Kfz-Gewerbe NRW Mit i-Kfz bislang nur fünf Autos zugelassen

Von Doris S. Pfaff 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Das Ausmaß der Schwierigkeiten des neu gestarteten i-Kfz zeigte „Premiumzulasser“ dem Kfz-Gewerbe NRW auf dessen Mitgliederversammlung auf: Bislang konnten bundesweit nur eine Handvoll Autos zugelassen werden.

Der Vorstand des Kfz-Gewerbes NRW wurde wiedergewählt: Klemens Hellenbrand (v. l.), Jürgen Kroos, Stefan Bäckmann (neu dabei), Frank Mund, René Gravendyk, Hermann Kattenstroth, Detlef Peter Grün, Christian Will, Jörg Markwort und Geschäftsführer Marcus Büttner.(Bild:  Zietz - VCG)
Der Vorstand des Kfz-Gewerbes NRW wurde wiedergewählt: Klemens Hellenbrand (v. l.), Jürgen Kroos, Stefan Bäckmann (neu dabei), Frank Mund, René Gravendyk, Hermann Kattenstroth, Detlef Peter Grün, Christian Will, Jörg Markwort und Geschäftsführer Marcus Büttner.
(Bild: Zietz - VCG)

In der Bay-Arena in Leverkusen begrüßte Präsident Frank Mund die Mitglieder des Kfz-Gewerbes NRW und zog ein kritisches Resümee des Branchenjahres 2023. Mund betonte, dass es wichtig sei, die Arbeit und Leistung der „Mannschaft" im Kfz-Gewerbe ähnlich wie bei einem Fußballteam zu würdigen und den Stolz auf die Branche auch in herausfordernden Zeiten aufrechtzuerhalten.

Der Landesverband fordert von der Politik zum aktuellen Zeitpunkt nachhaltig positive Entscheidungen für den Mittelstand zu treffen, der einen entscheidenden Beitrag für die Infrastruktur leistet. „In NRW sind die Kfz-Betriebe für die Mobilität von 18 Millionen Einwohnern mit rund 12 Millionen zugelassenen Fahrzeugen verantwortlich. Ohne Mobilität würde unsere Wirtschaftskraft wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen“, so Mund.

Bildergalerie

Neben den Vorstandswahlen standen bei der Mitgliederversammlung des Kfz-Gewerbes NRW aktuelle Themen auf der Tagesordnung: die Fachkräftesituation, die Neuordnung des Berufsbildes des Kfz-Mechatronikers sowie der aktuelle Stand bei der internetbasierten Fahrzeugzulassung (i-Kfz) durch das Autohaus. Die Bilanz zu i-Kfz ist ernüchternd, bislang konnten über das am 1. September gestartete Verfahren bundesweit nur fünf Fahrzeuge zugelassen werden.

Einstimmig sprach sich die Versammlung für die Wiederwahl des Vorstands mit Frank Mund als Präsident aus. Neu dabei ist Stefan Bäckmann, Obermeister der Innung Köln. Er folgte auf Rolf Mauss, der freiwillig ausschied. Das Kfz-Gewerbe müsse sich jetzt schon um die zukünftige Fachkräftesituation kümmern, sagte Vorstand Mund in seiner Ansprache. Zwar werde der Bedarf im Handel sinken, nicht jedoch im Servicebereich – dort steigen insbesondere die Anforderungen. „Wir als Organisation müssen für die Erst- und Weiterbildung sorgen“, sagte er.

Rolle der Innungen soll gestärkt werden

Für den Handel rechne er mit einer Marktbereinigung durch die Hersteller mit der Folge, dass die Anzahl der Betriebe sinke. Ungebundene Betriebe seien die Säulen des Kfz-Gewerbes. Auch der Servicemarkt werde sich verändern und noch stärker durch Wettbewerb geprägt sein. Um sich besser auf die Zukunft vorzubereiten, empfahl er den Innungsmitgliedern die Studie von Baden-Württemberg zur Zukunft der Servicebetriebe des Kfz-Gewerbes.

Die Rolle der Innungen des Kfz-Handwerks gelte es weiterhin zu stärken. Dazu gehöre es, frühzeitig eine Nachfolgereglung für die AU/AÜK zu finden. Geschäftsführer Klemens Hellenbrand legte die Statistik zu den vorgenommenen beigestellten Prüfungen durch die Innungsbetriebe vor. Bislang seien das zwar stetig mehr geworden, aber der Wandel werde mit steigender Elektromobilität kommen. „Die Mobilitätswende wird kommen und der Marktanteil der Verbrenner sinken“, sagte Hellenbrand. Er riet frühzeitig zu einem Update der AUK 2.0. Das Augenmerk sollte das Kfz-Gewerbe zum Beispiel auf Fahrerassistenzsysteme (FAS) legen, die in die Prüfungen mit eingebunden werden könnten.

Alle Innungen sollten digitale Prüfungen durchführen

Geschäftsführer Marcus Büttner legte eine Bilanz zu den digitalen Prüfungen vor. Etwa die Hälfte der Innungen führten sie inzwischen durch – sie seien damit sehr zufrieden. Ziel sei, alle 46 Innungen dafür zu gewinnen, auch aus Kostengründen. Denn die Prüfung auf Papier sei deutlich teurer als die Onlinevariante. Noch sind die Prüfungsfragen aus Sicherheitsgründen parallel auf Papier verfügbar. Dieses Sicherheitsnetz werde zukünftig durch eine günstigere Ersatzprüfung abgelöst.

Den Innungen, die sich noch bis Juni 2024 für die Onlineprüfung entscheiden, werde der Landesverband die einmaligen Implementierungskosten in Höhe von 1.500 Euro erlassen. Diese Kosten fallen durch die Prüfung der Hard- und Software im Vorfeld der Prüfung an.

Weiteres Thema war die Neuordnung des Kfz-Mechatronikers. Anpassungen des Berufsbildes seien erforderlich, dazu brauche es einen Konsens im gesamten Verband. Es gilt die Schwerpunkte anzupassen, denn zukünftig werden die Azubis nicht mehr alles beherrschen können, so Büttner. Das Kfz-Gewerbe empfehle eine zweijährige Grundlagenausbildung, auf die dann eine anderthalbjährige Spezialisierung und später die Fortbildung folge.

Diskutiert wurde auch die Möglichkeit, den Servicetechniker wiederzubeleben. Dieses Zweistufenmodell biete viele Vorteile, so Hellenbrand, sei aber in der Vergangenheit unter anderem von den Sozialpartnern und Gewerkschaften abgelehnt worden, weil diese anderthalbjährige Ausbildung zu wenig berufliche Perspektiven biete.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Nur 14 Zulassungsstellen können i-Kfz

Seit Spätsommer kooperiert das Kfz-Gewerbe NRW mit „Premiumzulasser“, der Dienstleistungen zum i-Kfz anbietet. Seit der am 1. September gestarteten Onlinezulassung konnten bislang über die Großkundenschnittstelle zum KBA jedoch nur eine Handvoll Autos – genau fünf – zugelassen und 136 abgemeldet werden – bundesweit wohlgemerkt. Die fünf Fahrzeuge seien Eigenzulassungen einer Gruppe aus Wolfsburg. Nur 14 Zulassungsstellen seien aktuell überhaupt in der Lage, das Verfahren durchzuführen.

Diese Bilanz legte Florian Cichon vom Premiumzulasser vor. Ursache dafür seien fehlende Voraussetzungen des Systems der Behörden. „Wenn ich eine Abmeldung ins System hochlade, muss ich immer bei der Zulassungsstelle anrufen und fragen, ob die angekommen ist“, so Cichon. Die gestartete Onlinezulassung durch das Autohaus sei auch nach neun Wochen nicht auf dem Stand, auf dem es sein müsste – vor allem in Anbetracht von Kosten und Aufwand. In seinem Vortrag stellte er den Vertretern der Innungen das i-Kfz-Verfahren vor – jedoch so, wie es eigentlich funktionieren sollte. Außerdem zeigte er die Dienstleistungen des Zulassers für die Innungsbetriebe.

Abschließend fanden Ehrungen statt: René Gravendyk erhielt für sein besonderes und über 31-jähriges Engagement im Ehrenamt von Präsident Frank Mund die silberne Ehrennadel überreicht.

(ID:49786570)