GKN Kein Spiel im Gelenk

Redakteur: Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Wenn ein klackendes Geräusch beim Anfahren oder beim Fahren mit eingeschlagenem Lenkrad den Kunden in die Werkstatt führt, ist der Fehler meist schnell lokalisiert: Er liegt in der

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Beim Einbau der reparierten bzw. neuen Gelenkwelle muss der Mechaniker sorgsam vor- gehen. Nicht nur der Durchmesser, sondern auch die Zähnezahl müssen stimmen.
Beim Einbau der reparierten bzw. neuen Gelenkwelle muss der Mechaniker sorgsam vor- gehen. Nicht nur der Durchmesser, sondern auch die Zähnezahl müssen stimmen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Wenn ein klackendes Geräusch beim Anfahren oder beim Fahren mit eingeschlagenem Lenkrad den Kunden in die Werkstatt führt, ist der Fehler meist schnell lokalisiert: Er liegt in der Antriebswelle. Diese hat die Aufgabe, Drehmomente zwischen zwei zueinander fluchtenden oder versetzten Anschlüssen zu übertragen. Die Welle muss innerhalb eines großen Drehzahlbereichs arbeiten und dabei Winkelveränderungen der zu verbindenden Anschlüsse in weiten Grenzen ermöglichen. Darüber hinaus soll sie auch noch Längenveränderungen ausgleichen. Kurz: Die Antriebswelle ist eines der am meisten beanspruchten Bauteile in einem Automobil.

Faltenbalg ist Schuld

Die Schadendiagnose beginnt mit der Begutachtung der Welle im eingebauten Zustand, vornehmlich des Faltenbalgs. Dessen Hauptaufgabe ist es, die Gelenkwelle abzudichten. Allerdings ist der Faltenbalg auch heute noch der große Schwachpunkt der homokinetischen Gelenkwelle und damit gleichzeitig wesentlich für die Haltbarkeit der Welle mit verantwortlich. „Schon wenn der Faltenbalg lediglich porös ist, können Schäden an der Antriebswelle entstehen. Dann wird nämlich das Fett ausgeschwitzt und das Gelenk der Welle läuft schnell trocken“, erklärt GKN-Kundenberater Frank Becher. In diesem Fall sei in der Regel die gesamte Peripherie der Welle durch Fett verschmutzt. Darüber hinaus lässt sich neben dem festen Sitz der Gelenkwelle auch das Verdrehspiel des Gelenks zum Profilrohr überprüfen.

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Hierfür muss das Fahrzeug auf dem Boden stehen. Wird das Fahrzeug angehoben, zieht sich die Welle auseinander und die Kugeln im Verschiebegelenk stehen nicht mehr im Verschleißkrater. Dann lässt sich ein eventuelles Spiel nicht einwandfrei feststellen. Zur Prüfung der Welle bewegt der Mechaniker das Profilrohr radial zum Gelenk – es darf nur ein minimales Spiel zu spüren sein.

Ist die Welle ausgebaut, spannt der Monteur sie in einen Schraubstock ein. Anschließend kann er die Drehbewegung des Gelenks nachvollziehen. Es muss leichtgängig sein, darf nicht hakeln und kein Spiel haben.

Eine hundertprozentige Antriebswellenprüfung lässt sich aber nur im demontierten Zustand durchführen. Dazu wird die Welle zerlegt, die Gelenke werden entkugelt und gereinigt. Danach kann der Monteur den Schaden beurteilen.

„Die Reparatur einer Gelenkwelle beschränkt sich in der Werkstatt häufig auf den Austausch des Fettes und der Manschette. Dafür gibt es von GKN den Reparatursatz Manschette“, sagt Becher. Zusätzlich bietet sein Unternehmen den Reparatursatz „Manschette und Gelenk“ an, für den Fall, dass das Gelenk beschädigt ist. Bei allen Schäden, die darüber hinausgehen, empfiehlt der Fachmann, die Gelenkwelle auszutauschen.

Auch beim Einbau der Welle kann der Mechaniker noch Fehler machen. Beispielsweise, wenn er nicht die richtigen Anzugsmomente verwendet. „Das ist aber unabdingbar. Denn zum einen wird die Welle durch das korrekte Anzugsmoment gesichert. Genauso wichtig ist aber, dass die Gelenkwelle das Radlager auf Vorspannung hält“, erläutert Becher. Zudem müsse die Werkstatt die Ersatzgelenkwelle sorgfältig auswählen. „Beispielsweise haben wir für den Golf viele unterschiedliche Gelenkwellen im Lieferprogramm“, berichtet Becher. Die Gelenkwelle dürfe keinesfalls „mit Gewalt passend gemacht werden“. Neben dem Durchmesser müssten die Monteure auch auf die Zähnezahl der Welle und deren Flankenwinkel achten.

Konrad Wenz

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