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Kassel küsst Autoschönheiten wach

Redakteur: Christoph Baeuchle

In Kassel sind derzeit extrem rare Oldtimer zu sehen. Die exklusive Sammlung Schlumpf zeigt noch bis Ende Juli 2013 Schätze der Vergangenheit.

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Raritäten der Sammlung Schlumpf sind bis Ende Juli 2013 in Kassel zu sehen.
Raritäten der Sammlung Schlumpf sind bis Ende Juli 2013 in Kassel zu sehen.
(Foto: Kraß)

Oldtimer-Fans kommen derzeit in Kassel auf ihre Kosten: Die beiden Oldtimer-Enthusiasten Heinz Jordan und Dietrich Krahn haben 40 meist unrestaurierte Autos des französischen Nationalmuseums Cite de l'Automobile (Sammlung Schlumpf) aus Mulhouse nach Nordhessen geholt. Noch bis Ende Juli ist die Ausstellung „Schlafende Automobile – schön und unberührt“ zu sehen.

„Das ist eine einmalige Ausstellung, die nur für kurze Zeit zu sehen ist“, erläutert Gerhard Soßdorf von der Kfz-Innung Kassel. Diese hat bei der Umsetzung des Projekts die Initiatoren unterstützt und entsprechend mitgewirkt. „Wir haben diverse Nebenarbeiten übernommen und waren mehrmals im französischen Mulhouse vor Ort, wo die Fahrzeuge ihre Heimat haben, um bei der Auswahl zu helfen.“

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Nun ist die nordhessische Stadt, die sonst für die alle fünf Jahre stattfindende Kunstausstellung Documenta bekannt ist, für einige Woche das Zentrum für Oldtimer-Fans. Dies nutzt die Kfz-Innung auch für eigene Veranstaltungen: So war sie jüngst Gastgeber für das Hessische Kfz-Gewerbe.

Die Fahrzeuge, die einst die Gebrüder Schlumpf sammelten, verlassen selten ihre Heimat in Mulhouse. Die Tuchfabrikanten haben durch ihre Besessenheit im Verlauf von 40 Jahren die größte Bugatti-Sammlung der Welt zusammengetragen. Grundlage für die Sammlung war das Firmenvermögen.

Als die Tuchfabrik 1976 aufgrund der Sammelleidenschaft Pleite ging, war die Wut der Arbeiter groß. Sie besetzten das Firmenareal und fanden in einer Halle die Fahrzeuge. Nur durch Einschreiten von Gewerkschaft und Polizei konnte verhindert werden, dass die Sammlung komplett in Flammen aufging. Der französische Staat übernahm die Sammlung samt Areal und gründete später das Französische Nationale Automobilmuseum. Die Gebrüder Schlumpf gingen in die Schweiz ins Exil.

Die Ausstellung legt viel Wert auf Authentizität. „Auch in Kassel werden die Fahrzeuge in einer Fabrik präsentiert“, erläutert Soßdorf. Es seien alte, nicht restaurierte Fahrzeuge in einer alten, nicht restaurierten Halle. „Beide Unternehmen, die Tuchfabrik in Frankreich und die Spinnerei in Kassel, waren etwa zur gleichen Zeit aktiv.“

Mit der Ausstellung wollen die Initiatoren und die Kfz-Innung auch zum Nachdenken anregen: Wann lohnt es sich, ein Fahrzeug zu restaurieren? Wann ist es gerechtfertigt, dass es verfällt? „Entscheidend sind der Zustand des Fahrzeugs und sein Seltenheitswert“, gibt Soßdorf eine Einschätzung. Eine konkrete Antwort hängt vom jeweiligen Fahrzeug ab und muss für jede Rarität einzeln gegeben werden. „Es gibt auch Fahrzeuge, an denen man den Zahn der Zeit nagen lässt – als einfaches Relikt der Zeit.“

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