»kfz-betrieb« Auto-Check: Cadillac Escalade

Unterwegs in einem Exoten

| Autor: Christoph Seyerlein

Monströse Erscheinung: der Cadillac Escalade
Monströse Erscheinung: der Cadillac Escalade (Bild: Schreiner/»kfz-betrieb«)

Man stelle sich vor, man steht an einer roten Ampel und ist das zweite Auto in der Reihe. Vor einem wartet ein Audi TT. Das Problem: Man sieht ihn nicht. Nur der Abstandswarner piepst wie verrückt. Willkommen im Cadillac Escalade. Mit seiner monströs hohen Motorhaube verschluckt das US-Schlachtschiff flache Flitzer tatsächlich nahezu komplett.

Generell gilt selbst für Vielfahrer: Bevor man im Escalade über die Straßen walzt, sollte man sich ausreichend Zeit zur Eingewöhnung nehmen. Denn nur die wenigsten dürften im Alltag ein 5,18 Meter langes und vor allem 2,27 Meter breites, 1,90 Meter hohes und gut 2,6 Tonnen schweres Ungetüm durch die Gegend rangieren. Apropos rangieren: der Wendekreis des Escalade beträgt schlappe 11,90 Meter.

Gerade die Fahrzeugbreite löst im wuseligen Stadtverkehr regelmäßig Mulmigkeitsanfälle aus. Die Parkplatzsuche ist reine Glückssache, in die hauseigene Tiefgarage passt der Escalade selbstverständlich nicht rein.

Und so heißt es bei der Testfahrt mit jenem Monstrum wohl am ehesten: Hirn aus, V8 an. Sind die verstopften Straßen in Würzburg schon normalerweise eine Qual – der Escalade zwingt einen geradezu, der Stadt zu entfliehen. Aber selbst auf Landstraße und Autobahn kann man beispielsweise den Spurhalteassistenten gut gebrauchen. Um es kurz zu sagen: Der Cadillac Escalade ist für deutsche Straßen einfach nicht gemacht.

Ein Cruiser, kein Raser

Blendet man das alles aus, macht es aber freilich Spaß, höher als die meisten anderen Verkehrsteilnehmer im luxuriösen Inneren durch's Land zu cruisen. Zumindest solange, bis man einen Stopp an der Tankstelle einlegen muss. Den Normverbrauch gibt Cadillac mit 12,6 Litern an, bei der ausgiebigen Testfahrt gönnte sich der Escalade in etwa 15 Liter pro 100 Kilometer.

Das Rasen sollte man im Cadillac aber nicht nur aus Kostengründen lieber unterlassen. Das Auto ist erhaben – aber nicht über jeden Zweifel. Vor allem das Fahrwerk ist für schnelle Kurvenfahrten nicht ausgelegt, leichtes Schlingern ist zumindest dann keine Seltenheit, wenn der Wahlhebel auf Heckantrieb gestellt ist. Der Escalade ist ein Geradeaus-Roller. Und beim bereits erwähnten Cruisen können Insassen schließlich viel kommoder sämtlichen Schnickschnack genießen, den das Auto so zu bieten hat – sei es der eingebaute Kühlschrank oder das Entertainmentsystem mit zahlreichen Bildschirmen und den Kino-ähnlichen Sitzen im Fond.

Insgesamt wirkt der Cadillac Escalade mit seiner schieren Wucht, dem 6,2-Liter-V8 mit 313 kW/426 PS und seinem entsprechenden Durst wie ein Relikt aus Auto-Zeiten, als der Umweltgedanke noch weniger omnipräsent war. Er hat den Charme eines Exoten, dürfte sich aber in Gegenden mit mehr Platz deutlich wohler fühlen als im deutschen Verkehrs-Getümmel. Wer hierzulande dennoch ein solches Abenteuer angehen möchte, sollte ein wenig Geld übrig haben: Die Preise für den Escalade starten bei rund 100.000 Euro.

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