweidimensional. Jens Thiemer, Senior Vice President für Customer and Brand, verweist auf Offenheit und Klarheit, die das redesignte Emblem ausstrahle.

Doch wie kommt das überarbeitete Logo an? Nicht gut. Das belegt eine repräsentative YouGov-Studie vom März 2020. Rund drei Viertel der Befragten bevorzugen die frühere Version, nur 8 Prozent finden die jetzige schöner. 62 Prozent finden das alte Signet sympathisch, das neue nur 47 Prozent. Und auch in den sozialen Medien wurde munter diskutiert. Scheinbar verschreckt ruderte BMW ein Stück zurück und verkündete, das transparente Logo käme gar nicht auf Autos, sondern werde nur für Kommunikationsmittel sowie im Messe- und Eventbereich verwendet. Es sei ausschließlich eine Ergänzung zum bestehenden Logo, kein Ersatz.

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Verkehrtes Bayern

Doch wie kam BMW überhaupt zu seinem Markenzeichen? „Viele Leute glauben, beim BMW-Logo handle es sich um einen stilisierten Propeller“, sagt Fred Jakobs, Leiter des Archivs der BMW Group Classic. Aber: „Die Wahrheit ist eine andere.“ Es stimmt, dass das Unternehmen in seinen Anfangsjahren Flugzeugmotoren produzierte. BMW ging 1917 aus den Rapp-Motorenwerken, einem Hersteller von Flugzeugmotoren, hervor. Rapp hatte in seinem Logo einen Rappen. Das Pferd kam weg, der schwarze beschriftete Ring wurde beibehalten.

Der bayerischen Heimat wurde mit den Landesfarben Tribut gezollt – allerdings in Blau-Weiß und nicht in Weiß-Blau (in der Wappenkunde liest man von links oben im Uhrzeigersinn). Weiß-Blau wäre auch gar nicht erlaubt gewesen, denn das damalige Markenschutzgesetz verbot es, Staatswappen oder sonstige Hoheitszeichen für ein Signet oder Warenzeichen zu nutzen. So drehte BMW die Farben einfach um – ein geschickter Schachzug. Am 5. Oktober 1917 war es dann soweit: Das BMW-Logo wurde hochoffiziell im kaiserlichen Markenverzeichnis eingetragen. Große Veränderungen sollte es in den folgenden 100 Jahren nicht erleben.

Die Propeller-Legende

Aber wie kam es zum Mythos mit dem Propeller? 1929 – also zwölf Jahre nach der Eintragung ins Markenverzeichnis – veröffentlichten die Bayerischen Motorenwerke in einer Publikation das Emblem mit den vier Farbfeldern in einem sich drehenden Flugzeugpropeller. Damit war die Legende geboren. „BMW selbst hat sich lange keine Mühe gegeben, den Mythos geradezurücken“, erklärt Fred Jakobs. Ganz im Gegenteil: Irgendwann sprangen die Bayerischen Motorenwerke selbst auf den fahrenden Zug auf, indem sie immer wieder Darstellungen mit einem Propeller zeigten. Archivar Jakobs meint: „Die Interpretation ist seit den Neunzigerjahren geläufig und hat dadurch auch ihre Berechtigung.“

Hat zwar nichts mit Logos zu tun, ist aber trotzdem interessant: BMW hat nicht nur einen, sondern gleich mehrere Spitznamen. Die Fahrzeuge werden sowohl „Bimmer“, „Beamer“ oder „Beemer“ genannt. Der erste Name wird vor allem für Pkw verwendet, die beiden anderen für Motorräder. Entstanden sind sie im englischen Sprachraum, wo das W zu einem umständlichen „Double-U“ wird. Ach ja, eine quasi separate Logo-Story bezüglich BMW ist die von BMW-Motorsport bzw. des M-Logos. Diese finden Sie hier.

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