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Karosserieinstandsetzung: Gefährlicher Sichtverlust

Autor / Redakteur: Holger Schweitzer / Dr. Holger Schweitzer

Ist ein Stoßfänger mit Radarsensor nicht fachgerecht repariert, kann es sein, dass Assistenzsysteme Hindernisse nicht mehr korrekt erkennen. Noch genauer als Optiker beim Anpassen einer Brille müssen Werkstätten hier arbeiten – es geht um Mikrometer.

(Bild: © Udo Kroener - stock.adobe.com)

Ein freundlicher Herbsttag im Jahr 2021 auf der A7 zwischen Kassel und Fulda. Der Fahrer am Steuer seines neuen Pkws mit Fahrerassistenten, die ihm das Überholen auf der Autobahn abnehmen, sitzt entspannt bei Tempo 130 hinter dem Lenkrad: Sein Level-3-Fahrzeug bereitet sich darauf vor, den Brummi vor ihm zu überholen, die Sensoren prüfen das Umfeld inklusive des toten Winkels. Sie erkennen kein Hindernis und keine mögliche Gefahr. Das Auto setzt den Blinker, schert nach links aus – und schleudert den Motorradfahrer, der gerade überholt hatte, in die Leitplanken.

Dieses zugegebenermaßen fiktive Horrorszenario eines jeden Autofahrers sollte mit der modernen Sensorik, bestehend aus Lidar, Radar, Ultraschall und Kameras, nie passieren dürfen. Was dieses spezielle Beispiel jedoch besonders macht: Der Pkw war kurz vor dem Unfall in einer Werkstatt, die sich um einen durch einen Parkrempler verursachten Unfallschaden am Heckstoßfänger kümmerte. Der Betrieb reparierte jedoch nachweislich nicht nach Herstellervorgaben, weshalb die im Stoßfänger verbauten Sensoren nicht funktionieren konnten, wie sie sollten. Damit haftet weder der Pkw-Hersteller noch der Fahrer für den Unfall, sondern die instandsetzende Werkstatt. Die damit verbundenen Konsequenzen für Kfz-Werkstätten in ihrem betrieblichen Alltag erläuterte Helge Kiebach, Leiter Schadenforschung des Kraftfahrzeugtechnischen Instituts (KTI), auf den diesjährigen Würzburger Karosserie- und Schadenstagen.