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Kfz-Gewerbe fordert mehr Unterstützung im Wandel

| Autor: Christoph Baeuchle

Soll die Mobilitätswende gelingen, brauchen nicht nur Hersteller Unterstützung, sondern auch Autohäuser und Werkstätten. Schließlich spielen sie in dem Prozess eine entscheidende Rolle, verdeutlichte das Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart.

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Gern gesehener Gastredner beim Herbstforum: Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg.
Gern gesehener Gastredner beim Herbstforum: Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg.
(Bild: Christoph Baeuchle/»kfz-betrieb«)

Autohäuser und Werkstätten sollen die Mobilitätswende mitgestalten. Folglich müssen sie stärker berücksichtigt werden: „Es ist nicht damit getan, dass Steuermittel in die Herstellerkassen fließen, und sei es über den Umweg der E-Auto-Prämie“, betonte Michael Ziegler beim traditionellen Herbstforum der Kfz-Innung Region Stuttgart. Der Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg forderte neben Förderprogrammen zur Luftreinhaltung, auch jene Werkstätten zu unterstützen, die auf neue Technologien setzen.

Viele Fabrikate machen hohe Vorgaben, die die Betriebe umsetzen müssen: Schulungen, Werkzeuge, Ladesäulen bis hin zu Quarantäneplätzen. Die Kosten bewegen sich zum Teil im sechsstelligen Euro-Bereich. „Wir müssen zwischen 60.000 und 200.000 Euro in die Standards für die E-Mobilität investieren“, erläuterte Ziegler.

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Seien die Betriebe nicht bereit beziehungsweise in der Lage, den Anforderungen nachzukommen, falle die Wende aus. Deshalb Ziegler Lösungsvorschlag: „Wenn Bund und Land Ladesäulen fördern, um die Infrastruktur zu stärken, dann sollen sie auch die Umstellung in den Kfz-Werkstätten fördern, die zusätzliche Technik bereithalten müssen – auch das zählt zur Infrastruktur.“

Gerade in der schwäbischen Metropole und ihrem Umland spielt dies natürlich eine große Rolle. Schließlich bekommen die Autohäuser und Werkstätten die Branchenumbrüche hier gleich mehrfach zu spüren. Das gilt nicht nur für die forcierte Umstellung auf E-Mobilität, sondern auch für die Probleme mit Feinstaub und Stickoxide sowie den damit verbundenen Fahrverboten.

Kampf um den Diesel in Stuttgart

Ab Anfang nächsten Jahres folgt der nächste Einschnitt: Dann dürfen Euro-5-Diesel bestimmte Strecken nicht mehr nutzen. „Wenn’s dumm läuft, drohen ab Mitte 2020 Fahrverbote in der Stuttgarter Innenstadt und in drei Stadtbezirken“, sagte Torsten Treiber, Obermeister der Kfz-Innung Region Stuttgart. Gemeinsam mit Geschäftsführer Christian Reher und weiteren Mitstreitern setzt sich Treiber für den Diesel ein – auch juristisch: „Aktuell führen wir zwei Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart.“

Die Kfz-Branche gilt als Deutschlands Vorzeigebranche, und die Region Stuttgart ist eines der wenigen europäischen Automobil-Cluster. „Die Ruinen der Autofabriken im amerikanischen Detroit sind uns ein warnendes Beispiel“, ergänzte Treiber. Es reiche jedoch nicht, sich nur in der Region zu engagieren. Mit ihrem Einsatz für die Branche sind die Schwaben längst in Brüssel zugange.

„Wir müssen als Kfz-Gewerbe auf EU-Ebene noch viel aktiver werden“, verlangte Präsident Ziegler. Der „Transformationsrat Automobilwirtschaft Baden-Württemberg“, an dem das Kfz-Gewerbe beteiligt ist, kommt das nächste Mal in Brüssel zusammen, nicht zuletzt um sich mit den verantwortlichen EU-Kommissaren zu besprechen. In dem dazu angefertigten Impulspapier der Landesregierung spielt das Kfz-Gewerbe eine wichtige Rolle.

Trotz aller Umbrüche und allem Wandel ist für Obermeister Treiber eines klar: „Das Auto hat einen festen Platz in der Mobilität der Menschen. Unsere Kfz-Betriebe haben eine Schlüsselstellung, wenn es darum geht, diese Mobilität zu garantieren.“

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