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Kienle: Restaurierung ist handwerkliche Ehrensache

| Autor: Steffen Dominsky

Sie sind bekanntlich fleißig, die Schwaben, und oft auch sehr akribisch. Was in Sachen Oldtimerkompetenz dabei herauskommen kann, zeigt im Fall Mercedes-Benz ein Blick hinter die Kulissen von Kienle Automobiltechnik.

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Gelernt ist gelernt: Klaus Kienle.
Gelernt ist gelernt: Klaus Kienle.
(Bild: Dominsky)

„Benchmark“ lautet einer dieser englischen Begriffe der Neuzeit, der sich mittlerweile im Deutschen etabliert hat. Wahrlich etabliert haben sich in Oldtimerkreisen auch ein Mann und seine Idee: Klaus Kienle heißt er, und sein Ziel ist es, historische Mercedes-Benz im absolut perfekten alten Glanz wiederauferstehen zu lassen. Was in den Achtzigerjahren als zartes Pflänzchen begann, ist mittlerweile zu einem „soliden Wald“ herangewachsen. Und noch immer steht Kienle Automobiltechnik fest wie die viel zitierte deutsche Eiche. Warum? Ganz einfach: Solide wie das Holz des deutschen Vorzeigebaums ist auch das Handwerk des heute 71-Jährigen, das er Fahrzeug um Fahrzeug immer wieder abliefert.

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Dabei ist die Versuchung groß, einem Kunden eine Arbeit abzuliefern, die auf den zweiten Blick nicht hält, was der erste verspricht. D. h., ein Auto anders zu restaurieren, als es erstens die Handwerkerehre verlangt, zweitens die Klientel bereitwillig bezahlt und als es drittens den damaligen Werkstandards entsprach. Nein, so etwas würde für Klaus Kienle und seine beiden Söhne Alexander und Marc niemals in Betracht kommen. Und genau diese Einstellung ist es, die sich anfangs in Deutschland, dann europa- und seit vielen Jahren auch weltweit herumgesprochen hat: Die Kienles bieten solide schwäbische Handarbeit. Gewissenhaft, penibel und pedantisch im positiven Sinne.

Gelernt ist gelernt

Die Basis für die in Sachen Mercedes-Benz einzigartige Kompetenz legte der Firmengründer während seiner Tätigkeit in der Abteilung „Großreparaturen und Sonderfahrzeuge“ in der Stuttgarter Niederlassung des Automobilbauers als Kfz-Mechaniker. Hier warteten und reparierten Klaus Kienle und seine Kollegen über viele Jahre hinweg jene Modelle, die heute als Ikonen in Oldtimerkreisen gelten: Typen wie den 300 SL, den 600, die ersten S-Modelle und selbstverständlich auch das Gros der Vorkriegswagen. Dutzend-, nein hundert- und tausendfach sind sie durch die Hände des gebürtigen Stuttgarters gegangen.

Irgendwann hatte sich Klaus Kienle derart viel Kompetenz angeeignet, dass er zum Leiter besagter Abteilung mit ihren mehr als 100 Mann aufstieg. Doch mit der Zeit nahm die Zahl der Aufträge an diesen historischen Stuttgarter Meilensteinen ab. Und irgendwie auch die Bereitschaft der Verantwortlichen, sich um diese Exoten mit der nötigen Hingabe zu kümmern. „Oldtimer“, das war ein Begriff, den kannten viele Anfang der Achtzigerjahre noch nicht einmal. Alte Autos waren eben Autos, basta.

Superlative in fast jeder Hinsicht

So reifte in Klaus Kienle die Überlegung, sich mithilfe des angesammelten Wissens und dem Potenzial, das er in Sachen Oldtimerreparatur bzw. -restaurierung sah, selbstständig zu machen, was er 1984 auch schließlich tat. Seitdem ist Kienle Automobiltechnik kontinuierlich gewachsen. Rund 90 Mitarbeiter kümmern sich heute auf allein 6.000 Quadratmeter Werkstattfläche um nahezu sämtliche Belange in Sachen Wartung/Reparatur und vor allem Restaurierung von Traumwagen mit Stern. Dabei gliedert sich der Betrieb in folgende Bereiche:

  • Karosserie- und Rohbau, Tischlerei
  • Sattlerei
  • Motorenbau mit Motorenprüfstand
  • Kfz-Elektrik
  • Ersatzteillager, Teilebeschaffung und Teilenachfertigung
  • Mechanische Abteilung und Werkzeugbau
  • Endmontage und Finishing
  • Verkauf und Vermittlung
  • Spezialeinbauten

Ein Alles-aus-einer-Hand-Angebot, das im Prinzip alles, was für eine professionelle Oldtimerrestaurierung vonnöten ist, beinhaltet – mit einer Ausnahme: der Lackierung. Das Lackieren ist eines der ganz wenigen Gewerke, das Kienle fremdvergibt. Was der Betrieb zu leisten dennoch imstande ist, zeigt die Bildergalerie. Ach so: Wer selbst einmal einen Blick hinter die Kulissen bei den Kienles werfen möchte, der hat dafür im Rahmen einer rund zweistündigen Werksbesichtigung die Gelegenheit. Terminauskünfte gibt es auf der Kienle-Homepage.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group