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»kfz-betrieb« Auto-Check: Aston Martin Rapide S – aus einer anderen Welt

| Autor: Christoph Seyerlein

Einen deutlich über 200.000 Euro teuren Aston Martin nach Standardkriterien zu bewerten, hat wenig Sinn. Die ein oder andere spannende Erkenntnis hat eine Ausfahrt im einzigen Viersitzer der Marke, dem Rapide S, aber dennoch ans Licht gebracht.

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Seit 2014 in seiner heutigen Form auf dem Markt: der Aston Martin Rapide S.
Seit 2014 in seiner heutigen Form auf dem Markt: der Aston Martin Rapide S.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

2010 hatte es Ulrich Bez geschafft. Schon lange hatte sich der damalige Aston-Martin-Chef einen Viertürer gewünscht, Anfang des Jahrzehnts war es dann so weit. Bez' damalige Ansage an seine Ingenieure und Designer: Pfeift auf „form follows function“ ein Aston Martin muss schön sein, schöner als etwa ein vergleichbarer Porsche Panamera.

Herausgekommen ist genau das: ein faszinierend schönes Auto, dessen Funktionalität hinten ansteht. Denn auf den beiden Fondsitzen, die exakt dieselben sind wie die Sessel in der Vorderreihe, kann es aufgrund der kompromisslos durchgezogenen Dachlinie schon mal etwas eng werden.

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Das war es dann aber auch schon fast alles, was der Autor an dem Luxusliner auszusetzen hat. Nicht dem sonstigen Status entsprechend sind die Blinkerhebel aus Plastik, Infotainmentfanatikern dürfte außerdem das ausfahrbare Display auf der Mittelkonsole zu klein sein. Allerdings muss man dabei beachten, dass die Briten den Rapide S seit 2014 nicht mehr verändert haben, gerade bei den Bediensystemen hat sich seitdem viel getan.

Ansonsten bietet das Auto trotz seiner schon etwas längeren Lebensdauer immer noch Luxus pur, im Innenraum fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Wer sonst ein Alltagsauto fährt, muss damit erst einmal klar kommen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kann man das Erlebnis Rapide S aber sehr gut genießen.

Denn egal, ob rasante Autobahnfahrten oder gemütliches Zuckeln über die Landstraße – der Brite hat alles souverän im Griff. Mit seinem 560-PS-starken V12 unter der Haube sorgt er zudem für ein Sounderlebnis, das man so in heutigen Autos nur noch selten geboten bekommt. Wohl auch, um die eigenen Insassen vor der Dauerbeschallung zu schützen, ist das Auto doppelt verglast.

Bräutigam ohne Nackenstarre

Hinten geht es zwar eng zu, dafür bekommen die Fondpassagiere an Unterhaltung einiges geboten, unser Testwagen hatte unter anderem Bildschirme in den Kopfstützen der Vordersitze. Und eine kleine Lanze muss der Autor für die Limousine auch noch brechen: Der Rapide S kam als Hochzeitsauto zum Einsatz, die Braut hatte trotz ihres Kleides und einer Körpergröße von knapp 1,70 Meter genügend Platz, auch der über 1,80 Meter große Bräutigam hatte nach der Ausfahrt keine Nackenstarre.

Ein Auto wie den Aston Martin Rapide S nach Standardkriterien zu bewerten, hat wenig Sinn. Das Fahrzeug ist selbstredend kein Alltagsauto, sondern viel mehr eine Ode an die Schönheit für ein Klientel, bei dem Geld weniger als keine Rolle spielt. Ein gern herangezogenes Testelement will ich aber doch erwähnen, da es mich überrascht hat: Trotz seines brachialen V12-Aggregats und rund zwei Tonnen Gewicht war der Verbrauch nämlich nicht astronomisch hoch. Die Herstellerangabe von 12,9 Litern auf 100 Kilometern war wie eigentlich immer nicht einzuhalten, mit einer 14 vor dem Komma ließ sich der Brite aber durchaus gut bewegen.

Und der Preis? Wie viel genau unser Testwagen kostete, hinterlegte der Hersteller nicht. Aufgrund der extrem luxuriösen Ausstattung kann man aber davon ausgehen, dass der Preis weit über dem Grundniveau von knapp 194.000 Euro lag.

(ID:45454549)

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