»kfz-betrieb« Autocheck: Abarth 695 XSR Yamaha Cabrio

Von dem Sondermodell gibt es nur 695 Einheiten

| Autor: Christoph Seyerlein

Fiat-500-Ableger mit Motorrad-Genen: der Abarth 695 XSR Yamaha.
Fiat-500-Ableger mit Motorrad-Genen: der Abarth 695 XSR Yamaha. (Bild: Seyerlein / »kfz-betrieb«)

Satt wummert es durch die Fenster unseres Verlagssitzes in Würzburg. Schnell kleben mehrere Nasen an eben jenen, um einen Blick zu erhaschen, was die Redaktion da als nächstes Testobjekt erwartet. Audi RS6? BMW M3? Oder doch sogar ein Porsche 911? Wer den Abarth 695 XSR Yamaha nicht sieht, sondern nur hört, erwartet eine echte PS-Schleuder. Umso erstaunter waren einige Blicke der neugierigen Mannschaft, als da der sportliche Fiat-500-Ableger auf den Hof röhrte.

Doch was macht den Kleinen zu einem solchen Krawallwürfel? In erster Linie ist dafür die Sportabgasanlage verantwortlich. Das Heck ziert ein Doppelauspuff aus dem Hause Akrapovic. Der holt aus dem 165-PS-starken 1,4-Liter-Turbobenziner akustisch wirklich alles heraus. Akrapovic stattet regelmäßig auch Motorräder mit seinen Anlagen aus. Beim Abarth ist das aber nicht die einzige Anlehnung an ein Zweirad, schließlich hat der Fiat-Werkstuner das Sondermodell, von dem es nur 695 Einheiten gibt, gemeinsam mit Motorradhersteller Yamaha entwickelt. Beispielsweise sollen Alu-Applikationen und rote Zierelemente auf der grauen Karosserie an das Design von Moto-GP-Bikes erinnern.

Beim Fahren merkt man dann ehrlicherweise aber doch recht schnell, dass man in einem Auto sitzt. Übermäßig spektakulär geht es im Abarth nicht zu. Das kommt nicht total unerwartet, schließlich ist die Variante ein ganzes Stück schwächer auf der Brust als das Topmodell des 500er, der 695 Biposto mit seinen 190 PS. Einigermaßen spaßig geht es in der Yamaha-Edition aber schon zu, zumindest, solange sich der Fahrer in der Stadt oder auf der Landstraße bewegt. Wer auf satten Vortrieb setzt, muss das Auto aber ziemlich hochtourig fahren, unter 2.500 Umdrehungen bewegt sich der kleine Italiener gelegentlich etwas träge fort. Und Fahrten jenseits der 130 Stundenkilometer sind nicht das Kerngebiet des Abarth. Muss es bei einem Stadtflitzer aber auch wahrlich nicht sein.

Wer mit dem Auto seinen Spaß haben will – und davon ist bei Abarth-Kunden durchaus auszugehen – wird wenig überraschend die Verbrauchsangaben des Herstellers kaum einhalten können. Wie erwähnt sind für das Vergnügen häufig hohe Drehzahlen Pflicht. So werden aus den angegebenen sechs Litern dann schnell 7,5 und mehr. Zur Erheiterung trägt auch der Sport-Modus bei – und das im positiven Sinne. Immer mal wieder fragt man sich bei Autos, wo denn jetzt der Unterschied zwischen „Normal“ und „Sport“ sein soll. Im Abarth spürt man ihn. Der Sound wird nochmal eine Spur böser, die Abstimmung des Fahrzeugs merklich straffer und die Motorsteuerung reagiert plötzlich äußerst sensibel auf die Eingangsparameter des Gaspedals. So soll es sein.

Schwacher Prozessor

Im Innenraum stellt sich dagegen an mancher Stelle die Frage: Was soll das? Das Lenkrad ist teilweise, das zentrale Instrument komplett mit Alcantara überzogen. Das Steuer macht das durchaus griffig, ansonsten wirkt der edle Stoff direkt neben reichlich Hartplastik aber doch ziemlich deplatziert. Die Sportsitze für Fahrer und Beifahrer sind einigermaßen bequem, fallen aber eine Spur zu schmal aus und wissen beim Seitenhalt nicht zu glänzen.

Die größten Fragezeichen hinterließ der 7-Zoll-Touchscreen, über den sich das Infotainment-Angebot steuern lässt. Die versprochenen Assets wie etwa Apple Carplay funktionieren zwar, allerdings ist der Prozessor des Systems einfach zu schwach. Auf Touch-Befehle reagiert es teilweise erst mit zweisekündiger Verzögerung. Das nervt. Nichts auszusetzen gab es dagegen am Verdeck, das sich per Knopfdruck komfortabel und problemlos öffnen und schließen ließ.

Stellt sich zum Schluss noch die Frage, für wen das Auto etwas sein könnte. Am ehesten wohl für eingefleischte Abarth-Fans, die etwas exklusiver als mit den „gewöhnlichen“ 595-Modellen unterwegs sein wollen, zugleich aber nicht so viel Geld wie für einen Biposto ausgeben wollen. Mit Preisen ab 25.000 Euro (Cabrio ab 27.500) ist die Yamaha-Edition wesentlich günstiger als Letzterer, der für knapp 40.000 Euro zu haben ist.

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