Innung Stuttgart überzeugt: Diesel-Nachrüstwelle kommt noch

Nachfrage steige stetig

| Autor: Doris Pfaff

Im Juni 2019 hat das Kraftfahrt-Bundesamt dem ersten Nachrüstsystem die Freigabe erteilt.
Im Juni 2019 hat das Kraftfahrt-Bundesamt dem ersten Nachrüstsystem die Freigabe erteilt. (Bild: ZDK)

Die Coronakrise hat die Zulassungsstellen ausgebremst und damit die Möglichkeit, bereits eingebaute Hardware-Nachrüstung in den Kfz-Scheinen eintragen zu lassen und die entsprechende Nachrüstförderung abzurufen. Darauf weist die Kfz-Innung Stuttgart hin und bezieht sich auf Aussagen großer Autohersteller wie Daimler und VW über bislang geringes bis fehlendes Kundeninteresse.

Bisher seien in der Region Stuttgart von den Kfz-Innungsbetrieben seit Jahresanfang 279 Nachrüstsysteme verbaut worden. Weitere 390 Nachrüstaufträge lägen vor, davon allein 372 für Mercedes. Dass Daimler diese Information nicht vorliegt, lässt sich laut Innungsgeschäftsführer Christian Reher einfach erklären: „Voraussetzung für einen Zuschussantrag ist ein Scan der Zulassungsbescheinigung Teil I und II, nachdem die Nachrüstung eingetragen ist.“

Diese Eintragungen seien aber durch die Coronakrise von den Zulassungsstellen noch nicht erfasst worden. Die Welle der Zuschussanträge komme noch – auch weil keiner der Kunden, „der seinen Euro-5-Diesel noch ein Weilchen fahren will, die 3.000 Euro von VW oder Daimler verschenken wird“, so Reher.

Das bestätigten auch Kfz-Betriebe. „Wir haben feststellen müssen, dass beim Landratsamt Esslingen Eintragungen zeitweise nicht möglich waren. Dennoch rüsten wir nach. Wir haben in diesem Jahr bereits 35 Systeme eingebaut und haben zwölf verbindliche Bestellungen“, sagt Frank Schnierle, Geschäftsführer des Mercedes-Autohauses Jesinger in Esslingen und stellvertretender Obermeister der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Region Stuttgart.

Systeme teilweise nicht lieferbar

Das Autohaus Kloz in Fellbach hat laut Geschäftsführer Dieter Schlatterer schon 150 Systeme verbaut, 300 sind vorbestellt, und es verzeichnet eine steigende Nachfrage. „Die ersten 1.000 Systeme dürften damit schon Stand jetzt demnächst in der Region Stuttgart verbaut sein“, so Reher.

Es gebe auch Anfragen, die noch nicht umgesetzt werden konnten, beispielsweise für VW-Fahrzeuge. Und zwar, weil Nachrüstsätze bisher nicht lieferbar waren, so Obermeister Torsten Treiber. Das ändere sich gerade, bei Twintec/Baumot laufe das Geschäft auch an. „Zehn Nachrüstsätze sind bestellt, aber die Lieferzeit liegt bei acht bis zehn Wochen“, sagt Roger Schäufele vom Möhringer Autohaus Lutz, der Stuttgarter Kreisvorsitzende der Kraftfahrzeuginnung.

Für den VW Sharan/Seat Alhambra oder Audi Q5 quattro 2,0 TDI bietet der Hersteller Oberland-Mangold ab sofort ein SCR-Nachrüstsystem an, bei dem die 3.000 Euro Zuschuss, die VW versprochen hat, den Kosten für das System entsprächen. Treiber: „Wenn es den Nachrüstsatz zum Nulltarif gibt, ist das für alle, die rechnen können, ein starkes Argument.“

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Noch stärker sei aber ein anderes: „Wer nicht nachrüstet, verschenkt nicht nur Geld. Er riskiert auch Fahrverbote“, sagt Reher und weist auf die Ankündigung von Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hin, der noch in diesem Jahr ein flächendeckendes Verkehrsverbot für Euro-5-Diesel-Pkws in Stuttgart durchsetzen will. „Das heißt, er will alle Euro-5-er aus der Stadt haben, so wie es bei den Euro-4-Dieseln lief“, sagt Reher.

„Nur wer eine Hardware-Nachrüstung hat, kann sicher sein, dass er auch am Ende der gerichtlichen Auseinandersetzung noch fährt. Denn bis jetzt waren die Verwaltungsrichter meistens auf der Seite der DUH“, sagt Torsten Treiber. Und: „Da die Nachrüstung kein finanzielles Risiko ist, ist es besser, sie lieber heute als morgen in Auftrag zu geben, vor allem, wenn man in Stuttgart wohnt.“

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